Bilderbuch-Frankreich
«Monsieur Claude 2»: Fortsetzung der Hit-Komödie

«Monsieur Claude und seine Töchter» war ein großer Erfolg. Nun kommt die Fortsetzung ins Kino. Doch ist Teil 2 noch so lustig wie der erste Film?

Sonntag, 31.03.2019, 20:47 Uhr aktualisiert: 01.04.2019, 10:06 Uhr
Claude Verneuil (Christian Clavier) und Marie Verneuil (Chantal Lauby) versuchen mit allen Tricks, ihren Töchtern und deren Ehemännern das Leben in Frankreich wieder schmackhaft zu machen.
Claude Verneuil (Christian Clavier) und Marie Verneuil (Chantal Lauby) versuchen mit allen Tricks, ihren Töchtern und deren Ehemännern das Leben in Frankreich wieder schmackhaft zu machen. Foto: -

München (dpa) - 2014 fanden es Millionen Franzosen sehr komisch, als ein erzkonservativer Familienvater im Kino reaktionäre Sprüche schwang, weil seine vier Töchter heiraten wollten. Die Auserwählten entsprachen so gar nicht seinem Weltbild: ein Chinese, ein Muslim, ein Jude und ein Schwarzer.

«Monsieur Claude und seine Töchter» nannte sich die auch in Deutschland erfolgreiche Komödie mit Chantal Lauby und Christian Clavier, die sich fröhlich über jede politische Korrektheit hinwegsetzte und trotz aller Differenzen versöhnlich endete. Nun folgt «Monsieur Claude 2». Darin wollen die Töchter mit ihren Familien ins Ausland ziehen, denn ihre Männer fühlen sich in Frankreich ausgegrenzt. Mit allen Tricks versuchen Claude Verneuil und seine Frau Marie, den jungen Paaren das Leben in Frankreich wieder schmackhaft zu machen.

Anders als Teil 1 ist die Fortsetzung nicht so vergnüglich. Viele Witze sind bemüht, oft klamaukig und platt. Ärgerlich macht den Film aber etwas anderes. Die Schwiegersöhne David, Rachid, Charles und Chao begründen ihre Umzugspläne mit dem Gefühl, in Frankreich als Minderheiten nicht willkommen zu sein. Dass sie tatsächlich Opfer von Alltagsrassismus werden, ist jedoch nicht zu spüren. Und falls doch, könnte es auch einfach nur daran liegen, dass sie überempfindlich sind, so die Botschaft des Films.

Ein Thema kommt hinzu, das für viele immer noch als Tabu gilt: Homosexualität. Charles' Schwester Viviane will ihre Freundin heiraten. Was für eine Aufregung, denn wie sollen sie das bloß ihrem Vater an der Elfenbeinküste klarmachen?

Regisseur und Drehbuchautor de Chauveron schrieb den Film während der Wahlkampagne zur Präsidentschaftswahl 2017. «Ich fühlte um mich herum die Angst vor den Extremen», sagt er. «Ich hörte Leute sagen, dass sie Frankreich verlassen würden, wenn eine dieser Parteien die Wahl gewinnen würde. Außerdem stellte ich fest, dass viele Bürger mit Migrationshintergrund über Diskriminierung klagten.» Die Antwort des Films: «Wir leben alle im gleichen Land, umso mehr sollten wir versuchen, dass alles gut geht und jeder hier glücklich sein kann!».

Ein berechtigtes Anliegen. Doch de Chauveron macht es sich zu leicht, indem er die Schwierigkeiten übertüncht, zumal seine Protagonisten dank ihrer Bildung, finanziellen Mittel und familiären Verflechtungen ohnehin in der Mitte der Gesellschaft verwurzelt sind. Härter trifft die Diskriminierung in diesen politisch aufgeheizten Zeiten Menschen am Rande der Wohlstandsgesellschaft, doch die kommen im Film eigentlich nicht vor. Nur ein afghanischer Flüchtling taucht auf, ein Lehrer, der im stattlichen Landsitz der Verneuils die Gartenarbeit macht. Weil Claude davon erst nichts weiß, kommt es zu absurden Szenen, an deren Ende der Afghane so reagiert, wie es sich wohl viele nationalistisch Gesinnte wünschen würden: Er will zurück nach Kabul.

Völlig unverständlich auch, wie naiv die Schwiegersöhne, aber auch deren Frauen dargestellt werden. Da wollen sie alle auswandern, nach Israel, China oder Algier. Doch ernsthaft beschäftigt mit diesen Plänen und ihren Wunschländern haben sie sich offenbar nicht. Sonst würden sie sich nicht so leicht verunsichern lassen. In Israel fallen tatsächlich hin und wieder Raketen vom Himmel? Nein, ernsthaft? Und die chinesischen Banken stehen vor dem Kollaps. Ach so...

Am Ende sind sich wieder alle einig, vor allem darin, dass Frankreich das schönste Land der Welt ist. Und dass diese Sache mit dem Rassismus ja eigentlich gar nicht so schlimm ist, wie alle immer sagen; vor allem auf dem Land ist die Welt zwischen Buchsbaumhecken, Wasserschlössern und malerischen Dorfplätzen noch in Ordnung. Zumindest in der schönen, gut situierten Welt der Verneuils gibt es nichts, was sich nicht mit französischer Lebensart bei einem Aperitif hinweglächeln ließe: «Auf Frankreich!».

Monsieur Claude 2, Frankreich 2019, 99 Min., FSK ab 0, von Philippe de Chauveron, mit Christian Clavier, Chantal Lauby, Ary Abittan

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