Nach Urlaub im Risikogebiet
Pflicht-Tests für Rückkehrer: Rufe nach schärferen Maßnahmen

Wer aus einem Risikogebiet nach Deutschland einreist, muss sich von diesem Samstag an auf Corona testen lassen. Das geht Einigen aber nicht weit genug.

Freitag, 07.08.2020, 05:16 Uhr aktualisiert: 07.08.2020, 10:58 Uhr
Die Rufe nach einer Verschärfung der Maßnahmen gegenüber Reiserückkehrern werden lauter.
Die Rufe nach einer Verschärfung der Maßnahmen gegenüber Reiserückkehrern werden lauter. Foto: Jan Woitas

Berlin (dpa) - Nach der Ankündigung verpflichtender Corona-Tests für Rückkehrer aus Risikogebieten werden Rufe nach schärferen Maßnahmen im Kampf gegen das Virus laut. Eine zweite Corona-Welle müsse unbedingt verhindert werden, hieß es zur Begründung.

Der CDU-Wirtschaftsrat forderte ein generelles Reiseverbot für Corona-Hotspots. «Reisen in Risikogebiete müssten konsequenterweise auch untersagt werden», sagte Wolfgang Steiger, der Generalsekretär des CDU-nahen Verbands, der «Bild»-Zeitung. «Das Reiserecht kann nicht höher bewertet werden als die Rechte von Millionen Deutschen, denen ansonsten ein erneuter Lockdown droht.»

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Mongomery, forderte eine generelle Quarantäne. Tests seien nur «eine Momentaufnahme». Deshalb sollte alle Reiserückkehrer aus Risikogebieten in Quarantäne gehen. «Eine Woche bis zehn Tage. Ein negativer Test kann nicht vor der Quarantäne schützen», sagte Montgomery der «Passauer Neuen Presse». Um eine Infektion sicher auszuschließen, sei ein zweiter Test nach mindestens 72 Stunden notwendig.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte in der Sendung «ARD extra», die verpflichtenden Tests für Reiserückkehrer stellten eine Verbesserung im Vergleich zur bisherigen Lage dar. «Besser geht immer, perfekter geht immer», sagte der CDU-Politiker. Es gehe aber darum, eine Balance zwischen den Kapazitäten und dem, «was Sicherheit bringt» zu erreichen. Derzeit gebe es vermehrt positive Corona-Tests bei Rückkehrern - etwa 2 bis 2,5 Prozent der Einreisenden würden positiv getestet. Vor allem bei der Landeinreise aus Risikogebieten - etwa mit dem Auto - sei vielen Menschen gar nicht bewusst, dass es bereits jetzt eine Verpflichtung zur Quarantäne gibt.

Montgomery sagte, es gelte erneut, chaotische Zustände im Gesundheitssystem zu verhindern. Der Anstieg der Corona-Infektionen sei mit der Rückkehr der Urlauber zu erwarten gewesen. «Wir müssen jetzt sehr viel konsequenter bei Rückkehrern auf die Einhaltung von Quarantäne und Testung achten», sagte er. «Deutschland ist in einer Corona-Dauerwelle.»

CDU-Wirtschaftsrat-Chef Steiger betonte, das Arbeits- und Schulleben ein zweites Mal wegen hoher Neuinfektionszahlen herunterzufahren, könne sich die Bundesrepublik «nur unter erheblichsten Schwierigkeiten nochmal leisten können. Das muss allen klar sein. Deshalb erwarte ich von der Politik mehr vorausschauendes Handeln als jetzt bei der schon lange erwartbaren Rückreisewelle aus den Ferien», sagte Steiger.

Urlauber aus Corona-Risikogebieten müssen sich ab diesem Samstag bei der Rückkehr nach Deutschland auf das Virus testen lassen - außer, sie haben schon ein frisches negatives Ergebnis dabei. Welche Länder als Risikogebiete gelten, geht aus einer Liste des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor - aktuell stehen darauf etwa 130 der weltweit knapp 200 Staaten von Ägypten über Russland bis zu den USA. Aus der EU sind derzeit Luxemburg, die belgische Provinz Antwerpen und die spanischen Regionen Aragón, Katalonien und Navarra auf der Liste.

Der deutschen Wirtschaft machen die weltweiten Reisebeschränkungen wegen der Corona-Pandemie zunehmend zu schaffen. «Für die exportorientierte deutsche Wirtschaft sind Geschäftsreisen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Die Folgen der Reiseeinschränkungen sind daher erheblich», sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Martin Wansleben, der dpa.

Aufgrund der vielen Grenzschließungen und Quarantänemaßnahmen könnten Unternehmen häufig ihre Manager, Techniker oder Vertriebsmitarbeiter nicht zu ihren Kunden oder Lieferanten in andere Länder schicken. «Für Geschäftsanbahnungen sowie Montagen oder Reparaturen von Maschinen ist der persönliche Kontakt vor Ort häufig aber unerlässlich», sagte Wansleben.

© dpa-infocom, dpa:200807-99-74156/3

Corona-Tests am FMO

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  • In der Nacht zum Dienstag hat das Corona-Testzentrum am Flughafen Münster-Osnabrück seinen Dienst aufgenommen. 

    Foto: Wilfried Gerharz
  • In der Maschine aus Kayseri in der Türkei, die um 2.50 Uhr am Morgen landete, saßen 88 Passagiere. 32 haben sich davon freiwillig testen lassen. 

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Am Mittwoch war dann Tag zwei mit Corona-Tests am Flughafen Münster/Osnabrück (  FMO  ).

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Am Nachmittag landete eine Maschine mit 120 Passagieren aus dem türkischen Zonguldak in Greven.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • 60 Ankömmlinge ließen sich direkt am FMO testen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Viele der übrigen Reisenden konnten bereits negative Tests nachweisen.

    Foto: Wilfried Gerharz
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