TV-Tipp
Über Land - Kleine Fälle

Schon die Uralt-Serie «Königlich bayerisches Amtsgericht» zeigte die Skurrilitäten und Abgründe des juristischen Alltags. Auch Franz Xaver Bogner machte daraus eine kleine Serie für das ZDF. Nun gibt es «Über Land» als Film, mit Harald Krassnitzer in der Hauptrolle.

Freitag, 10.04.2020, 00:01 Uhr aktualisiert: 10.04.2020, 05:02 Uhr
Harald Krassnitzer als Amtsrichter Hans Bachleitner im Spielfilm «Über Land - Kleine Fälle».
Harald Krassnitzer als Amtsrichter Hans Bachleitner im Spielfilm «Über Land - Kleine Fälle». Foto: Susanne Schramke

München (dpa) - Vor gut zwei Jahren spielte Franz Xaver Kroetz den grantelnden Amtsrichter Franz Althammer, der in der bayerischen Provinz rund um Berchtesgaden mit einer höchst eigenwilligen Prozessführung Aufsehen erregte.

«Über Land» nannte sich die amüsante Mini-Serie, die Ende 2017 im ZDF startete. Nun legt das ZDF am Karfreitag (10. April) um 21.15 Uhr mit dem Spielfilm «Über Land - Kleine Fälle» nach. Kroetz ist nicht mehr dabei, denn seine Figur Althammer ist tot. Dafür schlägt sich Harald Krassnitzer als neuer Amtsrichter Hans Bachleitner mit den Possen und Skurrilitäten des Gerichtsalltags herum, ebenso wie mit dem Erbe des Verstorbenen, denn Althammer und Bachleitner waren viele Jahre lang beste Freunde.

Für Drehbuch und Regie ist auch dieses Mal wieder Franz Xaver Bogner verantwortlich, Grimmepreisträger und bekannt für Kultserien wie «Irgendwie und sowieso», «Zur Freiheit» oder «München 7». Auch mit dabei: Suzanne von Borsody als Amtsgerichtspräsidentin Bettina Schack und Maria Simon als Frieda Mirko, einer jungen Frau mit krimineller Vergangenheit, die Althammer noch als Fahrerin engagiert hatte.

Frieda sorgt für großen Wirbel. Sie rastet aus, verletzt einen Polizisten unbedacht am Kopf und sitzt nun im Knast. Bachleitner ärgert sich, denn eigentlich hat er keine Zeit, seine Fahrerin da rauszuholen. Er ist kriminellen Machenschaften auf der Spur, in die nicht nur mehrere Dorfbewohner, sondern womöglich auch die Polizei und ein Staatsanwalt verstrickt sind.

Der Stil von Mini-Serie und Spielfilm ist ähnlich. Kleine Geschichten über Alltägliches, mal abgründig, dann wieder absurd und komisch. Die Rollen von Kroetz und Krassnitzer gleichen sich in Vielem. Althammer und Bachleitner begegnen den Angeklagten aus sehr menschlicher Perspektive. Eine Sichtweise, die Krassnitzer sehr gut gefiel. «Die Art des Blickwinkels auf Figuren mochte ich besonders, vor allem die Philosophie, in die kleine Welt der alltäglichen Sorgen zu schauen. Das ist sehr menschlich», sagte der 59-jährige Österreicher der Deutschen Presse-Agentur in München. Ähnlich wie Kroetz gibt er in der Serie einen kantigen Typen, der sich nicht darum schert, was andere über ihn denken und der sich nicht verbiegen lassen will.

Auf seine Richterrolle hat sich Krassnitzer durch Gespräche mit Freunden vorbereitet, die Juristen sind - und mit dem Wälzen dicker Bücher: «In erster Linie mit dem Lesen von Gesetzestexten, dem Strafgesetzbuch und verschiedenen anderen Standardwerken der deutschen Justiz.» Durchgeackert habe er die Gesetze aber nicht. «Das wäre zu umfangreich. Aber ich habe sie immer wieder mal aufgeblättert, einen Themenbereich rausgenommen und 15 bis 20 Paragrafen durchgelesen.»

Spannend sei das gewesen. «Diese Texte haben nicht nur eine Trockenheit, sondern auch eine unglaublich hohe Präzision. An manchen Stellen sind sie sogar poetisch», meinte Krassnitzer. «Die Vorurteile, dass das eine trockene Materie ist, habe ich abgelegt. Das ist schon sehr lebensnah, es gibt ja kaum einen Bereich im Leben, wo nicht die Frage nach der Gerechtigkeit entscheidend ist.» Auch die Art und Weise, wie ein Richter zu seinem Urteil komme, sei faszinierend, «weil es in diesem Bereich sehr menschlich wird.»

Bei Gericht hospitieren wollte Krassnitzer in der Vorbereitung jedoch nicht. Für denjenigen, der gerade vor Gericht stehe, sei das sehr unangenehm. «Das wäre mir fast voyeuristisch vorgekommen. Man schaut den Leuten zu, die in einer unangenehmen Situation sind vor einem Richter. Das gehört sich nicht, um eine Rolle damit auszufüllen.»

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