Einigung in Tarifgesprächen
Gebäudereiniger bekommen mehr Lohn-Zuschläge und mehr Urlaub

Ungewöhnlich hart wurde um die Arbeitsbedingungen der Gebäudereiniger gerungen. Am Ende stehen zwar höhere Zuschläge für viele Beschäftigte, aber ein wichtiges Thema wurde vertagt.

Freitag, 18.10.2019, 17:42 Uhr aktualisiert: 18.10.2019, 17:44 Uhr
Ein spezialisierter Glas- und Gebäudereiniger putzt in 27 Metern Höhe ein Dach.
Ein spezialisierter Glas- und Gebäudereiniger putzt in 27 Metern Höhe ein Dach. Foto: Robert Michael

Frankfurt/Main (dpa) - Nach sieben Verhandlungsrunden und etlichen Warnstreiks steht der Rahmentarifvertrag für die rund 650.000 Gebäudereiniger in Deutschland.

Die IG Bauen-Agrar-Umwelt einigte sich mit den Arbeitgebern unter anderem auf höhere Lohnzuschläge und mehr Urlaub. Die zentrale Forderung nach einem Weihnachtsgeld wurde hingegen auf die Gehaltsverhandlungen im kommenden Jahr vertagt, wie beide Seiten am Freitag berichteten.

Die Beschäftigten erhalten vorerst als «Weihnachts-Bonus» in diesem und im kommenden Jahr Silvester oder Heiligabend als bezahlten Arbeitstag frei.

Die ebenfalls hart umstrittenen Überstundenzuschläge werden - wie von den Arbeitgebern gefordert - erst ab der neunten Arbeitsstunde pro Tag fällig. Viele Teilzeitbeschäftigte gehen so leer aus, wie die IG BAU zuvor immer wieder kritisiert hatte. Sie sollen einen Anspruch auf die Anpassung ihrer Arbeitsverträge bekommen, wenn sie regelmäßig 15 Prozent länger arbeiten müssen als eigentlich vorgesehen.

Die Überstundenregelung war der eigentliche Grund, warum die Arbeitgeber den Rahmentarif gekündigt hatten, weil sie nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts den Zuschlag auch an Teilzeitbeschäftigte mit kürzer vereinbarten Arbeitszeiten hätten zahlen müssen. Dies wird nun mit der Achtstundenregelung vermieden. Dazu erklärte der Verhandlungsführer des Bundesinnungsverbandes, Christian Kloevekorn: «Besonders wichtig ist uns, dass wir das Urteil des Bundesarbeitsgerichts integriert haben.» Der Zuschlag beträgt 25 Prozent.

Die IG BAU kündigte spürbar mehr Geld im Portemonnaie der Gebäudereiniger, Glas- und Industriereiniger an: Neben der Überstundenvergütung wurden höhere Zuschläge für Arbeit in der Nacht wie auch an Sonn- und Feiertagen vereinbart. Außerdem soll es ab 2021 für alle Beschäftigten einen einheitlichen Urlaub von 30 Tagen auf Vollzeitbasis geben - egal, wie lange die Beschäftigten schon in der Branche tätig sind. Für die Industriereiniger wurde ein pauschaler Zuschlag von 75 Cent pro Stunde vereinbart.

«Zum Schluss haben alle unsere Mitarbeiter mehr Geld in der Tasche über die Zuschlagsregelungen und den Weihnachtsbonus», sagte IG-BAU-Chef Robert Feiger der Deutschen Presse-Agentur. Bei den Verhandlungen über den Lohntarifvertrag im kommenden Jahr werde auch das Thema Weihnachtsgeld wieder auf den Tisch kommen, erklärte Feiger. Der bislang ungekündigte Lohntarifvertrag läuft bis Jahresende 2020. Die aktuelle Einigung steht noch unter dem Vorbehalt, dass die Gremien von Gewerkschaft und Innung zustimmen.

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