Motherhood
Klaus Doldinger: Mit Jazz gegen den Corona-Blues

Die Veröffentlichung seines neuen Albums «Motherhood» wurde verschoben, die Tour auf Eis gelegt. Trotzdem will Jazz-Veteran Klaus Doldinger nichts vom Corona-Blues wissen.

Dienstag, 12.05.2020, 06:00 Uhr
Der Mann am Saxofon: Klaus Doldinger bringt aber auch als Sänger den Swing mit.
Der Mann am Saxofon: Klaus Doldinger bringt aber auch als Sänger den Swing mit. Foto: Silas Stein

München (dpa) - Gut Ding will Weile haben. Vor allem in unsicheren Corona-Zeiten, wenn keine Tournee, kein Auftritt, kein CD-Veröffentlichungstermin mehr in Stein gemeißelt ist.

Das gilt auch für «Motherhood», das neue Album von Klaus Doldinger, das jetzt mit gut einmonatiger Verspätung erschienen ist. Und damit immer noch rechtzeitig zu Doldingers 84. Geburtstag am 12. Mai.

Die Platte des deutschen Jazz-Pioniers, Film- und TV-Komponisten («Das Boot», «Die Unendliche Geschichte», «Tatort») bietet gleichzeitig Rückblick und Standortbestimmung. Denn: Motherhood hieß Ende der 1960er Jahre eine der ersten Bands des 1936 in Berlin geborenen Saxofonisten. Jetzt hat er elf Titel aus den Pioniertagen der deutschen Jazz-Szene mit seiner Band Klaus Doldinger's Passport neu eingespielt.

Das Erstaunliche daran: Die Songs aus dem Grenzbereich von Jazz, Funk, Soul und Blues klingen alles andere als angestaubt, sondern frisch und modern. «Das war auch unser Plan», verrät der Grandseigneur des deutschen Jazz im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Deshalb haben wir alles live eingespielt, ohne die Songs vorher penibel zu proben.»

Für seine Begleitmusiker, mit denen der in Icking am Starnberger See (Bayern) wohnende Bandleader mitunter schon seit 20 Jahren zusammenspielt, seien die «Motherhood»-Songs bis dahin unbekannt gewesen. Der Erstkontakt mit dem schon fast antiken Musikmaterial habe seine Band im Studio aber zu musikalischen Glanztaten inspiriert.

Neben seinen bewährten Begleitern präsentiert Doldinger eine ganze Reihe von Gastmusikern: die US-amerikanische Sängerin China Moses («Women's Quarrel»), den aus Ulm stammenden Trompeter Joo Kraus («Wade In The Water»), den einstigen ESC-Helden Max Mutzke («When I Get You Alone») - und Udo Lindenberg. Im komplex arrangierten Jazz-Rock-Song «Devil Don't Get Me» ist der Panik-Rocker zu hören, wie er in seinen musikalischen Anfangstagen im Jahr 1970 klang: ungewohnt anders - aber schon damals charismatisch.

«Er wollte bei mir nur Schlagzeug spielen und gar nicht so gerne singen. Dabei ist er so ein wunderbarer Sänger mit seiner einzigartigen Musik und Gesangskunst. Er hat meinen vollen Respekt», erinnert sich Doldinger an seinen einstigen Mitmusiker. Mit Lindenberg sei er zwar immer noch im Austausch, aber eher sporadisch. Zum einen möge er nicht in die Privatsphäre des vielbeschäftigen Stars eindringen. Zum anderen füllten ihn selbst Beruf und Familie mit drei Kindern und fünf Enkelkindern völlig aus.

Mit einer weiteren Überraschung wartet das chansonartige Stück «Turning Around» auf. Der Sänger: Doldinger höchstpersönlich. «Auch das ist eine Rückbesinnung», sagt der Musiker. Er habe auch schon im Konservatorium im Chor gesungen, aber natürlich klassische Werke. «Dass ich auch als Sänger den Swing mitbringe, blieb bisher vielleicht mein Geheimnis.»

Womöglich eines von wenigen. Schließlich wurde die Geschichte des mehrfachen Echo-Jazz-Gewinners bereits oft erzählt: aufgewachsen in Berlin, Studium der Musikwissenschaften und Tontechnik, Stipendium am Robert-Schumann-Konservatorium in Düsseldorf, wo er Klavier und Klarinette studierte, 1952 die Gründung der ersten Band The Feetwarmers. Es folgten Plattenaufnahmen und bereits 1960 eine erste Amerika-Tournee.

Der Rest: eines der vielfältigsten, erfolgreichsten und - mit unzähligen Tonträger-Veröffentlichungen und Soundtrack-Beiträgen - ertragreichsten Kapitel deutscher Musik- und Filmgeschichte. Eine Geschichte, zu der vor rund 50 Jahren eben auch die Band Motherhood gehörte - und damit jene jetzt neu aufgelegten Songs.

Gerade während der schwierigen Corona-Zeit: «Für mich war Musik ja schon immer ein rettender Faktor», sagt Doldinger und meint damit vor allem die Nachkriegszeit in den 1950er Jahren. «In dieser Zeit hat mir der Jazz den Optimismus gegeben, dass es weitergehen und aufwärtsgehen wird.» Auch wenn man die damalige Situation mit der heutigen Krise nicht vergleichen könne, sieht der längst legendäre Musiker Parallelen: «Wir sollten das Beste daraus machen und positiv an die Dinge herangehen - mit Musik geht das noch besser.»

© dpa-infocom, dpa:200505-99-941651/3

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