Grüner Hügel
Ulrich Jagels wird Geschäftsführer der Bayreuther Festspiele

Wie es mit Ex-Musikdirektor Christian Thielemann weitergeht bei den Bayreuther Festspielen, ist nach wie vor offen. Die Entscheidung über eine andere wichtige Personalie auf dem Grünen Hügel ist nun aber gefallen.

Donnerstag, 28.01.2021, 17:19 Uhr aktualisiert: 28.01.2021, 17:22 Uhr
Von Leipzig nach Bayreuth: Ulrich Jagels.
Von Leipzig nach Bayreuth: Ulrich Jagels. Foto: Kirsten Nijhof

Bayreuth/Leipzig (dpa) - Die Bayreuther Festspiele bekommen einen neuen Geschäftsführer: Der Verwaltungsdirektor der Oper Leipzig, Ulrich Jagels, soll auf den Grünen Hügel wechseln, wie die Festspiele mitteilten.

«Den Wechsel von der Geburtsstadt Richard Wagners zu den wohl bekanntesten Festspielen weltweit empfinde ich als einen besonderen Karriereschritt» sagte der Betriebswirt, der seit 2013 in Leipzig im Amt ist. «Ich bin voller Respekt für die Anstrengungen, die es immer wieder erfordert, sein Werk zu interpretieren und musikalisch und szenisch zur Aufführung zu bringen.» Vor seiner Tätigkeit an der Oper war er Verwaltungsdirektor des Städtischen Theaters in Chemnitz.

Die Bayreuther Festspiele betonten, sie freuten sich auf die Zusammenarbeit - «und hoffen, mit Ulrich Jagels nicht nur einen ausgezeichneten Betriebswirt, sondern auch einen empathischen Geschäftsführer in ihren Reihen zu wissen, der dem Haus zum notwendigen guten und stabilen Betriebsklima verhelfen kann», wie es in der Mitteilung hieß.

In Leipzig war Jagels nach Festspiel-Angaben für mehrere Bauvorhaben mit einem geschätzten Gesamtvolumen von 30 Millionen Euro verantwortlich. Diese Erfahrung könnte ihm auch in Bayreuth bei der millionenschweren Sanierung des Festspielhauses zugutekommen.

Und als Verwaltungsdirektor hatte er auch schon mit der Bayreuther Festspiel-Chefin Katharina Wagner zu tun. Sie sollte an der Leipziger Oper eigentlich im vergangenen Jahr die berühmte Schwanenoper ihres Urgroßvaters Richard Wagner, den «Lohengrin», inszenieren. Das Projekt fiel vorerst der Corona-Pandemie zum Opfer.

Jagels wird nun Nachfolger des bisherigen Geschäftsführers Holger von Berg, dessen Vertrag nach fünf Jahren nicht verlängert wurde. Die Festspiel-GmbH habe «sich entschlossen», den bis April 2021 laufenden Vertrag mit von Berg nicht zu verlängern, hieß es Ende Mai 2020 in einer sehr knappen Mitteilung. «Der bisherige kaufmännische Geschäftsführer wird nach der Beendigung seiner Tätigkeit in Bayreuth eine neue Aufgabe beim Freistaat Bayern im Geschäftsbereich des Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst in München übernehmen.» Ausgerechnet in seiner letzten Saison fielen die Festspiele coronabedingt aus.

Kurz nach seinem Amtsantritt vor rund fünf Jahren hatte von Berg gesagt: «Es muss sich einiges ändern. Aber gut Ding will Weile haben.» Viele Mitarbeiter im Haus seien noch in den alten Strukturen verwurzelt aus der Zeit, in der die Festspiele ein Familienunternehmen waren. «Ich wünsche ihm viel Erfolg und Glück», sagte von Berg der dpa nach der Bekanntgabe seines Nachfolgers.

In den Verantwortungsbereich des zweiten Geschäftsführers fallen unter anderem der Kartenverkauf und die Festspielhaus-Sanierung, während Intendantin Wagner eher für den künstlerischen Part verantwortlich ist. Verträge mit Sängern und Musikern müssen aber immer von beiden Geschäftsführern unterschrieben werden.

Bayerns Kunstminister Bernd Sibler (CSU) begrüßte die Entscheidung für Jagels: «Mit seinem Verständnis für künstlerische Prozesse und für das Werk Richard Wagners sowie seinen Erfahrungen bei großen Baumaßnahmen bringt er ein Gesamtpaket an Kompetenzen mit, um die anstehenden Projekte der Bayreuther Festspiele erfolgreich anzugehen.»

Nach der Ernennung des neuen Geschäftsführers ist nun nur noch eine wichtige Personalie auf dem Grünen Hügel offen: Die Frage, wie es mit Dirigent Christian Thielemann weitergeht, ist noch ungeklärt. Thielemanns Vertrag als Musikdirektor ging mit dem Jahr 2020 zu Ende. Die Festspiele teilten mit, ihn weiter an sich binden zu wollen, ließen die Form dieser Bindung allerdings offen. Nach Angaben von Festspielchefin Wagner laufen die Vertragsverhandlungen noch.

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