Corona-Pandemie
Spahn mahnt zu ruhigem Silvester

Zum Jahreswechsel sind die Infektionszahlen noch nicht gebremst. Die Regierung mahnt deswegen zu Vorsicht. Große Erwartungen ruhen auf den nun gestarteten Impfungen. Wie schnell können die nächste Lieferungen kommen?

Mittwoch, 30.12.2020, 20:19 Uhr aktualisiert: 30.12.2020, 20:21 Uhr
«Mit der generellen Knappheit zu Beginn müssen alle auch vor Ort umgehen»: Jens Spahn.
«Mit der generellen Knappheit zu Beginn müssen alle auch vor Ort umgehen»: Jens Spahn. Foto: Michael Sohn

Berlin (dpa) - Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat wegen der kritischen Corona-Lage zu ruhigen Silvesterfeiern aufgerufen und steuert nach Protesten beim ersten Impfstoff-Nachschub für 2021 nach.

«Es ist notwendig, dass dieses das wahrscheinlich ruhigste Silvester werden wird, an das sich Deutschland erinnern kann», sagte der CDU-Politiker in Berlin. Er bat für Anlaufschwierigkeiten bei Impfungen um Geduld, der Start sei aber insgesamt gelungen.

Mit dem Hersteller Biontech wurde laut Ministerium vereinbart, dass die nächste Lieferung wie ursprünglich geplant schon nächste Woche kommt - am 8. Januar. Mehrere Bundesländer hatten zuvor gegen eine kurzfristig drohende Lieferlücke in der ersten Kalenderwoche 2021 protestiert.

Spahn versicherte, es werde alles dafür getan, schnellstmöglich so viel Impfstoff für Deutschland zur Verfügung zu haben, wie es gehe. Nach Ministeriumsangaben wurden bis Jahresende wie vorgesehen 1,3 Millionen Dosen an die Länder geliefert - dabei decke eine am Mittwoch erfolgte Lieferung nach Planungen von Biontech auch die erste Januarwoche ab. Nach der Lieferung am 8. Januar solle die nächste am 18. Januar kommen, ab dann vorerst wöchentlich jeweils montags. Dabei würden anfangs etwa 670.000 Dosen pro Woche geliefert.

Mehrere Länder hatten ursprüngliche Ankündigungen kritisiert, wonach erst in der zweiten Kalenderwoche 2021 Nachschub kommen sollte - am 11. Januar. Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) hatte vor «sehr großen Schwierigkeiten» gewarnt, «da wir aufbauend auf diese Zusagen unsere Planungen gemacht haben». Sie bat den Bund, die Lieferung stabiler und zügiger zu organisieren. «Wir können hier nicht alles vorbereiten und dann so eine Bremse bekommen.» Auch Bayerns Ressortchefin Melanie Huml (CSU) hatte es als unverständlich kritisiert, wie «eine komplette Lieferung einfach entfallen kann».

Spahn sagte grundsätzlich zu den Impfungen, es ruckele an manchen Stellen. «Aber die größte Impfkampagne in der Geschichte Deutschlands ist erfolgreich angelaufen.» Er verstehe Ungeduld. Der Impfstoff sei aber zu Beginn weltweit knapp. Man solle nicht vergessen, dass es so schnell in der Pandemie einen Impfstoff gebe. Dies sei Anlass zu Freude. Nach dem ersten zugelassenen Impfstoff seien Zug um Zug mehr Dosen und voraussichtlich auch weitere Impfstoffe zu erwarten.

Mit Blick auf eine Eindämmung der Pandemie bekräftigte Spahn: «Die Infektions- und Todeszahlen zeigen, dass wir von einer Normalität, wie wir sie uns wünschen, noch sehr weit entfernt sind.» Er sehe nicht, «wie wir in dieser Situation zurückkehren können in den Modus vor dem Lockdown, so schwer es fällt.» Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten wollen am 5. Januar erneut beraten - ein Mitte Dezember begonnener Lockdown mit der Schließung auch von Schulen und weiteren Einrichtungen läuft vorerst bis 10. Januar.

Das Robert Koch-Institut (RKI) warnte vor Nachlässigkeit bei Regeln zu Abstand und Maskentragen. Trotz der Impfung müssten sich in den nächsten Monaten alle weiter daran halten und Kontakte einschränken. RKI-Präsident Lothar Wieler sagte mit Blick auf Silvester: «Je weniger intensiv man feiert, desto besser werden wir im Januar dastehen. Und je intensiver Leute feiern, je mehr Menschen sich treffen dort, desto schlechter werden die Zahlen sein.»

Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), Klaus Cichutek, rief dazu auf, sich impfen zu lassen. «Wir haben einen sehr wirksamen Impfstoff, der nach allen Regeln der Kunst geprüft wurde. Haben Sie Vertrauen. Ein kleiner Piks schützt vor einer gefährlichen Infektionskrankheit.»

Die Zahl der gemeldeten Toten in Zusammenhang mit dem Coronavirus überstieg zum ersten Mal die Marke von 1000. Binnen einen Tages übermittelten die Gesundheitsämter 1129 neue Todesfälle, wie das RKI am Mittwochmorgen bekanntgab. Spahn sagte: «1129 Familien werden diesen Jahreswechsel in Trauer erleben.» RKI-Chef Wieler erläuterte, die plausibelste Erklärung für diesen Höchstwert seien verzögerte Meldungen von Todesfällen nach den Feiertagen.

Gemeldet wurden nun außerdem 22 459 Neuinfektionen binnen eines Tages - nach 24 740 am Mittwoch vergangener Woche. In Deutschland gibt es demnach nun 141,3 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen - das Ziel von Bund und Ländern ist ein Niveau von weniger als 50.

© dpa-infocom, dpa:201230-99-848270/9

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