Rassismus
Streetart-Künstler Banksy meldet sich zu Wort

Minneapolis/London -

Banksy hat sich in die Rassismus-Debatte eingeschaltet. Nicht nur mit einem neuen Werk, sondern auch mit einem sehr scharfen Appell.

Sonntag, 07.06.2020, 12:54 Uhr aktualisiert: 07.06.2020, 13:10 Uhr
Rassismus: Streetart-Künstler Banksy meldet sich zu Wort
Banksys neuester Post auf Instagram. Foto: Screenshot

Der geheimnisumwitterte britische Streetart-Künstler Banksy hat sich mit einem neuen Werk dem Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt angeschlossen.

Schwarze Person und Trauerkerze

Auf dem Kunstwerk ist ein Bild mit einer schwarzen Person und daneben eine große Trauerkerze zu sehen, die eine US-Fahne in Brand setzt. Damit schloss sich Banksy der Initiative «Black lives matter» (Schwarze Leben zählen) als Reaktion auf den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd an. Er war bei einem Polizeieinsatz in den USA Ende Mai ums Leben gekommen.

Bei dem Vorfall in Minneapolis hatte einer von vier beteiligten Beamten dem 46-Jährigen minutenlang sein Knie in den Nacken gedrückt. Die Bitten des Afroamerikaners, ihn atmen zu lassen, ignorierte er. Der Todesfall löste weltweit Proteste aus - auch in Großbritannien, wo es teilweise zu gewaltsamen Ausschreitungen kam.

Banksy schrieb auf Instagram zu seinem Werk: «Zuerst dachte ich, ich sollte einfach die Klappe halten und den Schwarzen bei diesem Thema zuhören. Aber warum sollte ich das tun? Es ist nicht ihr Problem, es ist meins.» Wer nicht weiß sei, scheitere am System.

Dank an Corona-Helden

Er verglich den Zustand mit einem «gebrochenen Rohr, das die Wohnung der Leute flutet, die unten leben». Das fehlerhafte System mache ihr Leben zum Elend. Es sei aber nicht die Aufgabe der Bewohner unten, das Problem zu lösen. «Sie können es nicht - niemand würde sie in die Wohnung oben hineinlassen», so Banksy. «Wenn Weiße das nicht reparieren, dann muss jemand nach oben kommen und die Tür eintreten.»

Erst kürzlich hatte sich Banksy bei den Helden der Corona-Krise bedankt: mit einem großen Gemälde in einer Klinik in Southampton. Das Bild zeigt einen Jungen, der kniet und eine Krankenschwester-Puppe in seiner Hand durch die Luft schweben lässt. Sie streckt wie Superman ihre Hand aus - und trägt Gesichtsmaske, Umhang und eine Schürze mit rotem Kreuz. Es ist das einzige farbige Element im ansonsten schwarz-weißen Gemälde. Der Künstler hinterließ im Krankenhaus einen Zettel, auf dem stand: «Danke für alles, was Sie tun. Ich hoffe, dies erhellt den Ort ein wenig, auch wenn es nur schwarz und weiß ist.»

Banksys Identität gibt Rätsel auf. Bekannt ist, dass er aus Bristol stammt - auch dort war am Sonntag ein Protestmarsch gegen Rassismus geplant. Ende der 90er Jahre kam der Künstler nach London. Einen Namen machte er sich mit seinen gesellschaftskritischen und meist kontroversen Motiven. Seine Graffiti erscheinen meist überraschend.

Großes Aufsehen erregte er 2018 mit einer kritischen Aktion bei Sotheby's. Das Bild «Girl with a Balloon» war für knapp 1,2 Millionen Euro versteigert worden. Kurz nachdem der Hammer fiel, lief es zum Erstaunen der Teilnehmer durch einen im Rahmen verborgenen Schredder - übrig blieb nur der obere Teil des Bildes, der Rest hing in Streifen herunter. Banksy stellte die Aktion später auf Instagram als Kritik am Kunstmark dar. Sotheby's teilte mit, die Käuferin nehme das Bild auch zerschreddert an. Dies sei das «erste Kunstwerk der Geschichte, das während einer Auktion live entstanden» sei.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7439827?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686136%2F2686170%2F
Nachrichten-Ticker