Film-Tipp
«Das Fenster zum Hof»: Hinterhof-Spannung von Hitchcock

Die derzeitige Situation kann auch etwas Gutes haben. Denn so finden einige von uns die Zeit, endlich ein paar Kinoklassiker nachzuholen. Heute: Alfred Hitchcocks Hinterhof-Klassiker aus dem Jahr 1954.

Mittwoch, 06.05.2020, 17:42 Uhr aktualisiert: 06.05.2020, 17:44 Uhr
Ist L. B. «Jeff» Jefferies (James Stewart) tatsächlich einem Mord auf die Spur gekommen.
Ist L. B. «Jeff» Jefferies (James Stewart) tatsächlich einem Mord auf die Spur gekommen. Foto: -

Los Angeles (dpa) - Der Fotoreporter L. B. «Jeff» Jefferies hat Lagerkoller. Seit mehr als sechs Wochen sitzt er in seiner New Yorker Wohnung fest und kann nicht vor die Tür gehen. Mit der Corona-Krise hat das nichts zu tun.

In dem Thriller «Das Fenster zum Hof» (1954) sperrte Alfred Hitchcock den Protagonisten, von James Stewart gespielt, vor mehr als 65 Jahren in dessen vier Wände ein. Der Grund: Nach einem Beinbruch ist Jeff mit Gipsverband an einen Rollstuhl gefesselt.

Zum Zeitvertreib schaut er aus dem Fenster in den Hinterhof und in die Wohnungen seiner Nachbarn. Mit Fernglas und Teleobjektiv verfolgt er die hübsche Tänzerin «Miss Torso», die einsame «Miss Lonely Hearts», einen Klavierspieler und ein Paar, das in heißen Sommernächten auf dem Balkon schläft.

Seine Leidenschaft wird zur Besessenheit, als die kränkelnde Ehefrau des Modeschmuckhändlers von gegenüber plötzlich verschwindet. Nachts bei Regen geht der Gatte mehrmals mit einem Koffer aus der Wohnung, später wickelt er ein Messer und eine Säge in Zeitungspapier ein. Jeff ist sicher, das war Mord.

Anfangs will ihm keiner glauben, weder seine Pflegerin Stella (Thelma Ritter) noch seine elegante Freundin Lisa (Grace Kelly). Die Hitchcock-Blondine ist vielmehr bemüht, den notorischen Abenteurer Jeff von einer gemeinsamen Zukunft zu überzeugen.

Auf Schock-Elemente, wie später bei «Psycho» oder «Die Vögel», verzichtet der britische Gruselmeister. Der psychologisch ausgefeilte Hinterhof-Thriller lebt vielmehr von der voyeuristischen Spannung, den Marotten der Anwohner und dem amüsanten Liebesspiel des hilflosen Fotografen und seiner fürsorglichen Freundin.

Das renommierte American Film Institute (AFI) stellte «Das Fenster zum Hof» auf seine Liste der 100 besten US-Filme aller Zeiten. Bei der Oscar-Verleihung 1955 war der Thriller vierfach nominiert, darunter auch für beste Regie. Doch Hitchcock (1899-1980) zählt zu Hollywoods größten Stars, die nie einen Oscar gewannen. Fünfmal war der Brite für eine Regie-Trophäe nominiert und ging immer leer aus. 1979 erhielt er immerhin einen Ehren-Oscar.

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