Razzia
500 Beamte im Einsatz: Schleusernetzwerk gesprengt

Sie nannten ihn den «Botschafter»: Ein 65-Jähriger aus Niedersachsen soll Ausländern mit gefälschten Pässen zum Aufenthalt in Deutschland verholfen haben. Jetzt schlug die Polizei zu.

Mittwoch, 01.07.2020, 18:02 Uhr aktualisiert: 01.07.2020, 18:04 Uhr
Einsatzkräfte von Polizei und Zoll auf einer Baustelle in Leipzig.
Einsatzkräfte von Polizei und Zoll auf einer Baustelle in Leipzig. Foto: Hendrik Schmidt

Hannover (dpa) - Die Bundespolizei hat mit mehr als 500 Beamten ein Netzwerk rund um einen mutmaßlichen Schleuser gesprengt, der Ausländern mit gefälschten Stempeln einen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland ermöglicht haben soll.

Drei Menschen wurden festgenommen und 26 Objekte durchsucht. Wie Bundespolizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch in Hannover mitteilten, schlugen die Polizisten in fünf Bundesländern zu. Betroffen waren Niedersachsen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Baden-Württemberg.

Im Zentrum der Ermittlungen steht ein 65 Jahre alter Kosovare aus Niedersachsen, der nach Angaben der Bundespolizei in kriminellen Kreisen seit Jahren als «der Botschafter» bekannt ist. Ihm wird vorgeworfen, ausländische Pässe mit gefälschten Grenzkontrollstempeln versehen zu haben. Den Inhabern der Pässe, überwiegend Albaner, sollte so gegen Geld zu einem illegalen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland verholfen werden.

Dem aus Schneverdingen in der Lüneburger Heide kommendem «Botschafter» werden gewerbsmäßige Urkundenfälschung und Einschleusung von Ausländern vorgeworfen. So hat er nach Angaben der Staatsanwaltschaft die Verlobte eines Auftraggebers aus der Türkei nach Deutschland gebracht, ebenso wie die Mutter und die Schwester eines weiteren aus dem Irak. Der 65-Jährige wurde festgenommen. Die Ermittlungen richten sich aber auch gegen 28 Auftraggeber der Fälschungen. Sie stehen im Verdacht der Anstiftung zur Urkundenfälschung sowie des unerlaubten Aufenthalts.

Unabhängig davon gingen Polizei und Zoll am Mittwoch auch in Sachsen und Sachsen-Anhalt mit einem Großaufgebot gegen Schleuserkriminalität vor. Es ging um den Verdacht des Einschleusens von Ausländern, der Beschäftigung ohne Arbeitserlaubnis und der Urkundenfälschung.

Bei Durchsuchungen auf einer Baustelle in Leipzig sowie in Geschäfts- und Wohnräumen in Bad Dürrenberg im Saalekreis in Sachsen-Anhalt ermittelten die Beamten elf Personen, die sich unerlaubt in Deutschland aufhielten, wie die Bundespolizei mitteilte. Sie sollen sich in einem beschleunigten Verfahren vor dem zuständigen Amtsgericht verantworten. Beim Durchsuchen von Wohnungen in Wurzen bei Leipzig ermittelten die Beamten vier Tatverdächtige, die sich unerlaubt in Deutschland aufhielten.

© dpa-infocom, dpa:200701-99-631917/7

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