Global Peace Index
Wirtschaftliche Folgen der Pandemie bedrohen Frieden

Jedes Jahr begutachtet das Institute for Economics and Peace, wie es um den Frieden in der Welt steht. Fast immer kommen die Experten dabei zu dem Ergebnis, dass es weniger friedlich geworden ist- auch dieses Mal. Zudem verheißt die Coronavirus-Pandemie nichts Gutes.

Mittwoch, 10.06.2020, 16:53 Uhr aktualisiert: 10.06.2020, 16:56 Uhr
Die ökonomischen Auswirkungen der Coronvirus-Pandemie könnten negative Folgen für den Frieden in vielen Ländern haben.
Die ökonomischen Auswirkungen der Coronvirus-Pandemie könnten negative Folgen für den Frieden in vielen Ländern haben. Foto: Andre Penner

London (dpa) - Die ökonomischen Auswirkungen der Coronvirus-Pandemie könnten negative Folgen für den Frieden in vielen Ländern haben. Das geht aus dem am Mittwoch in London veröffentlichten Global Peace Index hervor.

Die Studie der Denkfabrik Institute for Economics and Peace (IEP) bewertet jedes Jahr die Lage in mehr als 160 Ländern der Welt anhand von Kriterien wie beispielsweise Krieg, Terrorismus, Polizeigewalt und Waffenexporten. In diesem Jahr ergänzten die Experten den Bericht zudem um eine Analyse der möglichen Folgen der Coronavirus-Pandemie auf den Frieden in der Welt.

Insgesamt verzeichnete das IEP weltweit einen Rückgang friedlicher Verhältnisse in neun von zwölf der vergangenen Jahren. Das gilt auch für 2019. «Die Welt ist erheblich weniger friedlich, als sie 2008 war», hieß es in dem Bericht. Dabei sei sich aber eine Zweiteilung zu beobachten in Gruppen von je 80 Ländern. Bei der einen Gruppe verbesserte sich die Situation, bei der anderen wurde es schlechter. Während die Todesfälle durch Terrorismus und die Intensität von Konflikten abnehmen, gibt es immer mehr gewaltsame Ausschreitungen.

Die Coronavirus-Pandemie dürfte die Situation weiter verschlimmern, schätzen die Experten. «Das IEP identifiziert die wirtschaftlichen Auswirkungen von Lockdowns als erhebliche Bedrohung für den Frieden», heißt es in dem Bericht. Es müsse mit Kürzungen bei Entwicklungshilfe und bei der Finanzierung von UN-Friedensmissionen gerechnet werden. Das könne anfällige und von Konflikten betroffene Länder wie Liberia, Afghanistan und Südsudan weiter destabilisieren. Zudem seien Staaten wie Brasilien, Pakistan und Argentinien durch wirtschaftliche Turbulenzen einem erhöhten Risiko durch politische Instabilität, Unruhen und Gewalt ausgesetzt.

Der einzig positive Effekt der Coronavirus-Pandemie sei möglicherweise, dass Stellvertreter-Kriege schwieriger zu finanzieren sein könnten, so die Experten. Es bleibe aber abzusehen, ob sich das Engagement Saudi-Arabiens im Jemen oder Russlands in Syrien verringere.

Deutschland stieg auf dem Ranking der friedlichsten Länder um sechs Plätze nach oben seit dem vergangenen Jahr und steht nun an 16. Stelle. Die Schweiz ist unverändert auf dem zehnten Platz und Österreich wie im vergangenen Jahr auf Platz vier. Das dem Index zufolge friedlichste Land der Welt ist Island. An letzter Stelle steht Afghanistan. Die Verbesserung in Deutschland gehe auf eine ganze Reihe von Indikatoren zurück, sagte IEP-Gründer Steve Killelea im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Dazu gehörten eine Abnahme von Waffenexporten, eine geringere Zahl an Tötungsdelikten sowie ein Rückgang terroristischer Vorfälle.

Kritik an der Bundesregierung kam angesichts des deutschen Abschneidens von der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Platz 16 sei «für eine Nation, die keine Feinde hat und eingebettet ist von Partnern, ein eher trostloses Ergebnis», sagte Greenpeace-Abrüstungsexperte Alexander Lurz. Deutschlands Waffenexporte seien ein «massives Problem auf dem Weg hin zu einer friedlicheren Welt». Das Land brauche eine «fundamentale Kehrtwende», damit Kriege der Zukunft verhindert werden könnten.

Auch weltweit ist die Zahl der Toten durch terroristische Angriffe rückläufig. Waren es 2015 noch etwa 33 500, starben im vergangenen Jahr noch 8000 Menschen durch Terrorismus. In 100 Ländern gingen zudem die Militärausgaben im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt zurück, in 133 Staaten sank der Anteil der Militärangehörigen gemessen an der Gesamtbevölkerung.

Eine Zunahme war bei Unruhen zu beobachten. Im Jahr 2019 waren fast 60 Prozent aller Länder von gewaltsamen Protesten betroffen. Die IEP-Experten beobachten hier einen Langzeit-Trend: Die Zahl der Ausschreitungen weltweit hat sich demnach in den vergangenen zehn Jahren beinahe verdreifacht.

Die ökonomischen Kosten von Gewalt und Konflikten im Jahr 2019 bezifferte das Institut weltweit auf 14,5 Billionen US-Dollar (umgerechnet rund 12,8 Billionen Euro).

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