TV-Tipp
Ziemlich beste Nachbarn

In Russland fährt er Schlitten, in Italien spricht er über Mafia-Filme, in England kämpft er mit dem Linksverkehr: Michael Kessler ist als Klischee-Tester in Europa unterwegs.

Dienstag, 05.03.2019, 00:01 Uhr
Michael Kessler geht Klischees auf den Grund.
Michael Kessler geht Klischees auf den Grund. Foto: Ralf Hirschberger

Berlin (dpa) - Über die Bewohner unserer Nachbarländer gibt es viele Klischees - eine ZDF-Reihe will ihnen auf den Grund gehen. Wie es dort tatsächlich zugeht, versucht Michael Kessler mit seiner Reihe «Ziemlich beste Nachbarn» herauszufinden.

Den Auftakt macht «Wir und die Russen» am Dienstag (5. März, 20.15 Uhr), gefolgt von «Wir und die Italiener» (12. März) und «Wir und die Briten» (19. März) zum Abschluss des dreiteiligen Formats «Ziemlich beste Nachbarn».

In Russland darf Kessler (51), Schauspieler und Komiker, mit dem Schlitten fahren und danach schön in der Sauna schwitzen, mit Mütze auf dem Kopf. Natürlich sei Russland riesig, allein Sibirien sei größer als ganz Europa, erzählt er. Auf dem zugefrorenen Baikalsee kämpft er mit seiner Landkarte, darf dann aber die sprichwörtliche russische Gastfreundschaft erleben - Wodka wird allerdings kaum getrunken.

In Italien ist Kessler der vermutlich nicht ganz ernst gemeinten Ansicht, dass die vielen «Altbauten» dort dringend saniert werden sollten. Später ist zu erfahren, dass die Landesbewohner gar nicht alle so romantisch sind und ihre Spaghetti stets ohne Löffel essen. Der Schauspieler Mario Adorf darf derweil von seinen Mafia-Filmen erzählen.

In England kämpft Kessler mit dem Linksverkehr und setzt sich mit der Verehrung der Briten für Sherlock Holmes, die Royals, Pferderennen und den Nachmittagstee auseinander. Ihren trockenen Humor erreicht er dabei leider nicht - dazu wirkt er einfach zu deutsch. Oder ist das auch ein Klischee?

Kessler konnte mit Auftritten in «Genial daneben» (Sat.1) und mit seiner Talksendung «Kessler ist...» (ZDF) überzeugen. Hier nun taucht er plötzlich in historischen Aufnahmen auf, mit Stalin, Putin, der Queen oder Berlusconi, was ziemlich albern wirkt. Die Szenen bei Gastfamilien sehen inszeniert aus. Historiker, Autoren oder Journalisten kommen zu Wort, was durchaus informativ ist, aber untergeht.

Kessler als scheinbar unbedarfter Tourist und das Spiel mit Klischees - die Idee ist nicht schlecht. Die Mischung aus Comedy, Satire und Reportage in «Ziemlich beste Nachbarn» ist allerdings nur leidlich unterhaltsam. Der Erkenntnisgewinn für den Zuschauer hält sich in sehr überschaubaren Grenzen.

Den 51-Jährigen selbst überraschten besonders Russland und die Russen, wie er im ZDF-Interview erklärte. «Die Russen sind uns nämlich sehr ähnlich: Erst einmal ernst und distanziert, vielleicht ein bisschen schlecht gelaunt. Das kennen wir ja auch aus Deutschland. Doch wenn das Eis gebrochen ist, gibt es einen intensiven, sehr herzlichen Austausch.»

Die Filme seien eine Einladung, die eigenen Klischees und Vorurteile zu überprüfen und vielleicht einen neuen Blick auf die Nachbarn zu werfen, sagte Kessler und empfahl, sich mehr um das Kennenlernen der europäischen Nachbarn zu bemühen. «Wir reisen zwar gern, aber bleiben oftmals zu sehr unter uns», sagte er. «Etwas mehr Neugierde und Lust auf Land und Leute täten vielen gut. «All inclusive» im Urlaubsresort kann man ein Land nicht kennenlernen.»

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