Retro-Softpop
Robert Ellis und E.B. The Younger auf AOR-Zeitreise

Softrock hat bei Musikkritikern ein insgesamt schlechtes Image. Aber wie fast jede Stilrichtung im Pop erlebt auch diese irgendwann eine Renaissance. Jetzt versuchen sich Robert Ellis und Eric Pulido alias E.B. The Younger an watteweichen Retro-Sounds.

Dienstag, 26.03.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 26.03.2019, 06:02 Uhr
Liberace ist für Robert Ellis ein Vorbild.
Liberace ist für Robert Ellis ein Vorbild. Foto: Alexandra Valenti

Berlin (dpa) - Der Begriff «Adult Oriented Rock» (AOR) setzte sich in den 70er Jahren durch - für «Erwachsenenmusik» wie von Elton John, Billy Joel, Leon Russell, Jim Croce oder Electric Light Orchestra. Auf deren Spuren bewegen sich nun die US-Songwriter Robert Ellis und Eric Pulido alias E.B. The Younger.

Die größere Überraschung liefert dabei mit einem recht gewagten Stilwechsel der 30-jährige ROBERT ELLIS ab. Der in Texas geborene Sänger und Gitarrist setzt sich diesmal ausschließlich ans Klavier, nennt den Piano-Schnulzenkönig Liberace sein Vorbild («I got a kick out of him») und posiert als «Southern Gentleman» im weißen Anzug mit Blume im Knopfloch und Cowboyhut. So gelingt ihm eine stilvolle Verwandlung vom Countryrock-Barden früherer Alben zum «Texas Piano Man» (New West/Pias/Rough Trade) der neuen Platte.

Die Lieder spielen gelegentlich mit Americana- und Honkytonk-Stimmungen («Topo Chico»), erinnern aber hauptsächlich an die AOR-Epen der Seventies: die Eagles von «Take It Easy», den Elton John der «Yellow Brick Road»-Phase oder einen Billy Joel, der statt New York die US-Südstaaten besingt.

Zwar ist Ellis' leicht nasale Stimme bei weitem nicht so charismatisch wie der Gesang seiner großen Helden, aber beispielsweise in der schönen Ballade «Father» oder in «He Made Me Do It» strengt er sich ordentlich an, ihnen näher zu kommen. Und in dem für prüdes US-Radio nicht gerade maßgeschneiderten Opener «Fucking Crazy» oder dem Anti-Rauchverbot-Song «Nobody Smokes Anymore» hat Robert Ellis auch auf seinem ersten Pianopop-Werk die von ihm gewohnten schlauen Texte im Angebot. Well done!

Mit seiner wie Ellis aus Texas stammenden Band Midlake hatte der Sänger und Songwriter Pulido schon immer ein Faible für jenen «erwachsenen» Poprock, der in den 70er Jahren seinen Anfang nahm. Der Alias-Name seines Soloprojekts E.B. THE YOUNGER ergibt sich aus seinen beiden Vornamen: Eric Brandon Pulido. Die psychedelischen Elemente des weichen Midlake-Sounds hat er auf dem Debüt «To Each His Own» (Bella Union/Pias/Rough Trade) gegen eine klare, unverkrampfte AOR-Orientierung eingetauscht.

Das klingt in «When The Time Comes» schon mal nach den Beach Boys, bis eine E-Gitarre den freundlich-trägen DooWop-Klang etwas aufbrezelt. Häufig bleibt es leider bei einer recht harmlosen, immerhin angenehm ins Ohr flutschenden Softpop-Berieselung («CLP», «Don't Forget Me»). Doch man muss Pulido lassen, dass seine Lieder im Spiegel ihrer über 40 Jahre alten Vorbilder gut gemacht sind (mit «Down And Out» und «Out Of The Woods» als Album-Highlights).

Eine Zeitreise also, die handwerklich bestens funktioniert und einigen Unterhaltungswert hat. Man darf gespannt sein, wie Pulido alias E.B. The Younger seinen watteweichen Retro-Sound auf die Bühne bringt - bei drei Deutschland-Konzerten im April: 8.4. Berlin, Badehaus; 9.4. Hamburg, Molotow SkyBar; 11.4. Köln, MTC.

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