Live-Konzert
Guy Garvey und Elbow wärmen Fan-Herzen in Berlin

Große Gesten, große Gefühle, große Stimmung: Die Britrocker Elbow beweisen vor ausverkauftem Haus in Berlin, dass sie zu den derzeit besten Live-Bands gehören - und verbreiten wohlige Wärme im November.

Freitag, 15.11.2019, 15:07 Uhr aktualisiert: 15.11.2019, 15:10 Uhr
Gefühle spielen eine große Rolle bei Guy Garvey und seiner Band Elbow.
Gefühle spielen eine große Rolle bei Guy Garvey und seiner Band Elbow. Foto: Ian West

Berlin (dpa) - Guy Garvey ist der Typ Musiker, mit dem man gern mal ein Bier trinken und dabei über das Leben im Besonderen und im Allgemeinen philosophieren würde. Ein extrem sympathischer Knuddelbär, dem man auch auf der Bühne jedes Wort abnimmt.

Am Donnerstagabend, bei Garveys Auftritt mit seiner Britrock-Band Elbow im ausverkauften Berliner Huxleys, ist das nicht anders. Der 45-jährige Sänger mit der Peter-Gabriel-Stimme erzählt zwischen den insgesamt 15 Liedern des Gigs viel von dem, was das achte Studioalbum «Giants Of All Sizes» zu einer eher düsteren Angelegenheit gemacht hat: der Tod des Vaters und zweier enger Freunde, die Londoner Grenfell-Brandkatastrophe, der Brexit, der neue Nationalismus und Rassismus «in diesen dunklen Zeiten».

Für den bevorstehenden Ausstieg des Vereinigten Königsreichs aus der EU haben Garvey und seine Bandkollegen, allesamt glühende Europäer, nur Empörung übrig. Der Mann mit dem urwüchsigen Manchester-Dialekt schimpft drauflos und ruft dem Publikum dann zu: «Thank you for having us» («Danke, dass ihr uns aufnehmt»).

Überhaupt ist dies ein Abend der gegenseitigen Umarmungen - und für Garvey nach politischen und privaten Tiefschlägen wohl auch ein Abend des Trostes im Kreis Gleichgesinnter. «Beautiful!», entfährt es ihm immer dann, wenn die Fans besonders schön im Chor oder Kanon mitsingen. Mit raumgreifenden Gesten drückt der Elbow-Frontmann sein Publikum symbolisch ans Herz, genießt die Euphorie, spricht über seine Gefühle.

Etwa darüber, dass kürzlich sein Vater starb und sein Sohn geboren wurde - dass da also nicht nur Traurigkeit, sondern auch wieder neue Hoffnung sei. In der Ballade «Weightless» für das neugeborene Kind drückt Garvey es so aus: «Hey/You look like me/so we/we look like him...» Die Kontinuität von Großvater, Vater und Sohn - nur Zyniker dürften das für kitschig halten. Und Zyniker sind eher keine Elbow-Fans.

Es ist ein Konzert voller Gefühle auf beiden Seiten. Das neue, musikalisch wieder sehr gelungene Album spielt eine wichtige Rolle bei der Songauswahl - die Fans sind bereits überraschend vertraut mit den gerade erst Mitte Oktober veröffentlichten Liedern, teilweise sogar textsicher. Auch die ebenfalls herausragenden Platten «Build A Rocket Boys!» von 2011 (mit dem wunderschönen Quasi-Titelsong «Lippy Kids») und «Little Fictions» von 2017 prägen die Setlist des Abends.

Mit ihrem alten Hit «One Day Like This» schicken Garvey und seine sechs Live-Musiker ein strahlendes Publikum in die schon recht kalte Berliner November-Nacht. Macht gar nichts - dieses Konzert hat gewirkt wie eine wohlig-warme Decke, die einem ein guter Freund reicht.

Und der Huxleys-Gig hat ganz nebenbei bewiesen, dass Elbow derzeit eine der besten Studio- und Livebands in Europa sind (ob mit oder ohne die Briten). Seit über 20 Jahren mit ihrer Musik zwischen frühen Genesis, Coldplay und Radiohead hoch erfolgreich - und immer noch ganz selbstverständlich eine bodenständige «people's band».

Das letzte Elbow-Konzert der Deutschland-Herbsttournee findet am Samstag (16.11.) in Weissenhäuser Strand beim «Rolling Stone Beach»-Festival statt.

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