Beschuldigungen «grundlos»
Vorwurf Vertuschung: China sieht Ablenkungsmanöver der USA

Erneut erheben die USA gegenüber China Vorwürfe, das Land habe Informationen zum Coronavirus absichtlich zurückgehalten und so die Weltbevölkerung in Gefahr gebracht. China weist das strikt zurück - und sieht darin nur Wahlkampf-Hilfe für Donald Trump.

Montag, 04.05.2020, 08:51 Uhr aktualisiert: 04.05.2020, 09:00 Uhr
Arbeiten an einem Versorgungstunnel in Wuhan.
Arbeiten an einem Versorgungstunnel in Wuhan. Foto: Xiao Yijiu

Peking (dpa) - Chinesische Staatsmedien haben Vorwürfe der US-Regierung über Vertuschung in der Corona-Krise und den Ursprung des Virus als «grundlose Beschuldigungen» zurückgewiesen.

Es sei eine Strategie, von der eigenen «Unfähigkeit» im Kampf gegen die Pandemie abzulenken, kommentierte am Montag die Zeitung «Global Times», die vom kommunistischen Parteiorgan «Volkszeitung» herausgegeben wird.

Die Äußerungen von US-Außenminister Mike Pompeo, Geheimdienste gingen «signifikanten» Belegen nach, dass das Virus aus einem Labor in der chinesischen Stadt Wuhan stamme, nannte das Blatt einen «Bluff». «Die Wahrheit ist, dass Pompeo keinerlei Beweise hat.» Wenn es sie gäbe, sollten die USA die Belege Forschungsinstituten und Wissenschaftlern geben, damit diese sie prüfen könnten.

Ziel der US-Regierung sei es, China die Schuld für die Pandemie zu geben, um die öffentliche Meinung zu manipulieren und «Klagen wegen Amtspflichtverletzung» hinsichtlich der eigenen Reaktion auf die Pandemie zu entgehen. «Das ultimative Ziel ist es jetzt, die Wahl zu gewinnen», schrieb der Kommentator zu den Anstrengungen von Präsident Donald Trump, im November eine zweite Amtszeit zu erreichen. Kritiker werfen ihm vor, die Gefahr lange heruntergespielt zu haben.

Zu der Theorie, dass das Virus aus dem Labor in Wuhan stammen könnte, sagte auch Kanadas Ministerpräsident Justin Trudeau nach Angaben kanadischer Medien, es sei «zu früh, um feste Schlüsse zu ziehen». Kanada ist Mitglied der Geheimdienstallianz «Five Eyes» mit den USA, Großbritannien, Australien und Neuseeland.

Deutschland solle sich nach Ansicht des stellvertretenden Vorsitzenden des Parlamentarischen Kontrollgremiums, Konstantin von Notz (Grüne), nicht an einem «Informationskrieg» über den Ursprung des Coronavirus beteiligen. Die Vorwürfe der «Five Eyes» seien aber glaubwürdig, und man müsse sie ernst nehmen», sagte von Notz im «ZDF-Morgenmagazin».

Die australische Zeitung «Saturday Telegraph» hatte zuvor über ein Geheimpapier der Gruppe berichtet, in dem schwere Vorwürfe gegen China erhoben wurden. Das 15-seitige Dossier beklagt dem Blatt zufolge Vertuschung und weist auf riskante Forschungsarbeiten in dem Labor in Wuhan hin. Es erwähnt demnach allerdings auch die Differenzen in dem Geheimdienstbündnis über den Verdacht, dass das Virus wirklich aus dem Labor stammen könnte.

Wissenschaftler halten es für viel wahrscheinlicher, dass Sars-CoV-2 von Fledermäusen über ein anderes Tier und durch den Wildtierhandel auf den Menschen übertragen wurde. China hatte im März den Handel mit wilden Tieren per Gesetz verboten. Experten haben auch nachgewiesen, dass das Virus nicht künstlich erzeugt worden ist, sondern natürlichen Ursprungs ist, wie vergangene Woche auch die US-Geheimdienste bestätigt hatten.

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