Painting The Roses
Midnight Sister: Schräg-schön und himmlisch-harmonisch

Das perfekte Mittel gegen Lockdown-Frust: Mit himmlischen Harmonien und schrägem Schönklang macht das US-Duo Midnight Sister die düstere Corona-Welt zu einem farbigeren, freundlicheren Ort.

Dienstag, 26.01.2021, 17:15 Uhr aktualisiert: 26.01.2021, 17:18 Uhr
Ganz eigenwillig: Juliana Giraffe.
Ganz eigenwillig: Juliana Giraffe. Foto: Nicky Giraffe

Berlin (dpa) - Für Musik wie die von Midnight Sister könnte der englische Begriff «quirky» erfunden worden sein.

Was dieses US-Duo - die Designerin und Sängerin Juliana Giraffe sowie der Komponist und Multi-Instrumentalist Ari Balouzian - auch auf dem zweiten Album veranstaltet, ist so «quirky» wie nur möglich: Schrullig, schräg, eigenwillig - im Ergebnis bonbonbunter, zickiger, toller Indiepop.

Wieder basteln Midnight Sister aus süffigen Melodien, gefühlt tausend kleinen Sound-Gimmicks, fantasievollen Produktionsspielereien und ganz viel Stilbewusstsein ein fabelhaftes Retro-Album zusammen. Das war schon auf ihrem Debüt «Saturn Over Sunset» (2017) nicht anders, das mit orchestralem Psychedelic-Pop direkt aus dem San Fernando Valley in Kalifornien in eine Hollywood-Traumwelt entführte.

Auch der Nachfolger «Painting The Roses» - wieder erschienen über Jagjaguwar/Cargo - deckt eine enorme Palette an Einflüssen ab: von Exzentrikerinnen wie Kate Bush, Lene Lovich oder Laurie Anderson bis zum virtuosen Easy-Listening-Sound eines Burt Bacharach («Wednesday Baby»), von Soul-, Disco-, Yacht- und Glam-Pop («Limousine» glänzt gar mit einem David-Bowie-Zitat) bis zur Experimentierfreude von David Byrne oder Jon Brion («Magnolia», «Punch Drunk Love»).

Wer sich von diesem Album nicht über jede einzelne seiner gut 42 Minuten Laufzeit bestens unterhalten fühlt, ist selber schuld. Aber «Painting The Roses» ist nicht nur ein ungeheuer liebevoll zusammengesetztes Klang-Puzzle, sondern auch eine stimmliche Offenbarung: Juliana Giraffes aufregend flexibler Altgesang hält allen Arrangement-Ideen Balouzians stand - dabei klingt sie immer so lässig, wie ihr cooler Divenname erwarten lässt.

Es wird also höchste Zeit, dass die Welt den detailreich-glamourösen Art-Pop dieses US-Duos so richtig kennenlernt - vielleicht gerade jetzt. Denn beide ambitionierten Alben von Midnight Sister könnten die derzeit so düstere Corona-Lockdown-Welt zu einem farbigeren, freundlicheren Ort machen. Mit himmlischen Harmonien als akustischem Trostpflaster.

© dpa-infocom, dpa:210126-99-177568/3

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