New Me, Same Us
Aus dem Heim-Studio: Little Dragon üben Distanz

Dem Zeitgeist offenbar voraus, haben die Schweden ihre sechste Platte alleine Zuhause aufgenommen. Little Dragons Musik ist durchdacht und nicht immer leicht zugänglich. Darin liegt ihr großer Reiz.

Mittwoch, 01.04.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 01.04.2020, 06:03 Uhr
Little Dragon haben viele Schlenker und Windungen in ihren Songs.
Little Dragon haben viele Schlenker und Windungen in ihren Songs. Foto: Ellen Edmar

Berlin (dpa) - Ein bisschen zu cool für diese Welt klingen Little Dragon mit ihrer musikalischen Mischung aus Elektronik, Funk und Soul schon immer. Der Sound ist ausgeklügelt und bewusst nicht geradeaus.

Die facettenreiche Stimme von Sängerin Yukimi Nagano tut ihr Übriges: Mal sanft, mal voller Kraft fasziniert sie ihre Hörer auf Anhieb, ohne sie dabei nah an sich heranzulassen. In Zeiten der Corona-Pandemie ist Distanz ja das Verhalten der Stunde. Wie passend also, dass die Schweden die Unnahbarkeit auf ihrem neuen Album «New Me, Same Us» wieder zelebrieren.

Der groovige Opener «Hold On», der zugleich die erste Auskopplung aus dem Album ist, macht Lust auf mehr. Noch mitreißender ist nur «Sadness», der wohl größte Hit der Platte. Beide Songs sind fluffig-leicht, unaufdringlich und energisch. Erst mit etwas Zeit schleichen sich beide ins Ohr. Dabei hilft natürlich Naganos einnehmende Stimme.

Auf ihrem nunmehr sechsten Album, das sie, dem Zeitgeist voraus, im Heim-Studio aufgenommen haben, wollen die Göteborger aber auch Raum lassen für ihre Percussions und Instrumente. Gut zu hören ist das bei dem wunderbaren «New Fiction», das mit metallisch klingenden Synthesizern beginnt. Der Sound verdichtet sich und verläuft schließlich in immer mehr Windungen, in denen sich Keyboards, Harfe und Gitarre entfalten können. Bevor sie ausufern, münden die Klang-Stränge wieder in Naganos Gesang. Ihre Soul-Stimme ist es, die den Liedern Halt und Strahlkraft gibt.

Die Songs sind nicht stringent und ändern immer wieder ihr Muster. Was bei «Another Lover» reizvoll und reichhaltig klingt, funktioniert bei weniger eingängigen Songs leider nicht. Einige Lieder der Platte bleiben deshalb hinter dem Potenzial, das andere Stücke offenbaren, zurück. «Water» und «Rush» etwa plätschern recht richtungslos vor sich hin. Man findet schwer Zugang, die sonst so spannend klingende Distanz zwischen Musik und Hörer wird zu groß.

«New Me, Same Us» ist nichtsdestotrotz ein solides Album. Man ahnt aber: Es hätte auch ein großartiges werden können.

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