Regisseur
Peymann über Corona-Politik und «lächerliche» Demos

Der Theatermacher beurteilt die Maßnahmen der Politik zur Eindämmung der Pandemie nicht gut. Noch weniger einverstanden ist er mit den Demonstrationen der jüngsten Vergangenheit.

Donnerstag, 10.09.2020, 12:41 Uhr aktualisiert: 10.09.2020, 12:44 Uhr
Claus Peymann arbeitet wieder in Wien.
Claus Peymann arbeitet wieder in Wien. Foto: Jörg Carstensen

Wien (dpa) - Der Theater-Altmeister Claus Peymann (83) stellt dem Umgang der Politik mit der Corona-Krise eine schlechte Note aus. Er habe den aus seiner Sicht widersprüchlichen Maßnahmen misstraut und sehe sich jetzt darin bestätigt.

Trotzdem habe er seine Zeit größtenteils alleine in einem Haus in Berlin-Köpenick verbracht, wo er Kartoffeln im Garten angepflanzt habe, sagte der langjährige frühere Leiter des Berliner Ensembles der österreichischen Nachrichtenagentur APA (Donnerstag).

«Ich bin nicht der Meinung, dass die Demonstranten in Deutschland recht haben, das ist ziemlich beschissen und lächerlich, was die da treiben - und nicht zuletzt mischen sich da die Rechtsradikalen drunter», sagte Peymann. Den Protest-Impuls, wenn Grundrechte in Frage gestellt würden, müsse man aber ernstnehmen.

«Ich hätte mir von Anfang an auch mal ein: "Wir wissen es nicht!", ein ehrliches, offenes Wort der Politiker gewünscht. Stattdessen überboten sie sich mit ihren Angstszenarien, Maßnahmen - und leider auch: Wahlkampfauftritten», kritisierte Peymann. «Die Spargelstecher wurden dann aus Osteuropa eingeflogen, während die Flüchtlinge in Moria bis heute unter den erbärmlichsten Bedingungen ausharren müssen. Welch ein Armutszeugnis.»

Peymann, der vor dem Berliner Ensemble auch von 1986 bis 1999 das Burgtheater in Wien leitete, kehrt am 17. September mit Thomas Bernhards Dramoletten «Der deutsche Mittagstisch» (Theater in der Josefstadt) als Regisseur auf die Bühnen der österreichischen Hauptstadt zurück. Die Themen von Bernhards bösen Minidramen («Nazisuppe! Nazisuppe!») seien in Europa brandaktuell: «Das Wiederaufflammen von nationalsozialistischen Gedanken, verdeckter Rassismus und Antisemitismus bis in die höchsten Kreise... bis hin zu den Ewig-Gestrigen, die sich wieder zusammenscharen und gemeinsam Nazilieder singen», sagte der 83-Jährige der APA. «Thomas Bernhard ist ein Prophet. Er hat vorausgesehen, wohin die Chose läuft. Und er hat leider recht behalten.»

© dpa-infocom, dpa:200910-99-504536/2

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