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Der Lissabon-Krimi: Dunkle Spuren

In dem neuen Lissabon-Krimi begibt sich der Strafverteidiger Eduardo Silva auf dunkle Spuren. Dabei nimmt er sich des Falls eines Mandanten an, der ihn an das eigene Schicksal erinnert und manchmal melancholisch stimmt.

Donnerstag, 28.03.2019, 00:01 Uhr
Rechtsanwalt Eduardo Silva (Jürgen Tarrach) und seine Assistentin Marcia Amaya (Vidina Popov) suchen in der zerstörten Kleiderfabrik nach neuen Beweisen.
Rechtsanwalt Eduardo Silva (Jürgen Tarrach) und seine Assistentin Marcia Amaya (Vidina Popov) suchen in der zerstörten Kleiderfabrik nach neuen Beweisen. Foto: Paulo Monteiro

Berlin (dpa) - Wenn zu Beginn des Films die Musik laut dröhnt, der Wein fließt und Eduardo Silva (Jürgen Tarrach) sich auf der Tanzfläche gehen lässt, sieht es aus, als würde der einst gefeierte Staatsanwalt das Leben in vollen Zügen genießen.

Tatsächlich flüchtet er sich in den Rausch, um für kurze Zeit dem Schmerz zu entkommen, den ihm der Tod seiner Frau noch immer bereitet. Als traumatisierte Persönlichkeit taumelt der Strafverteidiger durch die Straßen von Lissabon, bis ihn ein Fall wieder zum Leben erweckt.

In der dritten Folge des Lissabon-Krimis, den das Erste an diesem Donnerstag um 20.15 Uhr ausstrahlt, nimmt sich Silva des Schicksals eines Mandanten an, in dem sich der Rechtsanwalt selbst wiedererkennt. Der Unternehmer Antonio Alves (João Didelet) sitzt in Untersuchungshaft, weil ihm vorgeworfen wird, seine Kleiderfabrik in die Luft gesprengt zu haben, um eine hohe Versicherungssumme einzustreichen. Der Vorfall kostete einer Näherin das Leben. Silva trifft jedoch nicht auf einen Kriminellen, sondern auf einen Verzweifelten, dessen Sorge allein seiner todkranken Frau gilt.

Während der Rechtsanwalt an die Unschuld des Fabrikanten glaubt, ist seine ambitionierte wie temperamentvolle Referendarin weniger milde gestimmt. Marcia, wunderbar gespielt von Vidina Popov, sieht in Alves eher einen gewissenlosen Geschäftsmann. Aus dieser entgegengesetzten Haltung gegenüber dem Mandanten entsteht eine Grundspannung, die der Episode eine gewisse Dynamik verleiht. Dass Silva außerdem das schon etwas heruntergekommene Hotel, in dem er haust, verlassen und bei Marcia einziehen muss, hilft nicht, die gespannte Situation zu entschärfen.

Mit seinem eigentümlichen Charme schafft es der Rechtsanwalt dann aber doch, dass ihm nicht nur die junge Assistentin, sondern auch die Zuschauer ihre Sympathien schenken. Der Protagonist sorgt häufig für bewegende Momente, vor allem wenn er aus persönlicher Betroffenheit in Melancholie verfällt. «Dunkle Spuren» spielt bewusst mit der Saudade, dieser besonderen portugiesischen Wehmut und Traurigkeit, die Silva in einigen Szenen bei Fado-Musik intensiv zum Ausdruck bringt.

Das traurig-schöne Gefühl von Sehnsucht, Einsamkeit und Weltschmerz ist im dritten Teil des Lissabon-Krimis besonders stark ausgeprägt und macht ihn zu einem ungemein stimmungsvollen Film, dem man getrost nachsehen kann, dass die Aufklärung des Falls etwas schleppend verläuft. Am Ende ist die Angelegenheit komplizierter, als zunächst angenommen. Das verführt die kühne Referendarin zu einem Alleingang, der sie schließlich unerwartet in Gefahr bringt.

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