Entscheidungshilfe für unentschlossene Wähler
Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl ist online

Berlin -

Gut dreieinhalb Wochen vor der Bundestagswahl ist der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung online gegangen. Wir haben häufig gestellte Fragen zur Entscheidungshilfe und die Antworten darauf zusammengestellt.

Mittwoch, 30.08.2017, 13:59 Uhr aktualisiert: 30.08.2017, 18:53 Uhr
Entscheidungshilfe für unentschlossene Wähler : Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl ist online
Foto: dpa

Wahlberechtigte können über die App ihre politischen Haltungen anhand von 38 Thesen mit denen der Parteien vergleichen. Jeder Nutzer kann die einzelnen Thesen befürworten, ablehnen oder neutral bewerten. Die Parteien können ihre eigenen Haltungen in Seitenfenstern ausführlicher erläutern.

Laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach ist knapp die Hälfte der Wähler noch unentschlossen und will sich erst kurz vor der Bundestagswahl am 24. September entscheiden. Mit dem  Wahl-O-Mat , der am 30. August online gegangen ist, können Wahlberechtigte ihre politische Haltung zu verschiedenen Themen mit den Ansichten der Parteien vergleichen. 

Fragen & Antworten

Wie funktioniert der Wahl-O-Mat?

Beim Wahl-O-Mat muss man weder seinen Namen, noch seine E-Mail-Adresse angeben. Man kann direkt damit starten, 38 Thesen zu bewerten. Die Nutzer können den Thesen zustimmen, sie ablehnen oder eine neutrale Position vertreten.

Falls man das Gefühl hat, eine These nicht bewerten zu können, kann man diese überspringen. Persönlich besonders relevante Themen können doppelt gewichtet werden. Nach Bewertung der Thesen, können bis zu acht Parteien zum Vergleich ausgewählt werden.

Was für Themen werden angesprochen?

Das Konzept des Wahl-O-Mat sieht vor, möglichst viele relevante Themen anzusprechen. Dies sind sowohl die Themen, die aktuell in den Medien diskutiert werden, als auch jene, die nach der Wahl wichtig werden könnten. Aktuell sind dies unter anderem die Diesel-Steuer, Falschmeldungen im Internet und die Ausweitung der Videoüberwachung - aber auch die Rückkehr Deutschlands zu einer nationalen Währung oder eine Erhöhung der Vermögenssteuer. Ein Team aus 26 Jung- und Erstwählern hat die Themen zusammengestellt.

Wie entstehen die Ergebnisse des Wahl-O-Mat?

Genauso wie Nutzer die Thesen beantworten, haben die Parteien die Thesen zuvor beantwortet. Der Wahl-O-Mat analysiert, wie groß die Übereinstimmung der Antworten des Nutzers und der Parteien sind und vergibt Punkte. Als Ergebnis erhält man einen Prozentwert, der die Übereinstimmung zeigt. Außerdem haben die Parteien zu jeder These ausführliche Erläuterungen und Erklärungen abgegeben.  

Wie ist das individuelle Ergebnis einzuschätzen?

Auf der Internetseite der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), die den Wahl-O-Mat betreut, wird er als „Appetitanreger“ für mehr Politik, mehr Wahlthemen und mehr politischer Informationen bezeichnet. Die Hälfte der Nutzer wollen ihre eigenen politischen Positionen und Entscheidung durch den Wahl-O-Mat überprüfen. Ebenso viele lassen sich durch das Programm motivieren, sich weitergehend politisch zu informieren. Ebenso werden potenzielle Nichtwähler motiviert, zur Wahl zu gehen.

Sind die Ergebnisse des Wahl-O-Mat sinnvoll und richtig?

Die Ergebnisse des Wahl-O-Mat hängen stark von den Positionen der Parteien zu den verschiedenen Themen ab. Zur Bundestagswahl 2013 wurde der Wahl-O-Mat über 13 Millionen Mal genutzt. Die Parteien wollen möglichst hohe Übereinstimmungswerte erzielen, wodurch der Wahrheitsgehalt einiger Antworten in Zweifel gezogen werden dürfte.

Besonders extremistische Parteien wie die NPD stehen dabei im Fokus, ihre angegebene Position entsprechend zu verändern. Sollte eine extremistische Partei bei einem Nutzer hohe Übereinstimmungswerte erzielen, lohnt sich ein Blick in die ausführlichen Antworten oder ins Wahlprogramm der Partei.

Dennoch gilt der Wahl-O-Mat als eine sinnvolle Entscheidungshilfe. 90 Prozent der Nutzer, die eine klare politische Positionierung haben, halten den Wahl-O-Mat für treffgenau.

Gibt es Alternativen?

In letzter Zeit hat der Wahl-O-Mat Konkurrenz bekommen: Einem ähnlichem Prinzip folgt der sogenannte „Wahl-Swiper“, der stark an die Dating-App „Tinder“ erinnert. Den Nutzern werden 30 verschiedene Aussagen präsentiert und durch Wischen nach rechts oder links können sie diesen Aussagen zustimmen oder ablehnen. Wie beim Wahl-O-Mat können dabei verschiedene Parteien ausgewählt werden.

Zusätzlich werden zu jedem Thema kurze Erklär-Videos angeboten. Ein anderes System verfolgt die App "deinwal.de". Anstatt die Parteien nach Positionen zu Thesen zu befragen, haben die Macher dieser App das Abstimmverhalten der im Bundestag vertretenen Parteien in der letzten Legislaturperiode analysiert. Hier wird allerdings nur die Übereinstimmung mit vier Parteien verglichen.  

Seit wann gibt es den Wahl-O-Mat?

Vor 15 Jahren, bei der Bundestagswahl 2002, konnte man den Wahl-O-Mat  in Deutschland zum ersten Mal nach Wahlvorschlägen fragen. Seitdem wurde der Wahl-O-Mat insgesamt über 50 Millionen Mal bei Bundestagswahlen, Landtagswahlen und Europaparlamentswahlen benutzt. Deutschland war allerdings nicht Vorreiter des Programms. Schon 1998 konnten die Niederländer ihren Wahl-O-Mat zu Rate ziehen. 

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