Im Interview
Horisont-Sänger Axel Söderborg über das neue Album

Die Schweden Horisont fühlen sich dem Rocksound der 1970er Jahre verpflichtet. Das ist auch auf ihrem sechsten Studio-Album «Sudden Death» nicht anders.

Dienstag, 12.05.2020, 17:00 Uhr aktualisiert: 12.05.2020, 17:05 Uhr
Verliebt in den Rock der 70er: Horisont.
Verliebt in den Rock der 70er: Horisont. Foto: Century Media

Berlin (dpa) - Die Band Horisont aus Göteburg schafft es von Album zu Album, ihr stilistisches Spektrum auszubauen. So schreckt das Quintett auch nicht dafür zurück, im Einstieg zum neuen Longplayer stark nach den schwedischen Popstars ABBA zu klingen.

Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur spricht Sänger Axel Söderborg nicht nur über «Sudden Death», sondern berichtet auch von den Auswirkungen von Corona und seiner Liebe zur Gartenarbeit.

Frage: Hallo Herr Söderborg, wie wirkt sich das Corona-Virus auf Ihr Privatleben und das der Band aus?

Antwort: Ich arbeite als Hörakustiker und versorge Menschen, die Hörprobleme haben, mit Hörgeräten. 70 bis 80 Prozent meiner Kunden sind älter als 70 Jahre. Die kommen derzeit nicht mehr in das Geschäft, weil sie zu Hause bleiben sollen. In Schweden haben wir aber nicht so ein strenges Ausgehverbot wie etwa in Deutschland. Restaurants und die meisten Geschäfte sind offen. Leider können wir aber wegen der derzeitigen Situation nicht auf Tour gehen. Unsere Europa-Tournee ist verschoben worden.

Frage: Viele Bands streamen als Ersatz Online-Konzerte. Plant Ihre Band auch solch einen Auftritt?

Antwort: Ja, das machen wir. Ich bin allerdings nicht so ein großer Fan davon. Ich finde die Vorstellung etwas seltsam, ohne Zuschauer ein Konzert zu spielen. Auf der anderen Seite wollen wir natürlich den Leuten die Musik unser neuen Platte vorstellen. Wir werden am 16. Mai ein Livestream-Konzert im Göteburger Club Pustervik geben.

Frage: Ich habe selten Plattenkritiken gelesen, in denen so viele Bandnamen als Referenz genannt wurden wie bei Horisont: Blue Öyster Cult, Wishbone Ash, Styx, Black Sabbath, Thin Lizzy, Scorpions, Humble Pie, Atomic Rooster oder Judas Priest. Wie finden sie das? Man könnte meinen, Horisont sind nur eine Kopie dieser Bands aus den 70er Jahren. Müsste die Band nicht ihre eigene Identität haben?

Antwort: Ich mag solche Vergleiche nicht so gerne. Ich denke nicht, dass wir so klingen wie all die genannten Bands. Das geht ja auch gar nicht, weil alle unterschiedlich sind. Natürlich haben uns einige dieser Bands beeinflusst, das ist normal. Mit welcher Band würden Sie uns vergleichen?

Frage: Schwer zu sagen. Der Beginn von «Revolution», dem ersten Song auf der neuen Platte, hat mich stark an ABBA erinnert.

Antwort: Haha, das ist gut. Ich mag die Band sehr, sie sind sehr gut. Ich glaube, fast alle Schweden mögen ABBA. Ich finde aber auch, dass wir Parallelen zur britischen Rockband Electric Light Orchestra haben.

Frage: Wie stehen Sie zu der Bezeichnung Retro-Rock oder Vintage-Rock, die oft im Zusammenhang mit Ihrer Band benutzt wird.

Antwort: Damit habe ich keine Probleme. Wir spielen schließlich auch Musik, die von älteren Rockbands beeinflusst ist.

Frage: Horisont spielen den Sound der 70er Jahre. Was ist daran so faszinierend?

Antwort: Ich bin kein großer Fan der Musik aus den 80er und 90er Jahren. Okay, für den Heavy Metal waren die 80er die besten Jahre. Aber in den 70er Jahren war die Rockmusik einfach besser. In diesem Jahrzehnt sind jedes Jahr bestimmt 15 sehr gute Alben veröffentlicht worden. Mir gefallen die Produktionen von damals auch besser als die aktuellen.

Frage: Verfolgt Ihre Band ein bestimmtes Ziel oder eine Mission mit dem neuen Album?

Antwort: Nicht wirklich. Natürlich wollten wir nicht, dass «Sudden Death» genauso klingt wie der Vorgänger. Der größte Unterschied zu «About Time» ist der, dass ich alles Songs auf dem Klavier komponiert habe. Das lässt die Stücke anders klingen, als wenn ich sie auf der Gitarre komponiert hätte. Eigentlich bin ich Gitarrist, aber ich habe die Gitarre schon seit einem Jahr nicht mehr angefasst, weil ich immer was Neues ausprobieren und nicht immer das Gleiche machen möchte. Live wird das natürlich eine ganze schöne Umstellung für mich, auf einmal so viele Lieder auf dem Klavier anstatt auf der Gitarre zu spielen.

Frage: Mein Lieblingslied auf dem neuen Album ist «Pushin' The Line». Das Stück erinnert mich an eine schwedische Band, die ich sehr mag: The Sewergrooves. Kennen Sie die?

Antwort: Ah, The Sewergrooves, klar kenne ich die Band. Den Song habe ich übrigens vor 20 Jahren geschrieben. Das war die Zeit als ich sehr viel so Zeug wie die Hellacopters und Gluecifer gehört habe. Ich mag die Sewergrooves sehr. Ihre ersten beiden Alben sind super gut. Vielen Dank für den Vergleich, das nehme ich als Kompliment.

Frage: Der Titel «Sudden Death» kommt aus dem Eishockey. Dazu passt auch der Eishockey-Helm auf dem Cover des neuen Albums. Seid Ihr große Eishockey-Fans?

Antwort: Nicht wirklich. Der Titel bezieht sich auf einen Freund von mir, der vor drei Jahren Selbstmord begangen hat. Der Song «Free Riding» beschäftigt sich ebenfalls mit diesem Thema. Darüber Texte zu schreiben, ist meine Art, damit umzugehen und es zu verarbeiten. Den Helm haben wir auf das Cover genommen, weil es einfach cool damit aussieht.

Frage: Vielleicht werden jetzt all die ganzen Eishockey-Liebhaber im Land Horisont-Fans?

Antwort: Haha, vielleicht. Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht.

Frage: Es ist mittlerweile gute Tradition in Ihrer Band, einen Song in Schwedisch aufzunehmen. Das Stück auf dem aktuellen Album heißt «Graa Dagar». Das heißt übersetzt graue Tage. Das passt zur melancholischen Stimmung des Liedes.

Antwort: Ja, den Text habe ich geschrieben. Obwohl es meine Muttersprache ist, fällt es mir schwer schwedische Texte zu schreiben. Auf englisch bekomme ich das irgendwie besser hin. Ich mag es auf Schwedisch zu singen, aber nicht meine eigenen Texte. Für das neue Album habe ich eine Ausnahme gemacht. Auf den vorherigen Alben hat unser Bassist Magnus die schwedischen Texte geschrieben.

Frage: Die Bandmitglieder arbeiten alle in normalen Jobs. Ist es nicht Ihr Ziel, eines Tages von Eurer Musik leben zu können?

Antwort: Wenn wir alles auf die Karte Musik setzen würden, müssten wir zehn Monate im Jahr auf Tour sein. Aber so lange möchte ich nicht von zu Hause weg sein. Mit sechs Monaten könnte ich mich noch anfreunden.

Frage: Haben Sie eine Familie, die Sie nicht so lange alleine lassen möchten?

Antwort: Ich habe ein Frau und ein Haus mit einem großen Garten auf dem Land. Ich pflanze viel Gemüse an. Letztes Jahr hatten wir eine große Karotten-Ernte. Die Gartenarbeit macht mir viel Spaß, außerdem fallen mir dabei viele Songideen ein. Vielleicht müssen wir schon bald ein neues Album aufnehmen, weil wir wegen Corona nicht auf Tour gehen können. Die Festivals im Sommer fallen aus. Da haben wir viel Zeit.

Frage: In Schweden ist es erlaubt, sich als Band zu treffen und in einem Keller zu proben, oder?

Antwort: Ja, in Schweden ist das kein Problem. Wir müssen unsere Band-Proben allerdings erst einmal verschieben. Es könnte sein, dass sich unser Bassist mit Corona angesteckt hat. Wir müssen die ärztlichen Untersuchungen abwarten.

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