Hochhaus-Brand in London
Scotland Yard weist Spekulationen über terroristischen Hintergrund zurück

London -

(Stand: 15.00 Uhr) Mitten in London brennt ein Hochhaus nahezu völlig aus. Es gibt Tote und Verletzte. Die genaue Zahl dürfte noch länger unklar bleiben. Spekulationen über einen terroristischen Hintergrund wies die Polizei derweil zurück.

Mittwoch, 14.06.2017, 13:43 Uhr aktualisiert: 14.06.2017, 15:00 Uhr
Hochhaus-Brand in London : Scotland Yard weist Spekulationen über terroristischen Hintergrund zurück
Im Zentrum Londons steht seit dem frühen Mittwochmorgen ein 24-stöckiges Hochhaus in Flammen. Foto: dpa

Beim Brand eines Hochhauses im Zentrum Londons sind mindestens sechs Menschen ums Leben gekommen. Die Zahl der Toten dürfte aber noch steigen, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Der Rettungseinsatz werde mehrere Tage dauern. Bis Mittwochmittag waren nach Angaben der Rettungskräfte mehr als 70 Verletzte in Krankenhäuser gebracht worden. Das Feuer war in der Nacht ausgebrochen, am frühen Morgen stand das Gebäude mit mehr als 20 Stockwerken noch lichterloh in Flammen.

Trotz der Katastrophe war das Hochhaus am Vormittag stabil genug, um darin weiter nach eingeschlossenen Menschen zu suchen. Ein Experte überprüfe laufend die Statik des Grenfell Towers, sagte Londons Feuerwehrchefin Dany Cotton. Einsatzkräfte seien bis zum 19., 20. Stockwerk gelangt.

Beschwerden über unzureichenden Brandschutz

Die Ursache des Brands war zunächst unklar. Scotland Yard erklärte auf Anfrage, dass es sich nicht um einen Terroranschlag handle.

Cotton warnte davor, über die Ursache des verheerenden Brandes zu spekulieren. „Wir werden in den kommenden Stunden und Tagen sorgfältig nach dem Grund für dieses Feuer suchen und untersuchen, was passiert ist“, sagte sie. Zu diesem Zeitpunkt sei es aber „falsch“, über die Ursache zu spekulieren. 

Wenn Hochhäuser zur tödlichen Falle werden

Mal ist es Brandstiftung, mal menschliches Versagen - wenn Hochhäuser plötzlich in Flammen stehen, gibt es mitunter keine Rettung mehr. Eine Auswahl:

KARLSRUHE, 2017: 2 Tote. Der Brand bricht in der siebten Etage aus, die Ursache ist zunächst ungeklärt.

DUBAI, 2015: 14 Verletzte. Kurz vor Beginn der Silvesterparty steht die 20. Etage eines Luxushotels in Flammen. Ursache war ein Kurzschluss.

SEOUL, 2015: Mindestens 4 Tote. Berichten zufolge ging das Feuer von einem vor dem Haus abgestellten Motorrad aus.

SHANGHAI, 2010: 58 Tote. Bei Schweißarbeiten setzen Bauarbeiter das Gebäude in Brand. Die Feuerwehr kann 100 Bewohner retten.

LONDON, 2009: 6 Tote. Das Feuer bricht im Treppenschacht des zwölfstöckigen Wohnblocks aus. Kritik gibt es an den Fluchtwegen.

PARIS, 2005: 18 Tote. Der Brand bricht im Eingangsbereich des 18-stöckigen Gebäudes in einem Vorort aus. Teenager hatten gezündelt.

TAICHUNG, 2005: 4 Tote. In einem Restaurant des 178 Meter hohen Gebäudes in Taiwan setzt austretendes Gas den 18. Stock in Flammen. Hunderte entkommen, einige werden mit Hubschraubern gerettet.

...

In dem Hochhaus soll es nach Aussagen von Anwohnern Beschwerden über unzureichenden Brandschutz gegeben haben. Das Gebäude wurde 1974 erbaut und von 2014 bis 2016 für 8,6 Millionen Pfund renoviert.

Bürgermeister Sadiq Khan versprach umfassende Aufklärung. „Es wird im Laufe der nächsten Tage viele Fragen zur Ursache dieser Tragödie geben und ich möchte den Londonern versichern, dass wir dazu alle Antworten bekommen werden.“ Die entsetzlichen Bilder hätten ihn schwer getroffen.

Hochhaus-Brand in London

1/22
  • Im Zentrum Londons steht seit dem frühen Morgen des 14.06.2017 ein 27-stöckiges Hochhaus in Flammen.

    Foto: Matt Dunham
  • Das Feuer reiche vom zweiten Stock bis ganz nach oben des 27-stöckigen Gebäudes

    Foto: Uncredited/Celeste Thomas @MAMAPIE/AP/dpa
  • Berichten zufolge befanden sich noch Menschen in dem Wohnkomplex.

    Foto: Matt Dunham
  • Die Feuerwehr war eigenen Angaben zufolge mit 200 Leuten und 40 Löschfahrzeugen im Einsatz.

    Foto: Matt Dunham
  • Die BBC berichtet, es gebe Befürchtungen, das Gebäude könnte einstürzen.

    Foto: Ray Tang
  • Im Grenfell Tower sind 120 Apartments untergebracht.

    Foto: Matt Dunham
  • Die Feuerwehr berichtet von mehreren Toten, zudem gab es etliche Verletzte.

    Foto: Matt Dunham
  • Die Polizei warnte: Die Gegend nordwestlich vom Hyde Park solle gemieden werden.

    Foto: Frank Augstein
  • Das ganz Gebäude habe in relativ kurzer Zeit in Flammen gestanden, sagte eine Frau am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in London

    Foto: Uncredited/dpa
  • Nach Angaben einer Augenzeugin war es unmöglich, den um Hilfe schreienden Menschen im brennenden Hochhaus zu helfen.

    Foto: Matt Dunham
  • Die Rettungskräfte sind im Großeinsatz und kämpfen gegen die Flammen.

    Foto: Rick Findler
  • Bei dem Brand eines Hochhauses im Zentrum Londons sind mehrere Menschen ums Leben gekommen. Das teilte die Feuerwehr am Mittwoch in London mit.

    Foto: Matt Dunham
  • „Unsere Gedanken sind bei allen Betroffenen“, teilte die Londoner Ambulanz am Mittwochmorgen mit.

    Foto: Rick Findler
  • Karte mit der Lage des Grenfield Towers.

    Foto: dpa-infografik GmbH
  • Feuerwehrleute ruhen sich am Rande der Löscharbeiten zu dem in Flammen stehenden Hochhaus aus. Sie kämpfen seit ca. 1 Uhr Nachts gegen die Flammen.

    Foto: Guilhem Baker
  • Trotz der Feuerkatastrophe in dem Londoner Hochhaus halten die Einsatzkräfte das Gebäude derzeit für stabil genug, um weiter darin nach möglicherweise eingeschlossenen Menschen zu suchen.

    Foto: Rick Findler
  • Zahlreiche Trümmerteile sind vor dem ausgebrannten Hochhaus zu sehen.

    Foto: Matt Dunham
  • Feuerwehrleute bei den Rettungsarbeite.

    Foto: Matt Dunham
  • Händler und Besucher des Borough Markets, einer der ältesten Lebensmittelmärkte Londons, bei einer Schweigeminute für die Opfer des Hochhausbrandes.

    Foto: Nick Ansell
  • Ein Feuerwehrmann inspiziert eine Etage des ausgebrannten Hochhauses.

    Foto: Rick Findler
  • Menschen bringen Getränke und Lebensmittel zu den vom Hochhausbrand betroffenen Bewohnern.

    Foto: Jonathan Brady
  • Forensiker gehen über eine Grünfläche in der Nähe des ausgebrannten Hochhauses. Ausgebrannte Teile des Hochhauses liegen auf der Wiese.

    Foto: Rick Findler

Die Einsatzkräfte waren nach eigenen Angaben innerhalb von sechs Minuten am Ort des Geschehens. Der erste Notruf sei um 00.54 Uhr (Ortszeit) eingegangen, hieß es in einem Statement der Feuerwehr. Die Crews arbeiteten „unter extrem schwierigen Bedingungen, um Menschen zu retten und den Großbrand unter Kontrolle zu bekommen“. Im Einsatz waren den Angaben nach 200 Feuerwehrkräfte und 40 Löschfahrzeuge.

Die Polizei twitterte, zahlreiche Verletzte würden behandelt. In dem Apartmenthaus mit 120 Wohnungen sollen viele Familien mit Kindern gelebt haben. Einwohner wurden gebeten, die Gegend nordwestlich vom Hyde Park zu meiden. Eine Schule in der Nähe des brennenden Gebäudes blieb geschlossen.

Menschen sprangen aus brennendem Hochhaus

Augenzeugen hatten in der Nacht auf Twitter von Schreien berichtet. Menschen seien aus dem brennenden Gebäude gesprungen. Trümmerteile flogen aus dem Gebäude, wie ein dpa-Reporter berichtete. Hin und wieder knallte es in dem Gebäude. Die Polizei riegelte alle Wege hermetisch und weiträumig ab.

Khan sprach von einem „bedeutenden Vorfall“ - eine Bezeichnung der britischen Behörden für eine Lage, die besondere Vorkehrungen durch einen oder mehrere Rettungsdienste erfordert.

Mehrere Notfallzentren eingerichtet

Nach Angaben des Stadtbezirks Kensington und Chelsea wurden Notfallzentren eingerichtet, etwa in einer Kirche und einem Sportzentrum. Dort werde Bewohnern geholfen, die die Gegend verlassen mussten und noch nicht in ihr Zuhause zurück könnten, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Bewohner verteilten Sandwiches. Der Fußballverein Fulham rief dazu auf, zum Beispiel Kleidung und Spielzeug zu organisieren.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4927199?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686136%2F2686186%2F
Nachrichten-Ticker