TV-Tipp
Anna und ihr Untermieter

Schauspielerin Katerina Jacob lebt in Kanada und war zuletzt selten im TV. Nun mimt sie eine Frührentnerin wider Willen - in einer ARD-Komödie. Warum ihr die Rolle so zusagt, hat sie der dpa erzählt.

Freitag, 09.10.2020, 00:01 Uhr
Anna (Katerina Jacob) und ihr Wohngenosse Herr Kurtz (Ernst Stötzner) in einer Szene von «Anna und ihr Untermieter: Aller Anfang ist schwer».
Anna (Katerina Jacob) und ihr Wohngenosse Herr Kurtz (Ernst Stötzner) in einer Szene von «Anna und ihr Untermieter: Aller Anfang ist schwer». Foto: Guido Engels

Berlin (dpa) – Jahrelang hat sich Katerina Jacob rar gemacht im Fernsehen. Nun spielt die Schauspielerin in der Fernsehkomödie «Anna und ihr Untermieter – Aller Anfang ist schwer» eine Frau mittleren Alters, die unfreiwillig zur Frührentnerin wird.

Dabei krempelt sie mit Energie und Optimismus ihr Leben und das ihrer Mitmenschen zum Positiven um. Es ist eine Rolle, die der 62-jährigen Jacob («Der Bulle von Tölz») deutlich am Herzen liegt. «Ich habe immer gesagt, ich komme wieder, wenn vor allem das Drehbuch, das Drehbuch, das Drehbuch stimmt», sagte die in Kanada lebende bayerische Schauspielerin, Mutter und Großmutter der Deutschen Presse-Agentur.

So ist denn auf dem Sendeplatz «Endlich Freitag im Ersten» am 9. Oktober ab 20.15 Uhr zu erleben, wie Jacob als Kölnerin Anna Welsendorf nach elf Jahren ihren Job in einer Parfümerie verliert. Und sich keine Illusionen über eine Neuanstellung macht. «Zu alt und zu dick», habe es bei allen Bewerbungen geheißen, erklärt sie ihrer Tochter Karin (Katharina Schlothauer), Mutter der kleinen Nele.

Doch Anna bleibt unverdrossen aktiv. Nicht allein um ihre Enkelin will sie sich kümmern. Die hilfsbereite Rentnerin engagiert sich auch weiterhin ehrenamtlich bei der Telefonseelsorge. Und sie nimmt, um die Rente aufzubessern, mit dem kauzigen Technokraten Herrn Kurtz (Ernst Stötzner, bekannt aus ZDF-«Ostfriesenkrimis») einen Mieter mit in ihre hübsche Altbauwohnung plus Garten auf.

Damit nehmen die unterhaltsam-lebensnahen Ereignisse ihren Lauf. Denn der 69-Jährige ist so ziemlich das Gegenteil von Anna: ein «Soziopath» nämlich, wie ein Ex-Kollege vom Ordnungsamt Köln-Süd über ihn sagt – verbissen, überkritisch, letztlich einsam. Den Kampf dieser beiden - wunderbar gespielten – älteren Semester verdeutlicht der renommierte Autor Martin Rauhaus (Jahrgang 1958, «Hotel Heidelberg») in seinem Drehbuch in pointierten Dialogen, die keine Schwarz-Weiß-Malerei zulassen.

Manchmal tut einem Herr Kurtz richtig leid - wenn Anna ihm wieder einmal barsch über den Mund fährt. Dabei kann sie den Mann gut gebrauchen - als eine anonyme Anruferin Suizidabsichten anklingen lässt, will die Telefon-Seelsorgerin mittels seiner Amtskontakte an die Adresse der jungen Frau kommen.

All das - und ein nicht allzu rosig-erwartbares Ende - hat der Grimme-Preisträger Ralf Huettner (65, «Zimmer mit Stall») mit heiterem Ernst in Szene gesetzt. Die Hauptdarstellerin hat, wie sie der dpa erklärt, sofort Zugang zu ihrer ersten Rolle im Seniorenfach gefunden. «Wir fühlen uns ja alle nicht alt», sagt Jacob, fügt aber lachend hinzu: «Wenn ich morgens aufstehe, bleiben schon mal ganze Teile von mir im Bett liegen. Die muss ich dann hinter mir her schleifen.» Dabei gebe es Vorzüge beim Altern: «Ich sehe eine Lässigkeit, dass mich eigentlich nichts mehr wirklich angeht», meint die 62-Jährige, «und ich bin verständiger der Umwelt gegenüber, ich kapiere mehr.»

Das Filmthema der jungen Alten findet Jacob derart aktuell, dass sie sich «Anna und ihr Untermieter», sollte die Quote stimmen, als Reihe wünscht. «Auch wir Älteren können Geschichten erzählen, nicht nur die Jungen, Hübschen, Dünnen. Hinter uns steht ein ganzes Leben. Das sollten wir so verkaufen können, dass die Jungen sagen: "Geil, so wollen wir mal werden"», sagt sie, «und schließlich war auch "Golden Girls" eine extrem erfolgreiche Serie.» 

Die kritisch eingestellte Schauspielerin und Buchautorin Jacob («Alles nur Theater», 2016) hat sich inzwischen auch in den sozialen Netzwerken einen Namen geschaffen - als Influencerin. Regelmäßig unterrichtet sie eine große Anzahl von Usern über ihre Ansichten etwa zu Tier- und Umweltschutz sowie über Rücksichtnahme in der Pandemie.

Über gemeinschaftliches Wohnen hat sich die 62-Jährige, deren Mutter und große Kollegin Ellen Schwiers 2019 mit 88 Jahren starb, ebenfalls sehr persönliche Gedanken gemacht. «Mein Traum war immer, dass ich das Haus meiner Mutter am Starnberger See in eine Wohnanlage umwandele», erzählt der resolute Star. «Und dann an Leute vermiete, die mir ehrlich sagen, was sie verdienen – und ich zehn Prozent ihres Nettoeinkommens als Miete verlange. Ich hatte schon mit Bauern gesprochen, die uns Land verpachten wollten, damit wir Gemüse anbauen können.» Doch leider mache bei solchen Plänen das Finanzamt nicht mit, das sehr geringe Mieten als geldwerten Vorteil ansehe. So habe sie das Haus, in dem noch eine Rentnerin Mietrecht auf Lebenszeit genießt, für ihre Stief-Schwiegertochter renoviert, sagt Jacob. Die wolle sich von dort um ihre Mutter kümmern.

© dpa-infocom, dpa:201007-99-853677/3

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