Hit und weg?
Nicht alle One-Hit-Wonder sind Eintagsfliegen

Songs wie «Macarena», «I Follow Rivers» oder «Somebody That I Used To Know» kennt vermutlich jeder. Von den Künstlern hört man allerdings nichts mehr. Dabei haben nicht alle mit der Musik aufgehört.

Donnerstag, 24.09.2020, 09:01 Uhr aktualisiert: 24.09.2020, 09:04 Uhr
Gotye (r) und Kimbra gelang mit «Somebody That I Used To Know» ein Mega-Hit.
Gotye (r) und Kimbra gelang mit «Somebody That I Used To Know» ein Mega-Hit. Foto: Tracey Nearmy

Paderborn/Baden-Baden (dpa) - Sie landen einen Hit und verschwinden dann wieder von der großen Bildfläche: sogenannte One-Hit-Wonder. Es gibt etliche CDs und TV-Sendungen, die solche Songs ausgegraben und gesammelt haben. Doch was ist überhaupt ein One-Hit-Wonder?

Eine eindeutige Definition gibt es nicht. Es hänge immer davon ab, für wen und in welchem Land ein Lied ein einmaliger Hit sei, sagt Christoph Jacke. Er ist Leiter des Studiengangs Populäre Musik und Medien an der Universität Paderborn. Meistens bekommen Künstlerinnen und Künstler ein solches Label, wenn sie vor oder nach einem großen Erfolg keine weitere hohe Chartplatzierung mehr erreicht haben.

KEINE WEITEREN HITS: Im Jahr 2011 sprang der Song «Somebody That I Used To Know» von Gotye und Kimbra auf Platz eins in Deutschland. Insgesamt 61 Wochen hielt sich das Stück in den Charts und bekam sogar Dreifachplatin. Sowohl für den belgisch-australischen Künstler Gotye als auch für seine neuseeländische Kollegin Kimbra war der Song der einzige weltweite Erfolg.

BERÜHMT NACH DEM TOD: Israel «Iz» Kamakawiwo'ole war in seiner Heimat Hawaii ein Star. Er war nicht nur Musiker, sondern auch politischer Aktivist. Die restliche Welt lernte ihn allerdings erst 13 Jahre nach seinem Tod kennen. Mit 12 Wochen auf Platz eins der deutschen Single-Charts war seine Interpretation von «Over The Rainbow» der erfolgreichste Hit des Jahres 2010. Weder davor noch danach war Kamakawiwo'ole in den Charts platziert. Er starb im Jahr 1997.

«DEN KENN ICH DOCH...»: Genau! Aus dem Kino. Im Jahr 1991 war «Always Look On The Bright Side Of Life» von Monty Python ein Mega-Erfolg. Aus Sicht der Popmusik sei der Song ein Evergreen, sagt Christoph Jacke. Die Briten waren zu dem Zeitpunkt absolut keine unbekannten Künstler. Musik-Hits gab es von ihnen allerdings vorher und auch hinterher nicht. In den 1970er Jahren entstand eine Fernsehserie und mehrere Kinofilme. Unter anderem auch der Film «Das Leben des Brian» aus dem Jahr 1979. Der Song «Always Look On The Bright Side Of Life» ist Teil der absolut ikonischen Kreuzigungsszene.

KEINE EINTAGSFLIEGE: Unter den Stars der One-Hit-Wonder befinden sich einige Künstlerinnen und Künstler, die noch weitere, wenn auch kleinere Erfolge vor und nach ihrem Nummer-Eins-Hit hatten. Dazu gehört etwa Lykke Li, die mit «I Follow Rivers» im Jahr 2012 ganze 62 Wochen in den deutschen Charts blieb. Schon vor ihrem Erfolg spielte sie auf großen Festivals wie Glastonbury, Coachella und Lollapalooza. Danach brachte sie bisher zwei weitere Studioalben heraus, beide haben es kurzzeitig in die deutschen Charts geschafft. Vor allem in ihrer Heimat Schweden ist sie weiterhin erfolgreich. «Wenn ich globaler darauf schaue, dann wäre das für mich kein One-Hit-Wonder», sagt Jacke. Wenn es aber um Megaseller gehe, «dann kann man natürlich sagen: Die ist aufgetaucht und dann wieder untergetaucht.»

BEWÄHRTES KONZEPT: «Alane» von Wes war im Jahr 1997 in Dauerschleife zu hören. Auf Platz eins schaffte der Song es zwar damals nicht, hielt sich aber 40 Wochen in den deutschen Charts. In diesem Jahr gibt es mit dem DJ Robin Schulz eine Neuauflage - die sich bereits in den ersten Wochen in den Top Ten platzierte. Wenn man zwei Mal mit einem Lied Erfolg hat, gilt man dann noch als One-Hit-Wonder?

TANZBAR: Kaum ein Song ist so sehr mit den passenden Tanzmoves verknüpft, wie «Macarena». Die Single des spanischen Duos Los del Rio wurde 1996 zum Sommerhit und lieferte die Bewegungen direkt mit. Der Track stand vier Wochen auf Platz eins. Der einzige weitere Chartsong von Los Del Rio war «Macarena Christmas» und erreichte nur Platz 84. «Tanz und Bewegung ist absolut wichtig für Popmusikkulturen», sagt Experte Jacke. «Nur der Tanz würde nicht funktionieren, aber der toppt das Ganze natürlich.» Auch im Sommer 2002 gab es wieder passende Moves zum Chartbreaker - diesmal zum «The Ketchup Song (Aserejé)» von der Girlband Las Ketchup.

VERSCHWUNDEN: Es gibt aber auch Künstlerinnen und Künstler, die nach einem Hit tatsächlich wieder verschwanden. Einige Stars der Neuen Deutschen Welle gehören dazu. Etwa Gaby Tiedemann alias Ixi. Sie wurde 1983 mit «Der Knutschfleck» bekannt. Ihre nächste Single floppte allerdings. Sie tauschte die Bühne gegen ein Fernsehstudio ein und wurde für kurze Zeit Moderatorin von «Bravo TV».

EXPORTSCHLAGER: Apropos Neue Deutsche Welle: Nena würde in Deutschland wohl niemand als One-Hit-Wonder bezeichnen. Im englischsprachigen Ausland sieht das allerdings ganz anders aus. Der Titel «99 Luftballons» beziehungsweise die englische Version «99 Red Balloons» war dort ihr einziger Hit.

© dpa-infocom, dpa:200924-99-687109/3

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