Automanager in Haft
Anwalt: Carlos Ghosn könnte bald auf Kaution freikommen

Seit mehr als drei Monaten sitzt der Automanager Carlos Ghosn in Japan in Untersuchungshaft. Zwei Mal schon wies ein Gericht den Antrag auf Freilassung auf Kaution zurück. Ghosns neuer Staranwalt ist optimistisch, dass es beim dritten Mal klappt.

Montag, 04.03.2019, 18:25 Uhr aktualisiert: 04.03.2019, 18:28 Uhr
Der 64-jährige Ghosn hat Nissan vor der Pleite gerettet und zusammen mit Renault und Mitsubishi eine mächtige internationale Autoallianz geschmiedet.
Der 64-jährige Ghosn hat Nissan vor der Pleite gerettet und zusammen mit Renault und Mitsubishi eine mächtige internationale Autoallianz geschmiedet. Foto: Michel Euler

Tokio (dpa) - Der Anwalt des in Japan inhaftierten Automanagers Carlos Ghosn hält eine baldige Freilassung des einstigen Chefs der Allianzpartner Renault und Nissan auf Kaution für möglich.

Er glaube, dass Ghosn «in naher Zukunft» freikommen könnte, sagte Junichiro Hironaka vor Journalisten. Über seinen entsprechenden Antrag auf Freilassung hat das Gericht noch nicht entschieden.

Der 64-jährige Ghosn, der Nissan vor der Pleite gerettet und zusammen mit Renault und Mitsubishi eine mächtige internationale Autoallianz geschmiedet hatte, war am 19. November in Tokio wegen Verstoßes gegen japanische Börsenauflagen festgenommen und später angeklagt worden. Zudem soll er laut japanischer Staatsanwaltschaft private Investitionsverluste auf Nissan übertragen haben.

Einen Termin für einen Prozess gegen Ghosn, der am 9. März 65 Jahre alt wird, gibt es noch nicht. Nachdem das Gericht zwei Mal Anträge auf Freilassung gegen Kaution abgelehnt hatte, wechselte Ghosn seinen japanischen Anwalt aus. Daraufhin übernahm der Staranwalt Hironaka die Verteidigung von Ghosn. Der in Japan als «Rasierer» bekannte Jurist hat schon mehrmals prominente Angeklagte in Japan vertreten und häufig Freisprüche erreicht.

Er glaube, dem Gericht einen überzeugenden Antrag auf Freilassung vorgelegt zu haben, erklärte Hironaka. So sei sein Mandant bereit, dass er nach seiner Freilassung unter anderem mit Überwachungskameras beobachtet wird. Hironaka vertritt die Ansicht, dass die Vorwürfe gegen Ghosn konzernintern bei Nissan hätten geklärt werden müssen. Die Vorgänge seien Managern bei Nissan schon seit zehn Jahren bekannt. Es stelle sich daher die Frage, warum jetzt plötzlich die Staatsanwaltschaft eingeschaltet worden sei, so Hironaka. Der Fall Ghosn sei «sehr eigenartig».

Ghosn hat vor Gericht jegliches Fehlverhalten abgestritten und vermutet einen Komplott gegen ihn. Nissan und Mitsubishi hatten Ghosn kurz nach dessen Verhaftung als Verwaltungsratschef gefeuert. Bei Renault war Ghosn später zurückgetreten. Auch der französische Konzern leitete Untersuchungen zu möglichen Unregelmäßigkeiten ein und will diese bis zum Frühjahr abschließen.

Hironaka kritisierte zudem das japanische Justizsystem. Die langen Inhaftierungen seien unfair. Davon seien vor allem jene betroffen, die - wie Ghosn - darauf bestehen, unschuldig zu sein. Kritiker sprechen von einer «Geisel-Justiz» in Japan. «Wir müssen Herrn Ghosns Freispruch erzielen und das Vertrauen der internationalen Gemeinschaft in Japan wiederherstellen», sagte Ghosns neuer Anwalt.

Ghosn Familie hat sich unterdessen wegen mutmaßlicher Menschenrechtsverletzungen im Gefängnis an die Vereinten Nationen gewandt. In dem Gefängnis, in dem Ghosn untergebracht ist, herrschten «mittelalterliche» Bedingungen, es gebe stundenlange Verhöre, sagte der Anwalt der Familie, François Zimeray, in Paris. Die Verteidigung sei nicht in der Lage, ein faires Verfahren vorzubereiten. Außerdem sei das Licht in der Zelle Tag und Nacht eingeschaltet. Ghosns Frau Carole hatte die Haftbedingungen ihres Mannes jüngst in einem Interview scharf kritisiert.

Daher habe man sich nun an die Arbeitsgruppe für willkürliche Inhaftierung der Vereinten Nationen gewandt, so Zimeray. Dieses UN-Gremium existiert seit 1991. Unabhängige Menschenrechtsexperten untersuchen dort Fälle willkürlicher Verhaftung oder Inhaftierung.

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