Anzeichen einer Erholung
Chemie- und Pharmabranche erwartet 2020 Umsatzrückgang

Deutschlands Chemiehersteller stellen sich auf ein vergleichsweise schwaches Gesamtjahr ein. Frühestens 2021 dürfte das Niveau von vor der Corona-Krise wieder erreicht werden.

Dienstag, 08.09.2020, 14:31 Uhr aktualisiert: 08.09.2020, 14:34 Uhr
Ein Mitarbeiter in einem Pharmaunternehmen. (Symbolbild).
Ein Mitarbeiter in einem Pharmaunternehmen. (Symbolbild). Foto: Frank Eppler

Frankfurt/Main (dpa) - Die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie rechnet nach deutlichen Rückgängen im zweiten Quartal mit einem schwächeren Gesamtjahr.

Die Erlöse dürften 2020 zum Vorjahr um sechs Prozent auf 186,4 Milliarden Euro zurückgehen, wie der Branchenverband VCI am Dienstag in Frankfurt mitteilte. Bei der Produktion rechnet der VCI mit drei Prozent Rückgang. Rechnet man die Pharmaindustrie heraus, dürfte die Produktion um vier Prozent sinken.

«Unsere Branche musste im zweiten Quartal einen historischen Einbruch hinnehmen», sagte VCI-Präsident Christian Kullmann. Der Auftragsmangel sei aber nicht die einzige Herausforderung gewesen, es habe auch Probleme bei den Lieferketten gegeben. Dennoch rechnet Kullmann nicht damit, dass Chemie- und Pharmaunternehmen die Produktion von Asien nach Deutschland verschieben werden.

Die Produktion in der chemisch-pharmazeutischen Industrie ging im zweiten Quartal um 5,8 Prozent zurück. Ohne Pharma lag die Produktion um 8,5 Prozent unter Vorjahresniveau. Der Umsatz von Deutschlands drittgrößtem Industriezweig mit etwa 464.000 Beschäftigten hierzulande schrumpfte um 11,5 Prozent auf 96 Milliarden Euro. Trotz dieses Einbruchs seien die Unternehmen deutlich besser durch die weltweite Krise gekommen als andere Branchen, sagte Kullmann.

Der Verband geht davon aus, dass die Talsohle der Rezession durchschritten ist. «Wir sehen erste Anzeichen einer Erholung», sagte Kullmann. Allerdings sei die Branche von einer «schwungvollen Erholung» deutlich entfernt. Wenn ein erneuter Shutdown verhindert werden könne, dürfte sich die Nachfrage nach Chemikalien und Pharmazeutika im zweiten Halbjahr stabilisieren. Allerdings rechnet der Verband damit, dass die Branche frühestens Ende 2021 das Vorkrisenniveau wieder erreichen wird.

Die konjunktursensible Chemieindustrie leidet schon länger unter einer schwachen Industrienachfrage in Deutschland sowie globalen Handelskonflikten. Vor allem die Krise der Autobranche, die etwa Lacke, Kunststoffe und Reifen von der Chemieindustrie bezieht, belastet die Branche schwer. Derzeit befinden sich dem VCI zufolge etwa 50 000 Chemie-Beschäftigte in Kurzarbeit.

Im vergangenen Jahr war der Umsatz der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie um 2,3 Prozent auf 198,3 Milliarden Euro geschrumpft. 2018 hatten die Chemie- und Pharmafirmen im VCI noch einen Rekordumsatz von 203 Milliarden Euro erzielt.

© dpa-infocom, dpa:200908-99-476934/2

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