TV-Tipp
Mein Haus, mein Kiez, mein Clan - Wem gehört Neukölln?

Er war Mathe-Lehrer, jetzt ist er Bezirksbürgermeister in Neukölln. In dem Berliner Kiez fährt die Polizei oft Einsätze gegen Clan-Kriminalität - für Martin Hikel ist Dabeisein Teil seines Polit-Jobs.

Dienstag, 16.07.2019, 00:01 Uhr aktualisiert: 16.07.2019, 00:04 Uhr
Martin Hikel ist seit 2018 Bezirksbürgermeister in Neukölln.
Martin Hikel ist seit 2018 Bezirksbürgermeister in Neukölln. Foto: Britta Pedersen

Berlin (dpa) - «Das ist natürlich ein Kampf, das ist ein täglicher Kampf», sagt Martin Hikel. Dabei sieht er gar nicht so kämpferisch aus, als er über das Vorgehen der Behörden gegen die Clan-Kriminalität spricht.

Der Bezirksbürgermeister von Neukölln sitzt, seine langen Beine eingefaltet, blauer Anzug mit Wappenanstecker, weißes Hemd, auf der Rückbank des Dienstwagens. Der Fahrer steuert seinen Chef durch den dicht besiedelten Berliner Stadtteil. Mehr als 300.000 Menschen leben hier. Problem-Kiez, Szene-Bezirk, Wohnstätte arabischer Clans: Neukölln kann sich anfühlen wie eine Wundertüte oder wie ein Pulverfass.

«Der Bezirk ist für alle da, es gibt hier keine rechtsfreien Räume», fährt Hikel fort. Wenige Szenen später zieht der 33-jährige SPD-Politiker eine schusssichere Weste an. Er ist bei einem nächtlichen Einsatz dabei, unter anderen in der Sonnenallee. Polizisten, Steuerfahnder und Mitarbeiter des Ordnungsamtes kontrollieren Wettbüros, Spielcasinos und Shisha-Bars.

Es ist einer der vielen Nadelstiche, mit denen die Behörden seit einiger Zeit verstärkt gegen die organisierte Kriminalität und Verbrecher in den Reihen der Clans vorgehen. Eine Daueraufgabe, mit oft nur kleinen Teilerfolgen - wie dieser Abstecher in den Alltag der Fahnder zeigt.

Rund ein halbes Jahr lang haben die «Frontal 21»-Autoren Christian Esser und Anne Herzlieb den Bürgermeister Hikel wiederholt getroffen. Sie haben ihn begleitet zu Polizeiaktionen, zu Bürgerfesten und zu Versammlungen, bei denen es um Immobilienspekulanten und steigende Mietpreise ging. Diese Themen sieht der über zwei Meter große Mann als seine wohl größten Herausforderungen an: das Eindämmen der Kriminalität, die von einigen Mitgliedern arabischer Großfamilien ausgeht. Und den Kampf gegen unlauteren Umgang mit Wohnraum.

In der Dokumentation «Mein Haus, mein Kiez, mein Clan - Wem gehört Neukölln?», die am Dienstag (16. Juli) um 21.00 Uhr im ZDF läuft, wird beides hintergründig beleuchtet. Die TV-Autoren kombinieren ihre Aufnahmen aus dem Alltag des Kommunalpolitikers mit schwarz-weißen Comic-Elementen. Im Look von Graphic Novels wird zum Beispiel erzählt, wie kurdische Clan-Familien aus der Türkei über den Libanon nach Deutschland und Berlin kamen.

Zugleich ist der 45-Minuten-Film ein sehenswertes Porträt des Polit-Talents Hikel. Seine großen Themen hat der ehemalige Mathe-Lehrer von bundesweit bekannten Vorgängern geerbt: Das Amt übernahm er 2018 von Franziska Giffey (SPD), die als Ministerin in die Bundesregierung berufen wurde. Davor hatte sich schon der Sozialdemokrat Heinz Buschkowsky unter anderem mit zugespitzten Aussagen zur Integrationspolitik dort einen Namen gemacht.

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