TV-Tipp
Tropic Thunder

Ben Stiller, Robert Downey jr. und Jack Black in einer bösen Satire auf Kriegsfilme: Kabel eins zeigt «Tropic Thunder».

Dienstag, 08.09.2020, 00:01 Uhr
Ben Stiller (M) als Speedman und Jack Black (r) als Jeff Portnoy in einer Szene der Actionkomödie «Tropic Thunder».
Ben Stiller (M) als Speedman und Jack Black (r) als Jeff Portnoy in einer Szene der Actionkomödie «Tropic Thunder». Foto: -

Berlin (dpa) - Ben Stiller hat in seinen Rollen schon oft amerikanische Legenden aufs Korn genommen. «Voll auf die Nüsse» (2004) spießt den hohen Stellenwert von Sport in der US-Gesellschaft auf. «Nach 7 Tagen - Ausgeflittert» (2007) setzt sich mit der bigotten amerikanischen Sexmoral auseinander.

In «Tropic Thunder» aus dem Jahr 2008 hat der Comedystar auch Regie geführt und den Mythos Vietnamkrieg herausgegriffen. Es ist eine derbe Actionparodie auf die Darstellung des Krieges in den US-Medien. An der Seite von Stiller, der auch Regie führte, spielen Tom Cruise, Robert Downey jr. und Jack Black. Kabel eins strahlt den Spielfilm am Dienstag um 20.15 Uhr aus.

Im Mittelpunkt steht eine Art Film im Film: Auf einem Set eines Actionstreifens in Vietnam greift ein unerfahrener Regisseur zu drastischen Mitteln, um mit seinen abgehalfterten Stars einen authentischen Kriegsfilm zu drehen. Er setzt sie als amerikanische Soldaten kostümiert im Urwald aus. Versteckte Kameras sollen ihren Marsch durch inszenierte feindliche Linien festhalten. Doch die Feinde gibt es wirklich: In der Nähe campiert eine schwerbewaffnete Drogenbande, die alsbald Jagd auf die ungebetenen Gäste macht. Die halten den Beschuss für ungefährliche Knallkörper - und so stürzen sich die verweichlichten Leinwandstars unerschrocken in den Nahkampf.

Stiller mimt mit gewohnt komischen Blicken einen Star, der den Misserfolg seiner letzten Rolle als geistig Behinderter «Simple Jack» noch nicht verwunden hat: Das liege wohl daran, dass er als Anhänger vom «Method Acting», also des realitätsnahen Verinnerlichens einer Rolle, nie wirklich zu «Simple Jack» werden konnte, heißt es. Schließlich sei er ja nicht behindert. Nun sieht er seine zweite Chance: Er kann zum wahren Kriegshelden werden.

Einen Wettbewerb der Filmzitate würde «Tropic Thunder» wohl gewinnen alle paar Minuten flimmern nachgestellte Bilder von «Apocalypse Now» oder «Platoon» über die Leinwand. Leider beschränkt sich Stiller nicht auf die Parodie von Kriegsfilmen. Auch Werke über Behinderte wie «I Am Sam» oder Abenteuerklassiker wie «Crocodile Dundee» bekommen ihr Fett weg. Und schließlich wird der Oberflächenkult der Traumfabrik Hollywood in Gestalt eines eiskalten Produzenten (Cruise) und eines Sunnyboy-Agenten (Matthew McConaghey) ironisch dargestellt.

Die Drehbuchautoren - unter ihnen Stiller - wollten anscheinend jedes nur mögliche Tabuthema verwursten. So müssen Kindersoldaten oder Adoptivkinder aus der Dritten Welt als Comedy-Elemente herhalten. Ob geschmacklos oder nicht: in «Tropic Thunder» gehen so manche anarchische und arg makabre Witze einfach nicht auf. Optisch retten die Kostüme der Maskenbildnerin Marlene Stewart aber einiges: Robert Downey Junior tritt als afroamerikanischer G.I. auf und Nick Nolte als übertrieben verlotterter Kriegsveteran ohne Hände. Tom Cruise hingegen ist als glatzköpfiger Produzent kaum zu erkennen.

© dpa-infocom, dpa:200906-99-452099/3

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