Plus auf anderen Märkten  
Chinas Exporte steigen überraschend  

Seit Mitte vergangenen Jahres liefern sich China und die USA einen heftigen Handelsstreit - was sich in rückläufigen Ex- und Importen niederschlägt. Dennoch legen die Ausfuhren Pekings insgesamt zu.

Donnerstag, 08.08.2019, 11:24 Uhr aktualisiert: 08.08.2019, 11:26 Uhr
In einem chinesischen Hafen werden Container verladen.
In einem chinesischen Hafen werden Container verladen. Foto: Yu Fangping

Peking (dpa) - China überrascht trotz des seit mehr als einem Jahr andauernden Handelskriegs mit den USA und einer sich eintrübenden Weltkonjunktur mit steigenden Exporten.

Im Juli kletterten die Ausfuhren der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,3 Prozent auf 221,5 Milliarden US-Dollar (199 Mrd. Euro). Das geht aus den am Donnerstag veröffentlichten Zahlen der Pekinger Zollbehörde hervor. Für das unerwartet starke Plus war ein robuster Handel mit anderen Staaten verantwortlich. Die Importe blieben dagegen schwach und gingen um 5,6 Prozent zurück.

Dagegen hat der Handelskrieg wie erwartet drastische Auswirkungen für Exporteure in den USA und China. Im Juli gingen Chinas Einfuhren aus den USA erneut um 19 Prozent zurück, die Ausfuhren sanken um 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. In den ersten sieben Monaten des Jahres brach der Handel zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt demnach um 13,4 Prozent ein. 

Peking versucht schon länger, im Außenhandel die Abhängigkeit vom US-Markt zu reduzieren. Gute Geschäfte in anderen Märkten würden im derzeitigen Konflikt als «Polster wirken», schrieb Betty Rui Wang von der australischen ANZ-Bank. So legte das Handelsvolumen mit Chinas südostasiatischen Nachbarn der Asean-Gemeinschaft etwa um 15,6 Prozent zu, EU-Staaten handelten mit China 6,5 Prozent mehr als im Juli des Vorjahres. 

Eine weitere Verschärfung des Konflikts zwischen Peking und Washington dürfte nach Ansicht von Ökonomen dennoch deutliche Auswirkungen auf die beiden größten Volkswirtschaften und die gesamte Weltwirtschaft haben. Beide Staaten liefern sich seit mehr als einem Jahr einen erbitterten Handelskrieg. Auslöser war die Verärgerung von US-Präsident Donald Trump darüber, dass China weit mehr in die USA exportiert als umgekehrt. 

Er fordert eine Beseitigung von Marktschranken, kritisiert die Verletzung von Urheberrechten, zwangsweisen Technologietransfer und staatliche Subventionen Chinas. Seither hat Trump die Hälfte der Importe aus China mit 25-prozentigen Sonderzöllen belegt. China reagierte wiederum mit Gegenzöllen. 

Im neuesten Eskalationsschritt kündigte Trump an, ab September sämtliche Einfuhren Chinas mit Strafzöllen belegen zu wollen. China reagierte mit einem Kaufstopp von US-Agrarprodukten. Zudem ließ die chinesische Zentralbank eine Abwertung der Landeswährung Yuan zu, was chinesische Exporteure begünstigt, da Ausfuhren billiger werden - wodurch Unternehmen einen Teil der Zolllasten kompensieren können.

Nachdem der Yuan Anfang der Woche deutlich gegenüber dem US-Dollar gefallen war, betrachtete Trump dies als weitere Provokation - die USA warfen Peking offiziell Währungsmanipulation vor. An den Märkten weltweit besteht die Sorge, China könnte seine Währung als Waffe im Handelskonflikt einsetzen. Inzwischen beruhigte sich die Lage etwas, zuletzt legte der Yuan zum US-Dollar etwas zu. Ein globaler Abwertungswettlauf bei Währungen hätte erhebliche negative Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

Offensiv fiel auch die Reaktion chinesischer Staatsmedien aus. Die USA seien dabei, «die internationale Ordnung absichtlich zerstören», schrieb die offizielle Zeitung der Kommunistischen Partei diese Woche in einem Leitartikel. Die USA hätten einen «ungerechtfertigten» Handelskrieg mit einem «falschen Gegner zur falschen Zeit» angezettelt. China verfüge über einen schnell wachsenden Inlandsmarkt und ein enormes Entwicklungspotenzial. Die USA stünden dagegen vor einer «politischen Klippe». Washington werde nun lernen, «nicht unbesiegbar» zu sein. 

Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow betonte nach der jüngsten Eskalation, dass die USA weiter offen für Gespräche seien. «Die Tür für zusätzliche Verhandlungen ist offen», sagte Kudlow am Dienstag in Washington. Die nächste Verhandlungsrunde im Handelsstreit ist für September in den USA geplant. 

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