Pläne für das neue Jahr
Gute Vorsätze: Warum sie scheitern und wie man sie schafft

Bremen -

Neujahrsvorsätze werden schnell gefasst - und ebenso schnell wieder aufgegeben. Wieso eigentlich? Psychologen habe eine Erklärung.

Sonntag, 31.12.2017, 12:59 Uhr aktualisiert: 31.12.2017, 13:13 Uhr
Jedes Jahr zu Silvester fassen wir aufs Neue gute Vorsätze: Mehr Sport ist vorne mit dabei.
Jedes Jahr zu Silvester fassen wir aufs Neue gute Vorsätze: Mehr Sport ist vorne mit dabei. Foto: Marijan Murat

Jedes Jahr zu Silvester fassen wir aufs Neue gute Vorsätze: Mehr Sport, gesünder essen, mehr Zeit für Freunde und Familie. Aber bei vielen Menschen wird dann doch nichts draus - der innere Schweinehund ist einfach stärker.

«Unser Gehirn ist auf Gewohnheitsbildung trainiert», sagt der Berliner Psychoanalytiker Hans-Werner Rückert. Wer den alltäglichen Trott durchbrechen will, muss sich anstrengen.

Geht es allen Menschen so?

Gute Vorsätze nicht durchzuhalten, ist sehr menschlich. Das beweist auch ein Blick auf die Geschichte: «Menschen nehmen sich seit jeher etwas vor und scheitern daran», sagt die Gesundheitspsychologin Sonia Lippke von der Bremer Jacobs University. Davon habe schon Aristoteles vor mehr als 2000 Jahren berichtet. «Studien zeigen, dass nur 30 Prozent der Vorsätze eine realistische Chance haben, sich zu verstetigen.» Nach drei Wochen geben die ersten ihre Pläne schon wieder auf. Nach einem halben Jahr ist nur noch die Hälfte dabei.

So werden die guten Geister in anderen Ländern des Kontinents beschworen

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  • Neues Jahr, neues Glück

    Mit roter Wäsche, Walzer und Weintrauben - so fantasievoll feiern unsere Nachbarn den Jahreswechsel. In Deutschland gelten ja Bleigießen, Marzipanschweinchen und Böller als Inbegriff von Silvester. In anderen europäischen Ländern wird dagegen getanzt, gesprungen und geschlagen. Wir stellen einige Bräuche unserer Nachbarländer vor. 

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  • Schottland - Whisky von dunkelhaarigen Männern

    In Schottland wird Hogmanay gefeiert. Am Silvesterabend ziehen junge Männer - natürlich im Kilt - durch die Straßen und klopfen an die Türen. Idealerweise haben sie ein Stück Black Bun - ein Früchtebrot - und dazu Kohle, Shortbread, Salz und selbstverständlich Whisky dabei. Je kürzer nach Mitternacht sie über die Schwelle treten, desto mehr Glück bringen sie. Das Ganze wird 'first footing' genannt und idealerweise gehört der erste Fuß zu einem dunkelhaarigen Mann, da bei Entstehung des Brauchs die meisten Ärger bringenden Fremden blond (Wikinger) waren.

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  • Österreich - Im Walzerschritt ins neue Jahr

    Österreich begrüßt das neue Jahr beschwingt mit einem Walzer. Auf vielen großen Plätzen in Österreichs Städten ertönt Walzermusik und es wird dazu getanzt. Die große 'Pummerin', die Glocke vom Wiener Dom, gibt um Mitternacht das Startzeichen dazu. Auf dem Land ziehen Neujahrssänger von Haus zu Haus und segnen Hof und Bewohner. Dafür erhalten sie kleine Geschenke.

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  • Griechenland - allerlei Glücksspiel und Geld im Brot

    Mit etwas Glück kann man als Grieche zu Silvester schon für das neue Jahr ausgesorgt haben. Oder eben auch nicht. Das Glücksspiel in jeder Form hat beim griechischen Jahreswechsel Tradition. Wem das noch nicht genügt, der isst ein Stück 'Balisiusbrot' und hofft, die mitgebackene Münze darin zu finden (und nicht an ihr zu ersticken).

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  • Dänemark - Runter von den Stühlen

    Bei den meisten Dänen beginnt der Silvesterabend mit der Ansprache der Königin gegen 18 Uhr. Dann wird im Familien- und Freundeskreis erst einmal ausgiebig getafelt. Nach einem gehaltvollen Mahl, gerne bestehend aus Stockfisch, Aquavit und "Kransekage", einer Art Baumkuchen, werden kurz vor Mitternacht Stühle bestiegen. Beim letzten Glockenschlag wird gemeinsam zu Boden gesprungen. Wohl dem, der vor Mitternacht noch etwas sparsam mit dem Aquavit war.

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  • Bulgarien - frisch geschlagen ins Neue Jahr

    An Silvester gibt's in Bulgarien Schläge. Traditionell mit der Neujahrsrute aus den Stängeln der Kornelkirsche, der "Surwatschka". Sie wird mit selbstgemachtem Backwerk und Papierschmuck verziert, und dann ziehen die "Surwakari", meist Kinder, mit ihr von Haus zu Haus, um den Bewohnern damit auf den Rücken zu klopfen. Das soll Glück, Reichtum und Gesundheit bringen.

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  • Polen - Fenster auf und Mohn im Schuh

    In Polen wird an Silvester gefeiert wie in den meisten anderen Ländern, gemeinsam mit Freunden bei einem guten Essen. Besonders ist, dass am letzten Tag des Jahres nicht geputzt werden sollte, um das Glück nicht zu verscheuchen. Um Mitternacht gibt es dann viel zu tun: Alle Türen im Haus müssen geöffnet werden, damit die guten Geister eintreten können. Zum Zeichen für den Neuanfang werden auch noch alle Uhren im Haus aufgezogen. Frauen, die noch auf der Suche nach dem Richtigen sind, streuen sich Mohn in den Schuh. Der Mohn steht für die Anzahl der Verehrer.

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  • Spanien - Fiesta mit zwölf Weintrauben

    Natürlich ist in Spanien auch Silvester Grund genug für eine Fiesta und ein ausgiebiges Mahl. Es sollte jedoch unbedingt Platz für zwölf Weintrauben bleiben. Zu jedem mitternächtlichen Glockenschlag muss eine verspeist werden, ohne sich zu verzählen oder zu verschlucken. Dann hat ein goldener Ring ins Champagnerglas zu gleiten, denn auch das soll Glück bringen. Erst anschließend darf geprostet werden. Für das neue Jahr sind damit hoffentlich alle Weichen gestellt.

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  • Ungarn - nur kein Geflügel

    In Ungarn beginnt der Jahreswechsel für Hühner, Puten und Enten generell gut. Sie stehen keinesfalls für ein Silvestermenü auf der Karte. Der Volksglaube sagt, mit ihren Flügeln trügen sie das Glück davon oder verscharrten es gar unauffindbar. Fische fallen ebenfalls unter Generalverdacht - sie könnten damit davonschwimmen. Dafür wird viel Schweinernes gegessen, das ist solide und steht für Gesundheit und Wohlstand. An Neujahr wird bevorzugt das getan, was man das ganze Jahr gerne tun würde.

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  • Italien - Rote Wäsche, Schweinsfüße und Linsen

    In Italien nimmt man ein mehrgängiges Festmahl und dann noch Linsen und Schweinsfuß zu sich - all das möglichst in roter Unterwäsche. Dann kann der so Bekleidete dem neuen Jahr zuversichtlich entgegenblicken. Die Linsen stehen für den materiellen Wohlstand, der Schweinsfuß für die Gesundheit. Und die rote Wäsche? Das muss hoffentlich nicht erklärt werden. In Rom sollte sie jedenfalls spätestens zum traditionellen Neujahrsschwimmen im Tiber verschwunden sein

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Wieso ist das so schwer?

Viele Menschen machen sich vorher keine Gedanken darüber, welche Folgen ein Lebenswandel hat und was sie unternehmen, wenn Schwierigkeiten auftauchen. Rückert räumt guten Vorsätzen zum neuen Jahr deshalb keine großen Chancen ein. «Das ist wie ein Ritual - quasi das Bleigießen für die Seele.» Ähnlich sieht es auch der Psychologe Frank Wieber von der Universität Konstanz. «Am Ende des Jahres wird Resümee gezogen, und man fühlt sich verpflichtet einen Vorsatz zu fassen. Wenn man nicht wirklich dahinter steht, scheitert man.»

Wieso fassen wir dann immer wieder Vorsätze fürs neue Jahr?

Generell mögen Menschen Stichtage für einen Neuanfang: den Jahreswechsel, den Geburtstag oder den Wochenanfang. «Suchanfragen bei Google zum Rauchenaufhören steigen am Montag», sagt Wieber.

Wie schafft man es, einen guten Vorsatz durchzuhalten?

Wieber empfiehlt eine Methode, die in der Wissenschaft mentales Kontrastieren mit Wenn-dann-Plänen oder WOOP heißt. Dabei nimmt man sich erstens ein Ziel für einen konkreten Zeitraum vor und stellt sich zweitens die schönsten Ergebnisse vor, sollte sich das erfüllen. In einem dritten Schritt überlegt man, was einen davon abhalten könnte. Danach legt man fest, wie man auf diese Hindernisse reagiert.

Den Erfolg der Methode hat Wieber mit Kollegen in einer Studie mit Menschen erforscht, die weniger Fleisch essen wollten. Zu Beginn informierte das Team diese über die negativen Folgen von übermäßigem Fleischkonsum. Ein Teil der Untersuchungsteilnehmer nutzte die oben genannte Methode. Das Ergebnis: Ihnen fiel es leichter, ihr Ziel in die Tat umzusetzen als den anderen Teilnehmern.

Was sollte man dabei beachten?

Die Strategie, wie man seine Vorsätze erreichen will, schreibt man nach Ansicht von Rückert am besten ganz altmodisch mit einem Stift auf ein Blatt Papier. «Es ist neurologisch erwiesen, dass das Gehirn mehr Areale aktiviert, wenn man mit der Hand schreibt als wenn man tippt», sagt der Psychoanalytiker. «Dadurch entsteht ein komplexeres Konstrukt.»

Wie schafft man es, dran zu bleiben?

Neben einem guten Plan erhöhe Flexibilität die Aussichten auf Erfolg, hat Lippke festgestellt, die seit 20 Jahren zu Verhaltensveränderungen forscht. Sprich: Wenn es zum Beispiel zu stark schneit, um zu joggen, geht man alternativ auf den Heimtrainer oder ins Schwimmbad. «Sonst macht der innere Schweinehund sofort einen Strich durch die Rechnung.»

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