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Wilsberg: Minus 196 Grad

Warum liegt die Frau tot im Aasee in Münster? Am Vorabend hatte sie noch Hilfe bei Wilsberg gesucht. Die Geschichte scheint schleierhaft, zumal sich die Frau selbst das Leben genommen haben soll. Der Privatdetektiv hat ein schlechtes Gewissen - und ermittelt.

Samstag, 02.03.2019, 00:01 Uhr
Georg Wilsberg (Leonard Lansink) ermittelt mal wieder.
Georg Wilsberg (Leonard Lansink) ermittelt mal wieder. Foto: Friso Gentsch

Münster (dpa) - Der Name führt komplett in die Irre. Der neue Wilsberg-Krimi «Minus 196 Grad» müsste eigentlich «Zeit der Gefühle» heißen.

Und diesmal nicht, weil Privatschnüffler Georg Wilsberg (Leonard Lansink) mal wieder mit Kommissarin Springer (Rita Russek) zarte Bande knüpft, sondern weil der sonst depperte Kripo-Clown Overbeck (Roland Jankowsky) Vatergefühle entwickelt und die Rechtsanwältin Alex (Ina Paule Klink) sich in einen Mandanten verknallt.

Klingt mehr nach Komödie als nach Hochspannung. Dieser ZDF-Samstagskrimi (2. März, 20.15 Uhr) ist beste kurzweilige Unterhaltung und überrascht mehrmals mit ganz neuen Seiten der bekannten Charaktere. Drehbuch (Jürgen Kehrer und Sandra Lüpkes) und Regie (Martin Enlen) lassen in dieser Folge Overbeck und Alex hier mal in ganz neuem Licht erscheinen. Besonders Springers Assistenten im Polizeipräsidium Münster tut dieser Auftritt gut.

Die Auftritte von Overbeck und Rechtsanwältin Alex gehören zu einem verworrenen Krimiplot: Es geht um ein Familiendrama, um Kinder aus künstlicher Befruchtung und um bei Minus 196 Grad tiefgefrorene Eizellen. Die Erzählstränge finden am Ende natürlich zueinander. Wer dann wen gemeuchelt hat, kommt doch überraschend, zumal auch Ekki (Oliver Korittke) in Lebensgefahr gerät - auch wenn das seine Familie, also Wilsberg und Alex, zu diesem Zeitpunkt eigentlich nicht interessiert.

Das Mordopfer (Ann-Kristin Leo) hat nur einen Kurzauftritt. Die Frauenleiche landet bereits nach wenigen Augenblicken im Aasee in Münster. Dem Tod ging ein verstörender Auftritt in einem Spielwarengeschäft und ein Hilfegesuchen in Wilsbergs Antiquariat voraus. Der macht sich auf die Suche, das Rätsel zu lösen, denn an einen Suizid glaubt Wilsberg nicht.

Die Spuren führen zu einer Kinderwunschklinik mit Arzt Dr. Thorsten Friedrichs (Manuel Rubey) und zum Ehemann des Mordopfers (Simon Böer). Dass der wohl ein Problem mit dem Alibi hat und nicht auf Dienstreise sondern im Bett mit der jungen Assistentin war, ahnt der Privatdetektiv schnell. «Dienstreise. Solche Typen kenne ich. Wahrscheinlich legt er zuerst seine Assistentin flach und schickt sie dann anschließend Blümchen kaufen als Trostpreis für die Gattin zuhause», bewertet Wilsberg die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Chef und Assistentin.

Die größte Trauer trägt die Schwester des Mordopfers (Julia Brendler). Sie glaubt auch nicht an den Selbstmord. Wer bekämpft schon erfolgreich den Krebs, bringt sich dann um und lässt ein kleines Mädchen zurück? Undenkbar.

Dass sich Ekki mit dem Altkleidersammler Arthur Sandfort (Simon Hatzl) anlegt, gehört zum Wirrwarr dieses Krimis und muss am Ende erfolgreich entflochten werden. Die Auflösung dieses Erzählstranges aber ist dann - auch für einen Wilsberg-Krimi - doch etwas zu sehr an den Altkleidern herbeigezogen.

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