Razzien im Raum Frankfurt
Schlag gegen mutmaßliche Geldwäscher und Steuerhinterzieher

Datenleaks zu internationalen Finanzströmen haben zu Ermittlungen gegen vorläufig sieben Beschuldigte in Deutschland geführt. Nun gab es bundesweit Durchsuchungen.

Dienstag, 11.08.2020, 15:17 Uhr aktualisiert: 11.08.2020, 15:20 Uhr
Im Steuerbetrugsfall wird bislang gegen sechs deutsche Beschuldigte ermittelt, die mit Hilfe einer Bank in Puerto Rico so genannte Offshore-Gesellschaften gegründet haben sollen (Symbol).
Im Steuerbetrugsfall wird bislang gegen sechs deutsche Beschuldigte ermittelt, die mit Hilfe einer Bank in Puerto Rico so genannte Offshore-Gesellschaften gegründet haben sollen (Symbol). Foto: Peter Steffen

Frankfurt/Main (dpa) - Russische Geldwäsche und Steuerhinterziehung über eine Bank in Puerto Rico - die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat auf der Grundlage internationaler Finanzdaten in ganz Deutschland Geschäfts- und Privaträume durchsuchen lassen.

Haftbefehle gegen die insgesamt sieben Beschuldigten gab es nach Angaben der Ermittler keine. Im Steuerbetrugsfall wird bislang gegen sechs deutsche Beschuldigte ermittelt, die mit Hilfe einer Bank in Puerto Rico so genannte Offshore-Gesellschaften gegründet haben sollen, wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt und das Bundeskriminalamt mitteilten. Ziel sei es gewesen, Kapitalerträge vor den deutschen Steuerbehörden zu verbergen und die anfallenden Steuern zu hinterziehen.

Die Privatwohnungen der Beschuldigten in den Rhein-Main-Orten Frankfurt, Neu-Anspach, Oberursel, Schwalbach und Hattersheim sowie in Bonn wurden ebenso durchsucht wie die Geschäftsräume mehrerer Banken im gesamten Bundesgebiet. Weitere Beschuldigte könnten im Zuge der Ermittlungen hinzukommen, sagte die Frankfurter Oberstaatsanwältin Nadja Niesen.

Bei den Instituten ging es laut Justiz ausschließlich darum, Beweismittel zu erlangen und die tatsächlichen Besitzverhältnisse der Offshore-Gesellschaften zu klären. Mehrere Banken einschließlich der Deutschen Bank wurden um Informationen gebeten. Die Deutsche Bank wollte die Angelegenheit nicht weiter kommentieren.

In einem weiteren, davon unabhängigen Verfahren durchsuchten Einsatzkräfte des Bundeskriminalamts eine Im- und Exportfirma sowie Wohnräume in Brandenburg. Ihr 57 Jahre alter Inhaber steht im Verdacht, zu einem Geldwäsche-Netzwerk mit starken Russland-Bezügen zu gehören, das im vergangenen Jahr unter dem Titel «Troika Laundromat» bekannt geworden war. Nach Berichten eines internationalen Rechercheverbunds sollen aus Russland mehrere Milliarden Euro in den Westen gelangt sein. Allein auf deutschen Konten seien rund 190 Millionen Euro gelandet. Das BKA ist nach eigenen Angaben seit Anfang 2019 im Besitz entsprechender Datensätze.

Der Mann soll illegale Gewinne aus Straftaten in den legalen Wirtschaftskreislauf gebracht haben. Über die Firmenkonten seien betriebsfremde Zahlungen an Privatleute in Russland geflossen. Außerdem bestehe der Verdacht, dass über die Firma mehr als 7 Millionen Euro an Offshore-Gesellschaften geflossen sind. Ob der Mann festgenommen wurde, blieb zunächst unklar.

© dpa-infocom, dpa:200811-99-124412/3

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