Soforthilfeprogramm
Große Koalition will Kinos auf dem Land unterstützen

Die Kinobetreiber haben zuletzt mit sinkenden Besucherzahlen gekämpft. Manche haben auch noch andere Baustellen, wollen etwa das Foyer renovieren oder brauchen neue Technik. Die Politik plant nun Unterstützung - zumindest für eine bestimmte Gruppe.

Mittwoch, 27.03.2019, 17:16 Uhr aktualisiert: 27.03.2019, 17:18 Uhr
Auch die Kinos in kleineren Orten sollen ein Ort der Begegnung bleiben.
Auch die Kinos in kleineren Orten sollen ein Ort der Begegnung bleiben. Foto: Carsten Rehder

Berlin (dpa) - Kinos in kleineren Orten auf dem Land bekommen nach Plänen der großen Koalition noch in diesem Jahr Unterstützung vom Bund.

Die Kultur- und Haushaltspolitiker von Union und SPD und Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) verständigten sich auf ein «Soforthilfeprogramm» von fünf Millionen Euro, wie die Deutsche Presse-Agentur am Mittwoch erfuhr.

Damit sollen Kinos in Orten mit bis zu 25.000 Einwohnern bei Investitionen unterstützt werden - etwa für neue Kassentechnik, Projektoren und Lautsprecher, Programmarbeit oder Marketing. Pro Kino soll es bis zu 25.000 Euro Zuschuss geben, die Einrichtungen müssen mindestens 20 Prozent selbst beisteuern.

Grütters sagte, das Programm solle dazu beitragen, dass das Kino als kultureller und sozialer Ort weiterhin attraktiv bleibe. «Und zwar in ganz Deutschland, nicht nur in den Metropolen.» Unions-Fraktionsvize Gitta Connemann (CDU) erklärte, Kinos seien in ländlichen Räumen häufig der einzig öffentliche Begegnungsort, wenn Museen oder feste Theater fehlten. «Dieser Ort kann am Ende nicht durch Streaming-Dienste auf der heimischen Couch ersetzt werden.»

SPD-Kulturpolitiker Martin Rabanus erläuterte, sinkende Publikumszahlen und der digitale Umbruch stellten die kleinen Kinobetriebe vor große Herausforderungen. Das Programm sei ein erster Schritt, sie fit für die Zukunft zu machen. Angestrebt wird, es noch vor der parlamentarischen Sommerpause Anfang Juli zu starten.

Der Hauptverband der deutschen Filmtheater (HDF Kino) sieht in dem Programm ein wichtiges Zeichen. «Ein erster Anfang ist damit sicherlich gemacht», teilte Vorstandschef Thomas Negele mit. Die Mittel müssten «aber dringend um ein echtes Zukunftsprogramm» ergänzt werden, das die gesamte Kinolandschaft in den Blick nehme.

«Dafür ist nicht nur ein deutlich höheres Budget nötig, es müssen auch andere Kriterien als lediglich die Ortsgröße angelegt werden», erklärte Negele. Aus Sicht der Verbands sollten also auch Kinos in größeren Städten profitieren. Der HDF vertritt als einer der Verbände in Deutschland rund 600 Betreiber von kommerziellen Kinos.

Die Branche hatte zuletzt mit sinkenden Besucherzahlen zu kämpfen. Nach Daten der Filmförderungsanstalt (FFA) wurden im vergangenen Jahr noch rund 105,4 Millionen Kinogänger gezählt. Damit wurden 13,9 Prozent weniger Tickets als im Jahr zuvor verkauft. In rund 900 Städten und Gemeinden gab es mindestens ein eigenes Kino. Rund 1170 Unternehmen betrieben rund 1700 Spielstätten. Rein rechnerisch könnten 200 Kinos auf dem Land von dem Förderprogramm profitieren, wenn jedes davon die Höchstsumme ausschöpfen würde.

Die fünf Millionen Euro stammen den Angaben zufolge aus einem Programm des Bundesagrarministeriums, das auch für die Förderung ländlicher Regionen zuständig ist. Anträge der Kinos sollen in der Reihenfolge des Eingangs bearbeitet werden. Gestellt werden können sie demnach bei der Filmförderungsanstalt - genaue Details sind noch unklar. Die CDU-Kulturpolitikerin Elisabeth Motschmann sagte, es sei wichtig, dem Kinosterben auf dem Land vorzubeugen.

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