Harte Sanktionen
Empörung nach illegaler Massenparty in Frankreich

Am Silvesterabend treffen sich Tausende Feierwütige in Frankreich trotz der Corona-Regeln, um Party zu machen. Die Ordnungskräfte sind schnell vor Ort. Doch erst nach anderthalb Tagen findet die Fete ein Ende. Für viele Gäste hat die Party Konsequenzen.

Samstag, 02.01.2021, 14:12 Uhr aktualisiert: 02.01.2021, 14:14 Uhr
Polizisten notieren die Personalien von Jugendlichen nach dem Abbruch einer Party in einem in der Nähe gelegenen Hangar etwa 40 km südlich von Rennes.
Polizisten notieren die Personalien von Jugendlichen nach dem Abbruch einer Party in einem in der Nähe gelegenen Hangar etwa 40 km südlich von Rennes. Foto: Jean-Francois Monier

Rennes (dpa) - Eine riesige Party mit Tausenden Gästen, wenig Abstand und kaum Masken: Trotz der Corona-Pandemie haben in Frankreichs Nordwesten etwa 2500 Menschen illegal Silvester gefeiert und die Ordnungskräfte gut anderthalb Tage in Atem gehalten.

Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin schrieb am Samstag auf Twitter von harten Sanktionen, die der Rave nach sich ziehen soll.

Der Präfektur Ille-et-Vilaine zufolge wurden fünf Menschen festgenommen und 1200 gebührenpflichtige Verwarnungen ausgesprochen. Sie seien vor allem für Verstöße gegen die Maskenpflicht und die nächtliche Ausgangssperre sowie die illegale Teilnahme an einer Versammlung erteilt worden. Innenminister Darmanin teilte mit, dass in dem Fall erste Untersuchungen laufen.

Bereits am frühen Donnerstagabend waren südlich der bretonischen Stadt Rennes mehr und mehr junge Leute auf einem Gewerbegelände zusammengekommen. Auch Gäste aus anderen französischen Départements und sogar aus dem Ausland zog es der Präfektur zufolge zu dem stillgelegten Hangar in Lieuron. Ordnungskräfte versuchten demnach, die Party zu stoppen, und sahen sich der Gewalt einiger Feiernder gegenüber. Drei Gendarme wurden bei dem Einsatz verletzt.

Stundenlang waren die Ordnungskräfte auf dem Gelände im Einsatz. Sie sicherten die Umgebung ab und verteilten Desinfektionsmittel und Masken. Noch vor Mitternacht wurde der Zugang zu der Party gestoppt, wie Innenminister Darmanin schrieb. Die Abfahrt von Autos sei kontrolliert, die Verwarnungen systematisch ausgesprochen worden. Wie die französische Nachrichtenagentur AFP berichtete, hatten aber auch am Freitagabend noch immer etliche Menschen auf dem Rave gefeiert.

Erst am Samstagmorgen fand die illegale Party dann ein Ende. Wie französische Medien berichteten, wurde der Ton am frühen Morgen gekappt, die Anlage abgebaut. Am Vormittag teilte die nationale Gendarmerie dann auf Twitter mit, dass die Fete zu Ende gegangen war. Laut Präfektur war das Gelände gegen 10 Uhr unter Kontrolle der Einsatzkräfte.

Wegen der Corona-Pandemie gelten in Frankreich strenge Kontaktbeschränkungen. Laut einer Regierungsempfehlung sollten sich auch am Silvesterabend nicht mehr als sechs Erwachsene zuhause treffen. Eine nächtliche Ausgangssperre untersagt zudem das Verlassen des Hauses zwischen 20.00 Uhr und 6.00 Uhr ohne triftigen Grund.

Die Pandemie hat Frankreich mit seinen knapp 67 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern hart getroffen. Mehr als 64 700 Menschen starben, etwa 2,6 Millionen Menschen infizierten sich mit dem Coronavirus.

In der angespannten Gesundheitssituation sorgte die illegale Massenparty für Empörung. Der Abgeordnete Florian Bachelier schrieb auf Twitter, die Versammlung «beschämt unser Land, unsere Pflegekräfte, die seit Monaten im Einsatz sind, unsere Toten». Auch die Abgeordnete Aurore Bergé äußerte auf Twitter: «Es kann nicht sein, dass eine Handvoll Menschen uns für ihre Inkonsequenz bezahlen lassen» und forderte systematische Kontrollen und Verwarnungen.

Neben der Entrüstung löste das Riesenevent auch Sorgen vor zahlreichen neuen Ansteckungen mit dem Coronavirus aus. Die bretonische Gesundheitsbehörde forderte die Partygäste auf, sich sofort zu isolieren und sich testen zu lassen. In Lieuron wurde ein Testzentrum eingerichtet, wie die Präfektur schrieb. Man ermuntere Teilnehmer der illegalen Fete, die Teststelle aufzusuchen.

© dpa-infocom, dpa:210102-99-874613/3

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