Kalt und regnerisch
Schlechtes Wetter: Honigernte im Frühjahr halbiert sich

Rund eine Million Honigbienen-Völker gibt es in Deutschland, die Nachfrage nach heimischem Honig ist hoch. Nun dürfte das Angebot erst einmal sinken. Doch Besserung ist schon in Sicht.

Samstag, 17.08.2019, 10:20 Uhr aktualisiert: 17.08.2019, 10:24 Uhr
Schleches Wetter hat deutschen Imkern die Frühjahrsernte vermasselt.
Schleches Wetter hat deutschen Imkern die Frühjahrsernte vermasselt. Foto: Patrick Pleul

Mayen/Wachtberg (dpa) - Deutschlands Imker haben in diesem Frühjahr deutlich weniger Honig eingeholt als zuvor.

Im Schnitt brachte jedes abgeerntete Bienenvolk in der Frühtracht 15,1 Kilo Honig ein und damit mehr als ein Viertel weniger als vor einem Jahr, damals waren es 21,0 Kilo. Das ergab eine Umfrage des Fachzentrums Bienen und Imkerei aus Mayen in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Imkerbund, an der bundesweit 8604 Imker teilgenommen hatten.

Wie schlecht die Lage war, sieht man auch an einem anderen Teil der Statistik: In Erwartung mickriger Ergebnisse hatte jeder dritte Imker auf die Ernte verzichtet und den Honig im Bienenstock gelassen. Vor einem Jahr war die Lage besser, damals hatten fast alle Umfrage-Teilnehmer geerntet. Bezogen auf alle Völker - also auch die ohne Ernte - lag der Honigschnitt sogar nur bei 10,3 Kilo und damit bei der Hälfte des Vorjahreswerts.

Christoph Otten von dem Fachzentrum begründete die Einbußen mit schlechtem Wetter. «Es war kalt und regnerisch, weswegen viele Pflanzen sich nicht so gut entwickelt haben und weniger Nektar hatten.» Zudem seien die Bienen weniger umhergeflogen als bei schönem Wetter. Die Einbußen trafen besonders den Süden und Westen Deutschlands. In Baden-Württemberg verzichteten fast zwei Drittel (62 Prozent) auf die Ernte und ließen den Honig in den Bienenstöcken.

Der 61 Jahre alte Imkermeister Christoph Koch aus dem badischen Oppenau berichtete von einem der schwierigsten Jahre seiner Imkerlaufbahn. Er habe «fast nichts geerntet». Nur 1975 sei noch mieser gewesen. Allerdings sei sein Lager von dem sehr guten Jahr 2018 noch gut gefüllt. Schwankungen bei der Erntemenge seien Imker gewohnt. Jochen Dörr vom Imkerverband Rheinland-Pfalz bewertete die Ernte als «sehr schlecht». Norbert Pusch als dem westfälischen Iserlohn zählt zu den Imkern, die auf die Ernte verzichtet haben: «Das hat sich nicht gelohnt.»

Ob die deutschen Imker wegen knapper Bestände ihre Preise auf Wochenmärkten und anderswo anheben, ist noch unklar - Branchenexperte Otten geht nicht davon aus. Für das Gesamtjahr ist er durchaus optimistisch - nach der Frühtracht läuft bis September noch die Sommertracht-Ernte, hier sieht es besser aus. «Vielerorts war es sonnig und warm, die Bienen waren sehr aktiv.» Daher sei davon auszugehen, dass die Honigernte insgesamt in diesem Jahr gar nicht so schlecht ausfallen werde.

In Deutschland gibt es rund 100.000 Imker, die allermeisten machen das als Freizeit- oder Nebenbeschäftigung. Es gibt schätzungsweise rund eine Million Honigbienen-Völker in Deutschland. Der Anteil des süßen Saftes von heimischen Bienen am Honigkonsum in Deutschland liegt nur bei grob gesagt einem Drittel, wichtige Importstaaten sind Rumänien, Mexiko und Brasilien.

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