Keine deutschen Opfer
Über 170 Tote bei Flugzeugabsturz im Iran

Inmitten der militärischen Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran stürzt nahe Teheran ein Passagierflugzeug ab. Ob ein Zusammenhang besteht, ist zunächst unklar. Alle Insassen wurden getötet. Deutsche waren nach ersten Erkenntnissen nicht an Bord.

Mittwoch, 08.01.2020, 19:21 Uhr aktualisiert: 08.01.2020, 19:24 Uhr
Rauchende Trümmer einer Turbine der ukrainischen Passagiermaschine am Absturzort.
Rauchende Trümmer einer Turbine der ukrainischen Passagiermaschine am Absturzort. Foto: Mahmoud Hosseini

Teheran/Kiew (dpa) - Eine ukrainische Passagiermaschine ist kurz nach dem Start unweit der iranischen Hauptstadt Teheran abgestürzt. Dabei kamen am Mittwochmorgen nach Angaben der Behörden im Iran und in der Ukraine mehr als 170 Menschen ums Leben.

Die Bundesregierung dementierte eine Twitter-Nachricht des ukrainischen Außenministers Wadim Pristaiko, dass es auch drei Todesopfer aus Deutschland gebe. «Wir haben derzeit keine Erkenntnisse, nach denen sich deutsche Staatsangehörige unter den Opfern des Flugzeugabsturzes in Iran befinden», hieß es aus dem Auswärtigen Amt. Die Absturzursache war unklar.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb bei Facebook: «Schreckliche Nachrichten aus dem Nahen Osten». Nach Angaben der Behörden in Kiew und Teheran saßen 176 Menschen in der Boeing 737. Zwei Passagiere hätten den Flug nicht angetreten. Zunächst war unklar, ob sie auf der Liste der Flugreisenden aufgelistet waren.

Nach Angaben des ukrainischen Außenministers stammten die Opfer aus sieben verschiedenen Ländern. 82 seien Iraner gewesen, 63 stammten aus Kanada. Unter den Opfern seien auch Briten, Schweden, Ukrainer und Afghanen. Kiew veröffentlichte die Passagierliste.

Die Maschine der Ukraine International Airlines mit der Flugnummer PS752 war um kurz nach 05.00 Ortszeit gestartet. Sie hätte gegen 08.00 Uhr Ortszeit in der ukrainischen Hauptstadt Kiew landen sollen. Das Flugzeug stürzte nach ersten Erkenntnissen kurz nach dem Abflug aus etwa 2400 Metern Höhe auf ein offenes Feld nahe dem Teheraner Vorort Parand. Rettungskräfte bargen später die Leichen.

Die iranische Luftfahrtbehörde führte den Crash auf einen technischen Defekt zurück, wie der iranische Nachrichtensender Chabar unter Berufung auf einen Sprecher der Behörde berichtete. Wie diese so kurz nach dem Absturz am Mittwochmorgen zu dieser Einschätzung gelangte, blieb zunächst offen. Irans Präsident Hassan Ruhabi forderte später eine lückenlose Aufklärung.

Das US-Außenministerium forderte eine «umfassende Zusammenarbeit» bei der Untersuchung zur Absturzursache. «Die USA werden diesen Vorfall weiterhin genau verfolgen.» Washington sei bereit, der Ukraine jede mögliche Hilfe anzubieten.

Kanadas Ministerpräsident Justin Trudeau versprach den Angehörigen der vielen Opfer aus seinem Land Aufklärung. «Unsere Regierung wird weiterhin eng mit ihren internationalen Partnern zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass dieser Absturz gründlich untersucht und die Fragen der Kanadier beantwortet werden», ließ er mitteilen.

Der Präsident der ukrainischen Fluglinie sagte in Kiew: «Es war eines unserer besten Flugzeuge, mit einer ausgezeichneten zuverlässigen Mannschaft.» Das Flugzeug sei 2016 angeschafft und erst am Montag ohne Beanstandungen überprüft worden. Die Ukraine will nun selbst zu dem Absturz Ermittlungen einleiten. Staatspräsident Selenskyj betonte: «Wir müssen allen möglichen Versionen nachgehen.»

Boeing reagierte kurz nach dem Absturz mit einem Tweet: «Uns sind die Medienberichte aus dem Iran bekannt und wir tragen gerade mehr Informationen zusammen.»

Weltweit gab es Anteilnahme. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach allen Angehörigen der Getöteten ihr «tiefstes Beileid» aus. Es sei jetzt die Aufgabe von Flugsicherheitsfachleuten, die Absturzursachen zu untersuchen und so Antworten zu der schrecklichen Tragödie zu geben. Auch Papst Franziskus sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus. UN-Generalsekretär António Guterres ließ über einen Sprecher erklären, er sei «zutiefst betrübt».

Am Kiewer Flughafen Boryspil gedachten am Abend Dutzende Angehörige und Mitarbeiter der Fluggesellschaft Ukraine International Airlines mit Windlichtern und Blumen der Opfer.

Kurz nach den iranischen Raketenangriffen auf Militärstützpunkte im Irak in der Nacht zum Mittwoch hatte die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA US-Flugzeugen die Nutzung des Luftraums in Teilen des Nahen Ostens untersagt. Über dem Persischen Golf, dem Golf von Oman, dem Irak und dem Iran dürften in den USA registrierte Maschinen «wegen erhöhter militärischer Aktivitäten und steigender politischer Spannungen» nicht mehr fliegen, hieß es. Es gebe ein erhöhtes Risiko, dass ein Flugobjekt falsch identifiziert werde.

Die Ukraine untersagte nach dem Absturz Flüge nach Teheran. Die Lufthansa will ihre Flüge in den Iran an diesem Donnerstag wieder aufnehmen. Der Anflug auf die Stadt sei sicher, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Den Flug am Mittwoch hatte die Fluggesellschaft nach den iranischen Raketenangriffen auf Militärstützpunkte im Irak vorsorglich gestrichen.

Ob ein Zusammenhang zwischen dem Absturz der ukrainischen Maschine und der militärischen Eskalation des Konflikts zwischen dem Iran und den USA besteht, war zunächst völlig unklar.

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