Leverkusener Nationalspieler
Rekord-Transfer perfekt: Havertz wechselt zum FC Chelsea

Beim Rekord-Transfer von Kai Havertz war auch Bundestrainer Joachim Löw behilflich. Bayer Leverkusen verliert seinen größten Star, darf sich aber über den höchsten jemals für einen deutschen Profi erzielten Transfererlös freuen.

Freitag, 04.09.2020, 21:40 Uhr aktualisiert: 04.09.2020, 21:43 Uhr
Verabschiedet sich aus der Bundesliga und wechselt zum FC Chelsea: Nationalspieler Kai Havertz.
Verabschiedet sich aus der Bundesliga und wechselt zum FC Chelsea: Nationalspieler Kai Havertz. Foto: Martin Meissner

Stuttgart/London (dpa) - Der Rekordtransfer des Leverkusener Ausnahmetalents Kai Havertz zum FC Chelsea ist perfekt.

Wie der Fußball-Bundesligist am Freitagabend mitteilte, unterschrieb der 21-Jahre alte Nationalspieler bei den «Blues» einen Fünfjahresvertrag. Laut Bayer-Angaben akzeptierte der englische Club die Leverkusener Transferbedingungen, die dem Vernehmen nach bei 100 Millionen Euro gelegen haben sollen. Damit ist Havertz der teuerste deutsche Spieler der Bundesliga-Historie.

«Ich bin seit zehn Jahren im Verein und habe die Hälfte meines Lebens unter dem Bayer-Kreuz verbracht. Ich werde Bayer 04 für immer verbunden bleiben. Aber jetzt sehe ich die Zeit gekommen, etwas Neues zu beginnen», kommentierte Havertz in einer Video-Grußbotschaft an die Bayer-Fans.

Sport-Geschäftsführer Rudi Völler hat keine Zweifel, dass sich Havertz auch beim Spitzenteam aus der Premier League durchsetzen wird. Für ihn ist Havertz «schon jetzt Weltklasse» und «mit Sicherheit einer der Besten, die jemals für Bayer 04 gespielt haben. In den kommenden Jahren wird Kai auch in der extrem fordernden englischen Liga beweisen, welch großartiger Fußballer er ist.»

Am Freitag war das 21 Jahre alte Top-Talent aus dem Quartier der Fußball-Nationalmannschaft in Stuttgart abgereist, um letzte Details in London zu klären. «Wir sind dem Bundestrainer dankbar, dass Kai die Dinge nun mit unserer Unterstützung vor Ort in London klären kann», sagte Völler.

Der Leverkusener Sportchef hatte einen Corona-Rabatt bei der Ablöse zuletzt mehrfach ausgeschlossen. Bis zuletzt verhandelten beide Clubs knallhart. Im Raum steht, dass der vom russischen Investor Roman Abramowitsch alimentierte FC Chelsea zunächst 70 oder 80 Millionen Euro direkt überweist und das restliche Geld unter bestimmten Bedingungen später gezahlt werden soll. Die «Blues», bei denen bereits die Nationalspieler Antonio Rüdiger und Timo Werner unter Vertrag stehen, und Havertz waren sich bereits seit einiger Zeit einig.

Der Rekordtransfer war sowohl für Bayer als auch Havertz so wichtig, dass bereits in den vergangenen Tagen über eine mögliche vorzeitige Abreise des Talents gesprochen worden war. «Ich habe mich darüber mit Oliver Bierhoff und Jogi Löw in den vergangenen Tagen ausgetauscht», bestätige Ex-Bundestrainer Völler. Beim 1:1 der DFB-Elf am Donnerstag gegen Spanien kam Havertz nicht zum Einsatz und fehlt nun auch im nächsten Nations-League-Spiel am Sonntag in Basel gegen die Schweiz.

«Der Spieler war so ein bisschen hin- und hergerissen. Auf der einen Seite wollte er gern zur Nationalmannschaft. Auf der anderen Seite will er auch unbedingt diesen Schritt machen. Wir wissen natürlich auch um die Bedeutung und Größenordnung», erklärte Löw und gab Havertz die Freigabe für die Reise nach England. «Das ist natürlich eine riesen Geschichte», betonte Löw.

Für den deutschen Fußball sei es «auch eine Auszeichnung und Anerkennung, wenn junge deutsche Spieler bei internationalen Top-Vereinen gefragt sind», sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff: «Von der Erfahrung, die diese Spieler im Ausland sammeln - sowohl sportlich als auch hinsichtlich der Persönlichkeitsentwicklung -, kann auch die Nationalmannschaft profitieren.»

Die mit Leverkusen verpasste Qualifikation für die Champions League spielte beim Entschluss von Havertz, den Verein trotz eines Vertrages bis 2022 vorzeitig zu verlassen, nur eine untergeordnete Rolle. Sein Wechsel zu einem europäischen Topclub galt schon länger als ausgemacht. Als Interessenten wurden Real Madrid und der FC Bayern gehandelt, der sein Werben dem Vernehmen nach aufgrund der unsicheren Corona-Zukunft und der hohen Transfersumme jedoch eingestellt hatte.

Chelsea hingegen schreckte die Ablöse trotz der durch die anhaltende Corona-Krise bedingten Einnahmeausfälle nicht ab. Nach den Verpflichtungen von Werner (53 Millionen Euro) von RB Leipzig, Ben Chilwell (50 Millionen/Leicester) und Hakim Ziyech (Ajax Amsterdam/40 Millionen) investieren die «Blues» ein weiteres Mal erstaunlich viel.

Durch den bevorstehenden Wechsel von Havertz, den Völler als «einen Mix aus Michael Ballack und Mesut Özil» bezeichnete, verliert Leverkusen sein größtes Aushängeschild. Der Mittelfeldspieler reifte dort zum auch international geschätzten Star. Bei der Wahl zum besten U21-Spieler Europas des Jahres 2019 wurde er hinter João Félix (Atlético Madrid) und Jadon Sancho (Borussia Dortmund) auf den dritten Platz gewählt. Doch nach 118 Bundesligaspielen (36 Tore) und 13 Pokaleinsätzen für Leverkusen sah er die Zeit für einen Wechsel gekommen.

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