Lehm mit Leben
Matias Faldbakken auf den Spuren des Golem

Der norwegische Autor hat ein heimeliges Familienporträt auf der Vorstufe zum Grauen geschrieben.

Mittwoch, 28.10.2020, 14:38 Uhr aktualisiert: 28.10.2020, 14:40 Uhr

Berlin (dpa) - Science-Fiction, Landleben, Horror und ein Mystik-Klassiker: In Anlehnung an die Geschichte des Prager Golem schafft Matias Faldbakken in seinem neuen Roman «Wir sind fünf» ein heimeliges Familienporträt auf der Vorstufe zum Grauen.

Der 46-jährige Norweger lässt seinen zunächst wild-jugendlichen Erzähler Tormod zu einem Vater mit Frau und zwei Kindern reifen. Ein Leben auf dem Land in geordneten Bahnen. Doch nachdem die Hündin Snusken eines Tages spurlos verschwunden ist, gerät die traute Welt aus der Waage. Tormods Lösung: Die Familie muss wieder auf fünf anwachsen.

Er besorgt sich Lehm und formt ein Wesen, dem Leben eingehaucht wird. Der Klumpen hilft zunächst, den Haussegen wieder gerade zu rücken, doch fordert die Gestalt bald auch ihren Preis. Faldbakkens Lust an der schöpferischen Kraft ist unübersehbar, nicht nur in der Handlung, auch in der Sprache. In wechselndem Erzähltempo verortet er seine düstere Schauergeschichte irgendwo zwischen Frankenstein, Golem und Zauberlehrling. Doch anders als bei Goethe kommt Tormod in «Vi er fem» - so der norwegische Buchtitel - kein Hexenmeister zu Hilfe.

- Matias Faldbakken: Wir sind fünf, Heyne Verlag, München, 256 Seiten, 22,00 Euro, ISBN 978-3-453-27299-6.

© dpa-infocom, dpa:201027-99-96043/2

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