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Männer-Musik am Vatertag: Raconteurs rocken Berlin

Die guten alten 70er Jahre erwachen zum Leben beim Berlin-Auftritt der Raconteurs. Gitarrenvirtuose Jack White und seine Kumpane spielen nach Herzenslust Retro-Rock auf Topniveau.

Freitag, 31.05.2019, 10:52 Uhr aktualisiert: 31.05.2019, 10:54 Uhr
Jack White lässt es mit den Raconteurs ordentlich krachen.
Jack White lässt es mit den Raconteurs ordentlich krachen. Foto: Felipe Trueba

Berlin (dpa) - Okay, es waren auch eine ganze Menge Frauen da am Donnerstagabend, beim ausverkauften Konzert der US-Band The Raconteurs in Berlin. Doch das änderte nichts an der Tatsache, dass die 90-Minuten-Show der Zweitband von Gitarrenheld Jack White am Vatertag Männer-Musik erster Güte bot.

Da wurde drauflos gebolzt wie weiland in den 70ern: massenhaft Riffs und Soli auf zwei E-Gitarren, wummernder Bass, ein riesiges Schlagzeug, das nach Herzenslust verdroschen wurde. Dazu eine ausgefeilte, exzessiv bunte Lightshow, ebenfalls wie anno dunnemals. Und knackige Songs zwischen Powerpop, Glam, Punk und Garagen-Bluesrock, bei denen man die Abwechslung in den Details suchen musste. Aber es krachte und knallte halt herrlich in der vom Sound her brillanten Verti-Hall am Berliner Ostbahnhof.

The Raconteurs sind eine Spaßband: Mit seinen Kumpels Brendan Benson (Gitarre, Gesang), Jack Lawrence (Bass) und Patrick Keeler (Drums) kann White so richtig die Sau rauslassen, seine Innovationsfreude steckt er in andere Projekte. Und der Multi-Instrumentalist muss die Bürde des Songschreibers und Frontmanns - im Gegensatz zu dem 2011 aufgelösten Duo White Stripes und seinen Solo-Sachen danach - nicht allein tragen, was ihm gut zu gefallen scheint.

Benson, selbst ein anerkannter Songwriter, steht auch in Berlin wieder gleichberechtigt mit dem Mega-Star auf der Bühne. Er steuert den Beatles- und Queen-Anteil zu den Raconteurs-Melodien bei, während White eher für die Led-Zeppelin- oder Bad-Company-Elemente zuständig ist. Manchmal scheint es so, als ständen da John Lennon und Robert Plant gemeinsam im Rampenlicht. Wobei man sagen muss, dass der hyperaktive White der eindeutig charismatischere Performer und auch der bessere Sänger ist.

The Raconteurs wurden 2005 gegründet und hatten 2006 mit ihrer Debütplatte «Broken Boy Soldiers» und der Single «Steady, As She Goes» gleich Riesenerfolg, den sie 2008 mit dem noch besseren Album «Consolers Of The Lonely» eindrucksvoll bestätigten. Dann dauerte die Pause so lang, dass viele Fans schon gar nicht mehr mit einer Fortsetzung gerechnet hatten. Ende Juni erscheint aber nun das dritte Werk «Help Us Stranger» (Third Man Records/PIAS).

Und es wird wieder ein großer Wurf für Classic-Rock-Verehrer, wenn man nach den im Berliner Konzert reichlich gebotenen Kostproben gehen kann. Die für fast alle Besucher noch unbekannten Stücke («Bored And Razed», «Now That You're Gone», «What's Yours Is Mine», das punkige «Live A Lie», der Titelsong) kommen live bereits bestens an.

Kein Wunder, es ist mitreißender, alle Retro-Vorwürfe konsequent ignorierender Rock 'n' Roll, den White und Co. zusammenrühren. «Help Us Stranger» dürfte in diesem Sommer so manche bierselige Strandparty beschallen. «Macht das Album demnächst zur Nummer 1», ruft White den Fans lachend zu.

Der 43-Jährige hat mit den White Stripes den Bluesrock erneuert und eine Stadionhymne für die Ewigkeit geschaffen («Seven Nation Army»), mit ambitionierten bis schwierigen Soloalben Platz 1 der US-Charts erreicht, das tolle Vinyl-Label Third Man Records gegründet. Er gilt als einer der besten Gitarristen der Rock-Geschichte. Mit seinen Raconteurs hat er einfach nur Spaß an perfekten Gute-Laune-Liedern und wunderbar lässigen Haudrauf-Gigs wie in Berlin. Für neue Experimente ist auch später noch Zeit.

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