Unangepasst
Schau würdigt Satiriker Manfred Deix

Er hatte einen Blick für alles Peinliche: Der 2016 gestorbene Manfred Deix wäre in diesem Jahr 70 Jahre alt geworden. Das Museum Wilhelm Busch in Hannover zeigt 215 Bilder des Österreichers, darunter auch Unveröffentlichtes.

Freitag, 22.11.2019, 14:34 Uhr aktualisiert: 22.11.2019, 14:38 Uhr
Die Witwe von Manfred Deix, Marietta Deix, in der Ausstellung "Deix" im Wilhelm Busch Museum.
Die Witwe von Manfred Deix, Marietta Deix, in der Ausstellung "Deix" im Wilhelm Busch Museum. Foto: Lucas Bäuml

Hannover (dpa) - Seine Figuren sind fett, blass-rosa und haben Glubschaugen oder schiefe Zähne. Der vor drei Jahren gestorbene Manfred Deix zeichnete Leute von der Straße genauso wie lüsterne Kirchenmänner oder raffgierige Politiker ins Lächerliche verzerrt.

Das Museum Wilhelm Busch in Hannover widmet dem österreichischen Satiriker, der in diesem Jahr 70 Jahre alt geworden wäre, von diesem Samstag an eine Ausstellung mit 215 Bildern, darunter teils noch nie gezeigte Werke.

«Er war eine Jahrhunderterscheinung, ein Genie», sagte Deix' Freund, der Künstler Gottfried Helnwein, am Freitag. «Seine Stärke war, die Erbärmlichkeit der menschlichen Existenz zu sehen.» Er habe alle verhöhnt - auch sich selber. Der Gastwirtssohn veröffentlichte in den 70ern in österreichischen Magazinen, später im «Stern» und «Spiegel», es folgten Cartoon-Bücher und internationale Ausstellungen. Im von Deix mitgegründeten österreichischen Karikaturenmuseum in Krems hängen seine Arbeiten in einem eigenen Flügel.

Die bis zum 22. März laufende Schau in Hannover sei die einzige zum 70. Geburtstag in Deutschland, sagte Marietta Deix. Die Witwe gab einen Einblick in das Leben mit dem unangepassten, oft zügellosen Künstler und über hundert Katzen in einem Haus bei Wien: «Er war der lustigste Mensch, den man sich vorstellen kann.» Wenn er bei offenem Fenster seine Lieblingskatze ordinär beschimpft habe, hätten die Nachbarn einen Ehekrach vermutet. Der Tierfreund, Kettenraucher und Weintrinker zeichnete zuletzt mit Kohle auf großen Leinwänden. «Das war sein letzter Freiheitsrausch», sagte Helnwein.

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