Di., 28.08.2018

Greenpeace-Untersuchung Großstädte investieren wenig in sicheren Radverkehr

Im vergangenen Jahr kamen in Deutschland 382 Fahrradfahrer bei Verkehrsunfällen ums Leben.

Im vergangenen Jahr kamen in Deutschland 382 Fahrradfahrer bei Verkehrsunfällen ums Leben. Foto: Silas Stein

Berlin/Münster - 

Zwischen 2,30 Euro und 5 Euro pro Einwohner und Jahr geben die sechs größten Städte in Deutschland laut Studie für sicheren Radverkehr aus. Zum Vergleich: Im dänischen Kopenhagen sind es 35,60 Euro. Münster wird dagegen als Vorreiter in der Greenpeace-Erhebung genannt.

Von dpa/wn

Die sechs größten deutschen Städte investieren aus Sicht des Umweltverbandes Greenpeace viel zu wenig Geld in einen sicheren Radverkehr.

Zehn Mal weniger Verkehrsunfälle

Demnach gab keine der sechs größten deutschen Städte im Durchschnitt der vergangenen Jahre mehr als 5 Euro pro Kopf und Jahr für den Radverkehr aus - Städte wie Amsterdam und Kopenhagen dagegen investierten seit Jahrzehnten ein Vielfaches dessen. Dort werde deutlich mehr Rad gefahren, gleichzeitig verunglückten Radfahrende etwa zehnmal seltener. Das zeigt eine am Dienstag veröffentlichte Untersuchung des Umweltverbandes.

Skandinavien und Niederlande investieren am meisten

Greenpeace hat für die Untersuchung die öffentlichen Haushalte der sechs größten deutschen Städte Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt am Main und Stuttgart unter die Lupe genommen. Demnach gab im Durchschnitt der vergangenen Jahre Stuttgart 5 Euro pro Kopf und Jahr für den Radverkehr aus, Berlin 4,70 Euro und Frankfurt 4,30 Euro. Danach kommen Hamburg mit 2,90 Euro, Köln mit 2,80 Euro und München mit 2,30 Euro. Zum Vergleich: In Amsterdam sind es laut Greenpeace 11 Euro, in Kopenhagen sogar 35,60 Euro.

Vorreiter Münster, Karlsruhe und Freiburg

Als Positivbeispiele nennen die Studienmacher Karlsruhe, Münster und Freiburg. Diese Städte seien Vorreiter, weil sie unter anderem "subjektives Sicherheitsempfinden berücksichtigen". Der Lohn sei ein hoher Radverkehrsanteil. Auch Berlin unternehme derzeit einen großen Schritt in die richtige Richtung und hebe seine Investitionen von 2,40 Euro pro Einwohner und Jahr auf 14 Euro an.

Mit Pro-Kopf-Investitionen in der Größenordnung von 100 Euro könnten deutsche Städte ihren enormen Rückstand in der Radinfrastruktur aufholen, so Greenpeace. Der Verband verwies auch auf Rad-Unfälle.

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Zahl der tödlichen Unfälle bleibt konstant

Wie das Statistische Bundesamts im Juli mitgeteilt hatte, kamen in Deutschland im vergangenen Jahr 382 Fahrradfahrer bei Verkehrsunfällen ums Leben. Während die Zahl der Verkehrstoten insgesamt zwischen 2010 und 2017 um 13 Prozent sank, blieb die Zahl der tödlich verunglückten Radfahrer nahezu konstant. Besonders schwere Folgen haben Unfälle mit Lastwagen.

«Die Bundesregierung muss Geld bereitstellen, damit Menschen mit dem Rad künftig sicher durch die Stadt kommen», sagte Greenpeace-Verkehrsexpertin Marion Tiemann. Bis zu 30 Prozent aller Autofahrten in Ballungsgebieten ließen sich auf das Fahrrad verlagern. Etwa die Hälfte der mit dem Auto zurückgelegten Wege sei kürzer als fünf Kilometer. Die Bedeutung des Rads im Verkehrsaufkommen steige kontinuierlich.

Der Radverkehr könne enorm helfen, die Verkehrs- und Luftprobleme vieler Städte zu lösen. Dafür müssten Radwege breiter und Kreuzungen für Radfahrende sicherer gestaltet werden. Unsicherheit sei ein Hauptgrund, weshalb Menschen nicht häufiger das Rad nutzten.



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