Oktoberfest
Entspannte Wiesn mit etwas mehr Besuchern

Flanierwiesn, «scheene» Wiesn, zurück zu den Wurzeln - so lobt die Festleitung das Oktoberfest. Natürlich gibt es die üblichen Grapschereien, Maßkrugschlägereien und «Bierleichen» - aber sonst ist alles geordnet und entspannt. Selbst ein Blitzeinschlag stört nicht.

Montag, 25.09.2017, 07:26 Uhr aktualisiert: 25.09.2017, 07:28 Uhr
Ausgelassene und friedliche Stimmung auf dem Oktoberfest.
Ausgelassene und friedliche Stimmung auf dem Oktoberfest. Foto: Tobias Hase

München (dpa) - Die Gäste kommen, die Wiesn läuft. Das Münchner Oktoberfest lockt wieder mehr Besucher an als im Vorjahr. Nach einem nasskalten Auftakt kamen bei mildem Herbstwetter bis zur Halbzeit rund drei Millionen Menschen auf das Volksfest, wie Festleiter Josef Schmid (CSU) am Sonntag berichtete.

Sie kamen mit Appetit und verspeisten bislang 60 Ochsen sowie 21 Kälber. Insgesamt könne wohl wieder die Zahl von sechs Millionen Besuchern erreicht werden. 2016 waren bedingt durch mieses Wetter und Terrorsorgen nur 5,6 Millionen gekommen.

Es sei eine entspannte, friedliche und ruhige, eine «scheene» Wiesn, sagte Schmid. Weniger Gedränge als in früheren Jahren, seltener überfüllte Bierzelte: Eine «Flanierwiesn» sei es, eine «Wiesn, auf der für alle Platz ist». Auch eine Wiesn wie früher, als die Eltern im Bierzelt saßen, die Kinder hinausgehen konnten zum Karussellfahren und dann auch zu den Eltern zurückkonnten. «Wir haben eine Wiesn, die zurückkehrt zu ihren Wurzeln - wie ich es als Kind gekannt habe.»

Am Wochenende herrschte auf der Theresienwiese praktisch Normalzustand: In den Fahrgeschäften kreischten die Gäste, aus den Festzelten schallten Gassenhauer. Auch die Bayern feierten am Samstag - obwohl es nach dem ernüchternden 2:2 gegen die Wolfsburger eigentlich nichts zu feiern gab. Selbst das kurze Unwetter am Sonntagabend störte die Wiesnbesucher kaum: In eines der Festzelte auf der Oidn Wiesn war ein Blitz eingeschlagen. Dank des vorgeschriebenen Blitzableiters wurde niemand verletzt, der Betrieb konnte regulär weitergehen. Auf der Theresienwiese waren lediglich einige Straßen wegen des heftigen Regengusses überspült.

Die Polizei verzeichnete mit den gestiegenen Besucherzahlen auch wieder mehr Einsätze. Rund 920 Mal mussten die Beamten ausrücken, gut acht Prozent mehr als im Vorjahr. Dennoch sei die Wiesn so sicher wie kaum ein anderer Ort, sagte der Pressesprecher der Münchner Polizei, Marcus da Gloria Martins. «Es gibt keine Gemeinde in Deutschland, die sicherer ist als das Oktoberfest.» Am Freitag hatten die Beamten in ihrem Twitter-Marathon berichtet, 2016 seien 1110 Straftaten registriert worden - macht 0,0002 Straftaten pro Wiesnbesucher.

Ein Anstieg der Drogendelikte auf der Wiesn - meist ging es um Marihuana - erkläre sich auch durch verschärfte Kontrollen und bessere Videoüberwachung, sagte da Gloria Martins. Es könne keine Rede sein von einer «Rauschgiftwiesn». Die Steigerung der Sexualdelikte auf 34 (Vorjahr 17) hänge wiederum nicht zuletzt mit einem geänderten Strafrecht sowie der höheren Sensibilität zusammen, Delikte anzuzeigen.

Auch die Sanitätsstation des Roten Kreuzes berichtete von einem normalen Verlauf. Die Helfer mussten wie stets vor allem Schürfwunden, Schnittverletzungen und Alkoholvergiftungen behandeln. Schnittverletzungen nahmen etwas ab - eine «Nebenwirkung» der Einlasskontrollen. Denn damit geraten weniger Flaschen aufs Gelände. Die Helfer mussten sich auch weniger als in Vorjahren um Jugendliche im Vollrausch kümmern: Vier waren es dieses Jahr, 2015 waren es acht.

Auf eine nicht immer ganz brave Wiesn lassen freilich die Gegenstände schließen, die im Wiesn-Fundbüro abgegeben wurden, darunter zwei Eheringe mit Gravur. Es gebe «immer bestimmte Verdachtsmomente, wenn die Eheringe abgelegt und dann vergessen würden», meinte Schmid.

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