Coronavirus
Trotz Sorgen vor zweiter Corona-Welle: Lockerungen weltweit

Corona-bedingte Ausgangsbeschränkungen und Betriebsschließungen werden weltweit langsam zurückgenommen. In Israel wächst die Sorge vor einer 2. Welle. Präsident Trump macht inmitten innenpolitischer Spannungen mit neuem Schlag gegen die WHO Schlagzeilen.

Montag, 01.06.2020, 17:06 Uhr aktualisiert: 01.06.2020, 17:08 Uhr
Ein Mitarbeiter reinigt die Tische eines Restaurants in Istanbul vor der Wiedereröffnung.
Ein Mitarbeiter reinigt die Tische eines Restaurants in Istanbul vor der Wiedereröffnung. Foto: Yasin Akgul

Genf/Washington/Istanbul/Tel Aviv (dpa) - Nach wochenlangen Ausgehbeschränkungen und Betriebsschließungen wegen der Corona-Pandemie setzen viele Länder jetzt auf immer mehr Lockerungen.

In Israel wächst allerdings bereits die Sorge vor einer zweiten Welle. Mitten in den Bemühungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), den ärmsten Ländern in der Pandemie unter die Arme zu greifen, kündigt US-Präsident Donald Trump die Zusammenarbeit mit der Organisation auf.

Die USA sind bislang der größte Beitragszahler. Die WHO schwieg zu dem Schritt der USA, die die WHO 1948 mit gegründet hatten. «Wir äußern uns dazu nicht», sagte am Pfingstmontag ein Sprecher.

Trump hatte seine Vorwürfe gegen die WHO am Freitag wiederholt: Sie stehe unter chinesischem Einfluss, habe auf Druck von Peking wichtige Informationen über das erstmals in Wuhan in China aufgetauchte Virus verschleppt und sei deshalb zusammen mit Peking für die weltweite Ausbreitung des Virus mit verantwortlich. Die USA haben mit Abstand die meisten Infektionen. Mehr als 104 000 Infizierte sind gestorben.

Trump hatte China und die WHO nach anfänglichen Lobeshymnen ins Visier genommen, als die Kritik an seinem von vielen Beobachtern als chaotisch empfundenen Krisenmanagement wuchs. Die WHO habe sich notwendigen Reformen verschlossen, sagte er. Die USA trugen als größter Geldgeber der WHO im abgelaufenen Zwei-Jahres-Budget etwa 15 Prozent des Haushalts. Der setzt sich zu 20 Prozent aus Pflicht- und 80 Prozent aus freiwilligen Beiträgen zusammen. Für dieses Jahr läge der US-Pflichtbeitrag bei rund 116 Millionen Dollar.

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen drängte Trump, seine Entscheidung zu überdenken: «Alles, was internationale Ergebnisse schwächt, muss vermieden werden.» Maas sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, man brauche «weltweite Kooperation statt nationaler Alleingänge». Ähnlich äußerte sich Müller.

Trump wollte die Staats- und Regierungschefs der sieben wichtigsten Industriestaaten (G7) fünf Monate vor der Präsidentenwahl im Juni in Washington versammeln - als Zeichen der Entspannung in der Corona-Krise. Bundeskanzlerin Angela Merkel winkte aber ab: «Stand heute kann sie in Anbetracht der Pandemie-Gesamtlage ihre persönliche Teilnahme, also eine Reise nach Washington, nicht zusagen», sagte ein Regierungssprecher am Samstag. Die US-Regierung verschob die Pläne daraufhin, womöglich auf September.

Unterdessen wurden in der Türkei Reisebeschränkungen für die Millionenmetropole Istanbul und 14 weitere Provinzen aufgehoben. Die Einwohner durften ihre Region damit das erste Mal seit Anfang April wieder verlassen. Inlandsflüge durften am Montag wieder starten, und Restaurants, Cafés und Sportanlagen sowie der Große Basar in Istanbul durften unter Auflagen wieder öffnen. Die Türkei steht nach Fallzahlen laut US-Universität Johns Hopkins auf Platz elf weltweit.

Russland lockerte seine Corona-Maßnahmen trotz steigender Infektionszahlen. Nach mehr als zwei Monaten strenger Ausgangssperren durften die Bewohner von Moskau - Europas größter Stadt - an einzelnen Tagen wieder spazieren gehen und stundenweise Sport machen. Allerdings muss dafür nun auch im Freien Mund- und Nasenschutz getragen werden. Geschäfte durften teils wieder öffnen. Russland ist nach den USA und Brasilien das am stärksten betroffene Land weltweit.

Spanien will den umstrittenen Notstand zur Eindämmung der Pandemie bis zum 20. Juni verlängern, wie Ministerpräsident Pedro Sánchez am Sonntag sagte. Es werde eine «abgeschwächte Form» des Notstands sein. Über den Antrag wollte das Parlament am Mittwoch abstimmen. Es gelten weiterhin strenge Ausgehbeschränkungen, die seit wenigen Wochen langsam gelockert werden. Mit mehr als 27.000 Toten und rund 240.000 Infektionsfällen ist Spanien eines der von der Pandemie am schwersten betroffenen Länder.

In Israel wurde in der Jerusalemer Altstadt am Sonntag der Tempelberg (Al-Haram al-Scharif/Das edle Heiligtum) wieder geöffnet. Hunderte Muslime besuchten die heilige Stätte nach Medienberichten. Experten befürchten angesichts eines Anstiegs von Neuinfektionen eine zweite Erkrankungswelle. Mehrere Schulen wurden geschlossen, nachdem dort mehr als 100 Schüler und Lehrkräfte infiziert worden waren. Vor einem Monat hatte erst die schrittweise Öffnung von Schulen begonnen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mahnte mehr Disziplin der Bürger an.

Schweden, das in Europa einen Sonderweg ohne größere Ausgangssperren und Betriebsschließungen gegangen war, verzeichnete am Sonntag erstmals seit März innerhalb von 24 Stunden keinen neuen Todesfall im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Allerdings kamen am Montag acht neue Todesfälle hinzu, wie die staatliche Gesundheitsbehörde mitteilte. Sie hatte bereits am Sonntag gesagt, über das Wochenende verzögerten sich die Meldungen über neue Opfer. Seit dem ersten registrierten Corona-Toten am 11. März starben nach Behördenangaben bisher 4403 Menschen. Etwa 37.800 Menschen infizierten sich bisher. Die relativ hohe Zahl - gemessen an zehn Millionen Einwohnern - sei vor allem auf Infektionen in Pflegeheimen zurückzuführen, heißt es.

Und in Südafrika gab es Freudentänze und lange Schlangen, weil nach gut zweimonatigem Alkoholverbot im Rahmen der Corona-Restriktionen am Montag der Verkaufsbann für Wein, Bier oder Schnaps aufgehoben wurde. Die meisten Bereiche der Wirtschaft wurden ebenso wie die Schulen wieder vorsichtig geöffnet.

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