Rabatt-Aktion lockt Käufer
Black-Friday-Preisnachlässe häufig eher bescheiden

Düsseldorf -

Noch hat das Weihnachtsgeschäft gar nicht richtig begonnen, da lockt der Handel schon mit Sonderangeboten. Zahllose Rotstiftaktionen sollen am Black Friday die Kauflust der Verbraucher wecken. Doch die Sache hat ein paar Haken.

Freitag, 22.11.2019, 10:12 Uhr aktualisiert: 22.11.2019, 16:35 Uhr
Immer mehr Online-Händler machen aus dem Rabatt-Festival Black Friday am 29. November eine ganze Sonderangebotswoche - oder gar einen Black-Friday-Monat.
Immer mehr Online-Händler machen aus dem Rabatt-Festival Black Friday am 29. November eine ganze Sonderangebotswoche - oder gar einen Black-Friday-Monat. Foto: Lisa Ducret

Ein Schnäppchentag ist nicht genug: Immer mehr Online-Händler machen aus dem Rabatt-Festival Black Friday am 29. November eine ganze Sonderangebotswoche oder gar einen Black-Friday-Monat. Hauptsache, die Kauflust der Kunden wird angestachelt.

Kleiner Wermutstropfen dabei: Eine aktuelle Preisstudie zeigt, dass die Preissenkungen an den Rabatttagen oft gar nicht so spektakulär sind wie von den Kunden erhofft.

Black-Friday-Woche und -Monat

Einer der Vorreiter bei der immer längeren Schnäppchenjagd ist Amazon. Der US-Internetgigant lockt in diesem Jahr erstmals gleich mit einer ganzen Black-Friday-Woche, die schon sieben Tage vor dem eigentlichen Schnäppchentag beginnt. Amazon ist nicht allein: Die Elektronikhandelskette Saturn lädt zum Black Weekend ein und der Online-Möbel-Verkäufer Home24 wirbt seit Anfang November gar mit einem ganzen Black Month, also einem ganzen Rabattmonat, um Kunden.

«Rabattanlässe sind sehr wichtig für den Handel», erklärt Stefan Hertel vom Handelsverband Deutschland (HDE). Durch Rabattaktionen könnten die Händler auf sich aufmerksam machen und neue Kunden gewinnen.

Beeindruckende Teilnahmequoten

Tatsächlich zeigt der Reklame-Rummel Wirkung: Nach einer Umfrage der Unternehmensberatung PwC wollen mehr als zwei Drittel der deutschen Verbraucher (71 Prozent) in diesem Jahr den Black Friday oder den unmittelbar folgenden Cyber Monday zum Shoppen nutzen. Andere Umfragen kommen auf etwas niedrigere, aber immer noch beeindruckende Teilnahmequoten. Der HDE rechnet an beiden Rabatttagen mit Umsätzen von zusammen rund 3,1 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr wäre das eine Steigerung um 22 Prozent. Ein Großteil der Schnäppchenjagd findet online statt, doch auch in den Einkaufsstraßen und Shopping-Centern wird es am 29. November viele Sonderangebote geben.

Rückgabe- und Umtauschrecht

Manchmal verleiten die Schnäppchenpreise zu vorschnellen und unüberlegten Kaufentscheidungen. Was bei einem eventuellen Umtausch der reduzierten Ware zu beachten ist: 

  • Oft sind die rabattierten Waren mit dem Hinweis versehen, dass diese vom Umtausch ausgeschlossen seien. Das ist aber nicht ganz richtig, erklärt der Verbraucher-Informationsservice des Versicherers Arag. Der Händler müsse Ware zurücknehmen, wenn sie fehlerhaft ist – egal ob reduziert oder nicht. Wenn eine Preisreduzierung allerdings ausdrücklich mit "Ware mit kleinen Fehlern“, „2. Wahl“ oder „Fehlfarben“ begründet wird, könnten Kunden sich später nicht auf den Fehler an der Ware berufen. 
  • Wenn Kunden fehlerhafte Ware reklamieren, könnten sie auch bei Gegenständen, die zu einem reduzierten Preis gekauft wurden, bis zu zwei Jahre nach dem Kauf Nachbesserung verlangen. Möglich sei eine solche Nachbesserung, indem der Händler die Ware repariert beziehungsweise reparieren lässt oder die Ware neu liefert. Alternativ sei auch denkbar, dass der Verkäufer den Kaufpreis noch einmal mindert. 
  • Gekauft ist gekauft. Es gibt kein generelles Rückgaberecht. Ein Händler muss einmal verkaufte, mangelfreie Ware nicht zurücknehmen. Manche tun es trotzdem. Sie kommen ihren Kunden entgegen und nehmen Ware zurück, etwa weil sie eine gute Kundenbeziehung nicht gefährden wollen.
  • Von der Regel gibt es aber auch Ausnahmen. Wenn Konsumenten im Online-Shop kaufen, haben sie grundsätzlich ein Widerrufsrecht von 14 Tagen, egal, welchen Grund sie für die Rücksendung haben. Es reicht die rechtzeitige Absendung des Widerrufs vor Fristablauf. Bei der 14-Tages-Frist zählt übrigens jeder Tag. Sonn- und Feiertage werden mitgerechnet. Fällt das Fristende auf einen Samstag, Sonntag oder Feiertag, tritt an dessen Stelle der nächste Werktag. Es gibt aber auch Ausnahmen von der Ausnahme. Das sind zum Beispiel schnell verderbliche Lebensmittel, extra für einzelne Kunden angefertigte Waren und Musik-CDs und DVDs, bei denen die Versiegelung entfernt wurde. Zudem sollten Konsumenten den Arag-Experten zufolgen darauf achten, dass die Ware einwandfrei ist. Sonst kann der Händler möglicherweise einen Wertersatz fordern. 
  • Kunden sollten es sich gut überlegen, wenn sie am Black Friday eine App kaufen. Zwar gilt das Widerrufsrecht grundsätzlich auch beim Kauf von unkörperlichen digitalen Inhalten, wie etwa Apps oder Software; der Händler kann das Widerrufsrecht aber laut Gesetz mit Zustimmung des Käufers zum Erlöschen bringen, was viele Anbieter auch tun. Manche Anbieter bieten immerhin eine kostenlose Stornierung innerhalb einer bestimmten Frist an. Die Einzelheiten stehen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Eine fehlerhafte App muss der Verkäufer dagegen umtauschen, denn Nutzer haben auch hier einen Gewährleistungsanspruch von zwei Jahren. Haben Kunden versehentlich eine falsche App geladen, können sie versuchsweise mit dem Kundenservice verhandeln und den Umtausch genau begründen, schlagen die Arag Experten vor.
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Preisnachlässe häufig eher bescheiden

Allerdings sind die Preisnachlässe am Black Friday laut einer Studie des Preisvergleichsportals Idealo trotz aller vollmundigen Ankündigungen häufig eher bescheiden. Die Markenbeobachter hatten im vergangenen Jahr rund um den Black Friday die Preisentwicklung bei mehr als 2500 Produkten beobachtet. Das Ergebnis: Drei Viertel der Produkte waren am Schnäppchentag zwar günstiger als in den vier Wochen davor. Doch lag die durchschnittliche Preisersparnis in den 50 wichtigsten Produktkategorien lediglich bei sechs Prozent. Nur jedes siebte überprüfte Produkt verdiente mit einer Preisreduzierung um mindestens 20 Prozent wirklich den Namen Schnäppchen.

Wer richtig günstig einkaufen wolle, müsse vor allem flexibel sein, raten die Marktbeobachter. Wer nicht auf ein bestimmtes Modell, eine gewünschte Ausstattung oder Farbe festgelegt sei, erhöhe seine Chancen deutlich. Die Verbraucherzentrale rät den Bundesbürgern, bei der Schnäppchenjagd auf jeden Fall einen kühlen Kopf zu bewahren. Preisvergleiche in Suchmaschinen könnten sich mehr lohnen als Sonderangebote am Aktionstag.

Ein zweischneidiges Schwert für Händler

Für den Handel sind die Schnäppchentage zu Beginn der Weihnachtssaison ohnehin ein zweischneidiges Schwert. Denn Verkaufserfolge am Rabatt-Tag bedeuten nicht unbedingt auch ein gutes Weihnachtsgeschäft.

Etliche Händler haben diese Lektion in den vergangenen Jahren schmerzhaft lernen müssen. So war der Black Friday 2017 für die Elektronikketten Media Markt und Saturn zwar der umsatzstärkste Tag in der Unternehmensgeschichte. Doch dieser Erfolg kam die Ketten teuer zu stehen. Das folgende Weihnachtsgeschäft verlief deutlich schlechter als erhofft, weil offenbar viele Kunden den Rabatttag genutzt hatten, um sich schon mit Weihnachtsgeschenken einzudecken. Unter dem Strich machte der Elektronikhändler im wichtigen Weihnachtsgeschäft am Ende deutlich weniger Gewinn als erwartet.

Pauschale Rabatte ein No-Go

«Ein wichtiger Teil der Umsätze an Black Friday und Cyber Monday sind nicht etwa Mehrumsätze, sondern gezielte und verschobene Käufe», sagt denn auch Nina Scharwenka, Handelsexpertin bei der Unternehmensberatung Simon-Kucher. Die Händler müssten deshalb bei den Preissenkungen sehr gezielt agieren, «um die Profitabilität des gesamten Jahres nicht zu gefährden». Pauschale Rabatte wie «30 Prozent auf alles» seien ein No-Go.

Nach einer Studie des Instituts für Handelsforschung (IfH) in Köln, nutzen fast zwei Drittel der Online-Shopper, die am Black Friday zuschlagen, den Anlass auch schon für Weihnachtseinkäufe.

Geliebt oder ungeliebt: Verschwinden wird der Black Friday wohl nicht mehr - im Gegenteil. In absehbarer Zeit könnte es noch mehr solcher «künstlichen» Rabattanlässe geben. In den USA finden Verbraucher neben dem klassischen Black Friday Ende November auch schon eine Frühlingsversion des Schnäppchen-Tages: den Black Friday Spring. 

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