Día de los Muertos
Buntes Papier für die Toten Mexikos

Während des Tages der Toten wehen in ganz Mexiko bunte «Papeles Picados» auf den Straßen - bunte Girlanden aus ausgestanztem Papier. Im Süden von Mexiko-Stadt stellt ein Familienbetrieb die Handwerkskunst seit mehr als vier Jahrzehnten her.

Donnerstag, 25.10.2018, 10:29 Uhr aktualisiert: 25.10.2018, 10:34 Uhr
Am Tag der Toten wehen in ganz Mexiko die bunten Girlanden.
Am Tag der Toten wehen in ganz Mexiko die bunten Girlanden. Foto: Gerardo Vieyra

Mexiko-Stadt (dpa) - Die Straßen am Rande von Xochimilco im Süden der mexikanischen Hauptstadt sind staubig. Lediglich der Schriftzug «Papel Picado» am unverputzten Haus der Familie Torres y Cordero weist darauf hin, dass hier inmitten von Reifenhändlern und Werkstätten das ganze Land in bunte Farben getaucht wird.

Alberto Torres y Cordero streicht mit seiner Hand über ein königsblaues Papier und erinnert sich: «Während meines Lehramtsstudiums hat ein Professor uns Papier und Schere hingelegt. Dass ich heute mit Papier arbeite, ist diesem Zufall zu verdanken.»

«Papel Picado», so heißen die ausgestanzten Seidenpapiere, die zu allen wichtigen Feiertagen in dem lateinamerikanischen Land die Straßen schmücken. So auch in diesen Tagen vor dem wichtigsten aller Feiertage, an dem Mexiko wieder seiner Verstorbenen gedenkt, dem «Día de los Muertos» - dem Tag der Toten.

Vor 40 Jahren hat der 81-jährige Torres y Cordero seinen Betrieb gegründet. Aus Büchern hat er sich die Handwerkskunst, die ihren Ursprung in China hat und im 19. Jahrhundert nach Mexiko exportiert wurde, selbst beigebracht. Seine Faszination für die Arbeit mit dem Seidenpapier war so groß, dass er sich entschied, seinen Beruf als Lehrer aufzugeben, um sich voll und ganz dem Handwerk zu widmen.

Zusammen mit seiner Frau Bernardina Alfaro López hat er einen Familienbetrieb mit Kunden in der ganzen Welt aufgebaut. Die Grenzen zwischen Betrieb und Familienleben sind fließend. Während im zweiten Stock die «Papeles» bearbeitet werden, wird im Erdgeschoss zum gemeinsamen Mittagessen gerufen.

Dem Erfolg hat das keinen Abbruch getan. Für die deutsche Botschaft in Mexiko-Stadt hat er bereits den Bundesadler in Papier gestanzt. Heute leitet seine Tochter das Alltagsgeschäft. Die übrigen sieben Kinder haben sich für andere Karrieren entschieden, sind Ingenieure oder Biologin geworden. Zu den insgesamt 25 Mitarbeitern zählen auch Neffen und Nichten. Sie arbeiten als «Picadores», was sich wörtlich mit «Ausstechern» übersetzen lässt. Und so tönt durch die Werkstatt ein sanftes und regelmäßiges Pochen, denn die «Picadores» stechen die Entwürfe hier noch per Hand mit Hammer und Meißel aus.

Guadalupe Herrera arbeitet seit über zehn Jahren als «Picadora»: «Je nachdem wie schwierig ein Design ist, brauche ich circa eine Stunde für 90 Papiere», sagt sie. Ungefähr 5000 Papiere schaffen die insgesamt neun «Picadores» in einer Woche. Wie in so vielen anderen Bereichen, wird aber auch das «Papel Picado» mittlerweile vermehrt industriell hergestellt.

Mit den hohen Stückzahlen kann der Familienbetrieb nicht mithalten. Alberto Torres y Cordero macht sich um die Zukunft seines Betriebs trotzdem keine Sorgen: «Wir können individuell auf die Kunden eingehen, deswegen sind die Fabriken mit ihren Standarddesigns keine Konkurrenz für uns.» Er könne jeden noch so ungewöhnlichen Wunsch realisieren - vom Bundesadler bis zu sich zuprostenden Totenköpfen.

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