Packend und erschütternd
Neu auf DVD: Ken Loachs Sozialdrama «Sorry We Missed You»

Stress, hohe Belastung, Zeitdruck: Ken Loach schildert in «Sorry We Missed You» den harten Überlebenskampf eines Paketboten, unter dessen Arbeit auch seine Familie leidet.

Montag, 04.05.2020, 10:20 Uhr aktualisiert: 04.05.2020, 10:24 Uhr
Ein kurzer Moment des Glücks: Ricky (Kris Hitchen) mit seiner Tochter Abby (Debbie Honeywood).
Ein kurzer Moment des Glücks: Ricky (Kris Hitchen) mit seiner Tochter Abby (Debbie Honeywood). Foto: ---

Berlin (dpa) - Seit Jahrzehnten kämpft Ken Loach mit seinen Filmen gegen soziale und politische Ungerechtigkeiten. Schon 1969 gab der britische Regisseur mit «Kes» einen düsteren Einblick in die Arbeiterviertel in Nordengland.

Es folgten gefeierte Werke wie «Riff-Raff» sowie «Ich, Daniel Blake» und «The Wind That Shakes the Barley» - für die beiden letztgenannten wurde er sogar mit der Goldenen Palme des Filmfestivals Cannes ausgezeichnet. Nun erscheint Loachs jüngstes Sozialdrama auf DVD: «Sorry We Missed You».

Dieses Mal geht es um Familie Turner, die in Newcastle ums Überleben kämpft. Die Mutter Abby arbeitet als Altenpflegerin und opfert sich dabei für ihre Patienten auf. Ricky wiederum sieht seine Chance gekommen, als ihm ein Franchise als Paketbote angeboten wird. Er braucht nur einen Wagen, dann ist er sein eigener Chef, so wird es ihm jedenfalls suggeriert.

Doch Ricky ist abhängig von den Aufträgen des großen Unternehmens, muss täglich eine hohe Quote schaffen, freundlich zu allen Kunden sein und haftet für alle Fehler doch persönlich. Es ist ein kräfte- und nervenaufreibender Job, bei den Ricky durch die Gegend hetzt und trotzdem nur verlieren kann.

Die Geschichte ist nicht unbekannt, bekommt aber in der derzeitigen Situation wieder neue Relevanz: Viele Menschen bestellen bei Online-Händlern und lassen sich die Waren nach Hause liefern. Wie geht es jedoch denjenigen, die jeden Tag die vielen Päckchen zustellen? Das ergründet Regisseur Loach auf sehr packende und erschütternde Weise.

Er zeigt, wie eine hart arbeitende Familie am System und an der Situation zu zerbrechen und in den finanziellen Abgrund zu fallen droht. Loach ist bereits 83 Jahre alt, hat aber nichts von seinem Kampfgeist und seiner Empathie für die Schwachen verloren. Stattdessen beweist er mit dem ergreifenden «Sorry We Missed You» einmal mehr sein Gespür für drängende soziale Fragen.

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