Bildband
Eine Kulturgeschichte der Tätowierkunst

Tätowierungen sind Mode, aber keine Erfindung der Neuzeit. Ein Tätowieder aus den Niederlanden gibt eine Überblick.

Dienstag, 09.02.2021, 13:10 Uhr aktualisiert: 09.02.2021, 13:13 Uhr
«Tattoo» von Henk Schiffmacher: ein Überblick über internationale Tattoo-Motive aus rund 250 Jahren.
«Tattoo» von Henk Schiffmacher: ein Überblick über internationale Tattoo-Motive aus rund 250 Jahren. Foto: --

Berlin (dpa) - Tattoos sieht man heute praktisch überall: Schauspieler, Fußballer, Beamte und viele andere Menschen lassen sich Arme, Beine und andere Körperteile mit kleinen, unter die Haut gestochenen Symbolen und Zeichnungen verzieren.

Damit stehen sie in einer Tradition, die sich durch mehrere Jahrhunderte und über alle Kontinente zieht.

Einen beeindruckenden Überblick über die unterschiedlichen kulturellen und ästhetischen Ausprägungen des Tätowierens bietet ein großformatiger Bildband mit dem Titel «Tattoo». Der niederländische Tätowierer Henk Schiffmacher, einer der international bekanntesten Vertreter seines Faches, hat auf über 400 großformatigen und reich illustrierten Seiten einen Überblick zusammengestellt über internationale Tattoo-Motive aus rund 250 Jahren. Ergänzt werden die oft ganzseitigen Fotografien durch informativen Text auf Deutsch, Englisch und Französisch.

Tätowierungen sind keine neue Erfindung. Bereits die Mumie des vor über 5000 Jahren gestorbenen Gletschermannes Ötzi weist Tätowierungen auf, die vermutlich eher rituellen als dekorativen Zwecken dienten.

Während in Europa Tätowierungen über Jahrhunderte geächtet waren, spielten sie in anderen Kulturen eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Zusammenhang. Schiffmacher verdeutlicht dies am Beispiel der Maori, der eingeborenen Bevölkerung Neuseelands: «Bevor die Europäer kamen und das Tätowieren verboten, erzählten diese Symbole alles über eine Person - ihr Stammbaum, ihre Position innerhalb des Stammes, ihre ganze Geschichte wurde ihr unter die Haut gemeißelt.»

Sehr aufwendig und liebevoll widmet sich Schiffmacher auch der japanischen Tradition, große Bilder in teils leuchtenden Farben zu tätowieren, in denen durchaus auch Botschaften eingebaut waren. Hier kommen die großen Buchseiten und die hervorragende Druckqualität besonders zur Geltung.

Im europäischen Kulturkreis blieben öffentlich sichtbare Tätowierungen verpönt. Schiffmacher fasst das kurz und prägnant so zusammen: «Wer im 19. Jahrhundert tätowiert war, war höchstwahrscheinlich ein Seemann oder Verbrecher.» Aber auch hier kann Schiffmacher zahlreiche Motive vorzeigen, ganz besonders aus der amerikanischen Marine im Zweiten Weltkrieg.

Grundlage des Buches ist die wohl einzigartige private Sammlung von Henk Schiffmacher, der über Jahrzehnte Bilder, Werkzeuge und Vorlagensammlungen aus aller Welt zusammengetragen hat.

- Henk Schiffmacher und Noel Daniel (Hg.): Tattoo. 1730s - 1970s. Henk Schiffmachers Private Collection. Taschen Verlag, Köln, 432 Seiten, Euro 125,00, ISBN 978-3-8365-6935-4.

© dpa-infocom, dpa:210209-99-361595/2

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