Angst vor dem Virus
Fahrgastzahlen in Bussen und Bahnen brechen ein

Die Bahn nehmen oder doch lieber das Auto? Für viele Menschen ist die Entscheidung aus Angst vor dem Coronavirus klar. Mit der Pandemie geht die Zahl der Fahrgäste in Bussen und Bahnen zurück - die Erholung dürfte lange dauern.

Mittwoch, 13.05.2020, 11:45 Uhr aktualisiert: 13.05.2020, 13:34 Uhr
Eine Frau mit Mundschutz steigt in eine Berliner S-Bahn ein.
Eine Frau mit Mundschutz steigt in eine Berliner S-Bahn ein. Foto: Soeren Stache

Wiesbaden (dpa) - In der Corona-Krise haben viel weniger Menschen in Deutschland Busse und Bahnen genutzt.

Da Verkehrsunternehmen Verbindungen einschränkten und Menschen aus Furcht vor Infektionen fernblieben, gingen die Fahrgastzahlen im ersten Quartal um elf Prozent zurück, schätzte das Statistische Bundesamt.

Die Wiesbadener Behörde hat dafür die Daten einiger großer Verkehrsfirmen ausgewertet und mit dem Vorjahreszeitraum verglichen. Nach Jahren steigender Fahrgastzahlen in Bussen und Bahnen könnte die Corona-Pandemie nun den Aufwärtstrend zumindest vorerst beenden.

Besonders stark fielen demnach die Fahrgastzahlen im Eisenbahnnahverkehr einschließlich S-Bahnen. Hier erwarten die Statistiker laut der vorläufigen Zahlen ein Minus von 15 Prozent zum Vorjahreszeitraum.

Im Straßenbahnverkehr, zu dem Stadtbahnen, Hoch- und U-Bahnen sowie Schwebebahnen zählen, sowie im Busverkehr sanken die Fahrgastzahlen um 9 Prozent. Für den Eisenbahnfernverkehr, wo im ersten Quartal 2019 fast 35 Millionen Fahrgäste unterwegs waren, errechneten die Statistiker nun einen Rückgang von 13 Prozent. Detaillierte Ergebnisse wollen sie im Juni vorlegen.

Der öffentliche Nah- und Fernverkehr war lange im Aufwind: 2019 nutzten im Schnitt mehr als 32 Millionen Fahrgäste am Tag die Linienverbindungen von Bussen und Bahnen. Seit 2004, dem ersten Jahr mit vergleichbaren Daten, kletterten die Passagierzahlen im öffentlichen Nah- und Fernverkehr stetig. Die Deutsche Bahn etwa verbuchte 2019 im Fernverkehr den fünften Fahrgastrekord in Folge.

Die Bundesregierung will für den Klimaschutz die Schiene fördern: Bahn und Bund haben als Ziel vereinbart, bis 2030 die Fahrgastzahl zu verdoppeln, um mehr Menschen für den Verzicht auf Auto und Flugzeug zu gewinnen. Nun plant der Bund milliardenschwere Finanzhilfen für die Deutsche Bahn, um die Corona-Krise abzufedern.

Denn viele Menschen haben Angst vor Infektionen unterwegs, wie Studien zeigen. Solange kein Impfstoff zur Verfügung stehe, wollen rund 40 Prozent seltener öffentliche Verkehrsmittel wie Busse oder Züge nutzen, hieß es kürzlich in einer Umfrage des Strategieberatung McKinsey. Stattdessen wollen die Befragten häufiger zu Fuß gehen, oder auf das Fahrrad oder das eigene Auto zurückgreifen.

Im gesamten Eisenbahnverkehr, für den das Statistische Bundesamt detaillierte Monatsdaten hat, ist der Corona-Einbruch schon sichtbar: Während die Fahrgastzahlen im Nah- und Fernzügen im Januar und Februar das übliche Niveau erreichten, fielen sie im März um satte 40 Prozent. Die Deutsche Bahn und auch regionale Verkehrsverbünde hatten in der Krise Verbindungen ausgedünnt. Bundesweit waren weniger Menschen unterwegs, da viele von zu Hause arbeiten und wegen der Kontaktbeschränkungen auf Reisen zur Familie verzichteten.

Die Bahngewerkschaft EVG erwartet keine schnelle Erholung im Fernverkehr der Deutschen Bahn. «Wir gehen davon aus, dass wir 2022 oder 2023 die Zahlen erreichen, die wir 2019 gesehen haben», sagte der stellvertretende EVG-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel kürzlich der dpa. Weil die Beschäftigten nun mehr Erfahrung mit Telefon- und Videokonferenzen haben, werde es vorerst weniger Dienstreisen mit der Bahn geben, so Hommel. «Wir werden viele Fahrten, die wir früher gemacht haben, nicht mehr machen. Wir haben gelernt, dass es auch anders geht.»

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