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Silence

Japan im 17. Jahrhundert: Zwei Jesuitenpater suchen nach ihrem Mentor. Hat er dem Christentum abgeschworen?

Samstag, 10.10.2020, 00:01 Uhr aktualisiert: 10.10.2020, 00:04 Uhr
Martin Scorsese bei der Premiere des Films «Silence».
Martin Scorsese bei der Premiere des Films «Silence». Foto: Rich Fury

Berlin (dpa) - Unterschiedlicher könnten zwei Filme kaum sein. Im schrillen Börsen-Thriller «The Wolf of Wall Street» war Martin Scorsese 2013 dem turbulenten Chaos von Betrug und Korruption im Bankensektor nachgegangen. Mit «Silence» begab sich der Oscar-Preisträger drei Jahre später auf eine stille, aber extrem brutale Glaubensreise in das ferne Japan des 17. Jahrhunderts.

Es ist ein lang gehegtes Herzensprojekt, das der Regisseur («The Departed: Unter Feinden») mehr als zwanzig Jahren verfolgt hat. An diesem Samstag (20.15 Uhr) läuft der Film beim Free-TV-Kanal Servus TV.

«Silence» führt zurück in das Jahr 1638, als zwei junge Jesuitenpater von Portugal aus die gefährliche Reise in das vom Westen abgeschottete Japan antreten. Dort soll ihr früherer Mentor und Kirchenlehrer Cristóvão Ferreira (Liam Neeson) vom Glauben abgefallen sein. Völlig neue Rollen für «Spider-Man»-Darsteller Andrew Garfield und «Star Wars»-Star Adam Driver, die sich nun als Missionare auf ein gefährliches, entbehrungsreiches Abenteuer einlassen.

Auch für die Zuschauer ist das kein Spaß. Auf über zweieinhalb Stunden Länge führt Scorsese die brutale Unterdrückung der christlichen Minderheit durch die japanischen Machthaber vor Augen. Sie sind unmenschlichen Entbehrungen und schlimmsten Foltermethoden ausgesetzt.

Die bedrängten Pater stellen dabei immer wieder die Frage, wie Gott zu so viel Leid schweigen kann. Auch Scorsese stellt sich nach eigenem Bekunden tiefgründige Glaubensfragen. «Wo kann ich den Sinn der Existenz und den Sinn des Lebens finden? Für mich ist es das Christentum», sagte der Regisseur, als er «Silence» 2016 am theologischen Fuller-Seminary im kalifornischen Pasadena vorstellte.

Religion spielte in Scorseses Leben schon lange eine Rolle. Der Sohn sizilianischer Einwanderer war in seiner Jugend Messdiener, zeitweise wollte er Priester werden. 1988 brachte er die umstrittene Buchverfilmung «Die letzte Versuchung Christi» ins Kino. Konservative Christen riefen damals zum Boykott des «blasphemischen» Films auf.

In dieser Zeit las Scorsese auch den Bestseller «Schweigen» (1966) des japanischen Autors Shusaku Endo (1923-1996), der als Elfjähriger mit seiner Mutter zum Katholizismus übergetreten war. Der auf historischen Ereignissen beruhende Roman ist die Vorlage für «Silence».

An den Kinokassen holte sich der Meisterregisseur mit seinem Glaubenskrieg-Epos allerdings eine Abfuhr. Scorsese mag mit epischen Bildern und einer Spitzenbesetzung - darunter auch Japans Multitalent Tadanobu Asano («Der Mongole», «Thor») - aufwarten, doch an dem religiösen Abenteuer hatte das amerikanische Publikum kaum Interesse.

Enttäuschung auch bei den Oscar-Nominierungen. Am Ende wurde nur die Kameraführung des Mexikaners Rodrigo Prieto («Brokeback Mountain», «The Wolf of Wall Street») mit einer Nominierung gewürdigt. Tatsächlich meistert Prieto eine Gratwanderung zwischen erschreckend grausamen Szenen, die mit stillen, ergreifenden Bildern von Menschen und Natur abwechseln. An wuchtige Filmdramen wie «Zeit der Unschuld» und «Gangs of New York» reicht «Silence» allerdings nicht heran.

© dpa-infocom, dpa:201007-99-853695/3

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