Anlagestrategie
Was Sie über Aktien wissen müssen

Zinsen scheinen ausgestorben. Wollen Sie ihr Vermögen mehren, kommen Sie an Aktien derzeit kaum vorbei. Aber was eigentlich ist eine Aktie? Und wie kommt der Kurs zustande?

Mittwoch, 21.10.2020, 05:04 Uhr aktualisiert: 21.10.2020, 05:07 Uhr
Um Aktien kaufen zu können, brauchen Verbraucher ein Depot bei einer Bank oder einem Broker. Dann kann der Handel auch über das Smartphone abgewickelt werden.
Um Aktien kaufen zu können, brauchen Verbraucher ein Depot bei einer Bank oder einem Broker. Dann kann der Handel auch über das Smartphone abgewickelt werden. Foto: Zacharie Scheurer

Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Zahlen lügen nicht: 0,03 Prozent - das ist im Durchschnitt das, was man derzeit laut FMH Finanzberatung an Zinsen für sein Geld auf einem Tagesgeldkonto bekommt. Vermögen aufbauen kann man damit schwerlich.

Wer mehr aus seinem Geld machen will, kommt im Moment um Aktien kaum herum. Für Einsteiger ist die Welt der Aktien aber oft schwer zu durchschauen. Dabei ist es nicht wirklich kompliziert. Wer weiß worauf er sich einlässt, kann sein Gesamtvermögen mit Aktienanlagen streuen und die Rendite verbessern. Wichtige Fragen und Antworten:

Was sind Aktien?

«Aktien sind verbriefte Anteile an Aktiengesellschaft», erklärt Claus Walter, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Freiburger Vermögensmanagement GmbH. «Damit werden die Inhaber dieser Wertpapiere Gesellschafter eines Unternehmens.» Das in Aktien investierte Kapital zählt zum Eigenkapital des Unternehmens.

Aktionäre sind also Miteigentümer, die damit auch ein finanzielles Risiko eingehen, sollte das Unternehmen Verluste machen. Allerdings werden Aktionäre auf der anderen Seite auch an Gewinnen beteiligt.

Ist eine Aktie gleich eine Aktie?

Es gibt verschiedene Arten von Aktien. Unterschieden wird zum Beispiel in Namens- und Inhaberaktien. «Bei Namensaktien sind die Aktionäre einzeln in das Aktienregister eines Unternehmens eingetragen», erklärt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Inhaberaktien gehören hingegen demjenigen, in dessen Depot sie liegen. «Inhaberaktien sind quasi ein anonymes Inhaberpapier», schreiben Stefanie Kühn und Markus Kühn in ihrem Ratgeberbuch. Die AGs kennen die Aktionäre hier nicht und können nur über die Depotbanken mit ihnen Kontakt aufnehmen.

Eine weitere Unterscheidung ist die von Stamm- und Vorzugsaktien. «Vorzugsaktien sind nicht stimmberechtigt, die Inhaber können auf den Hauptversammlungen also nicht mitreden», erklärt Kurz. «Dafür erhalten sie meist etwas mehr Dividende.» Wer Stammaktien besitzt, kann hingegen auf den Hauptversammlungen über alle Tagesordnungspunkte mitentscheiden.

Wie kann man Aktien kaufen?

«Gehandelt werden Aktien an den verschiedenen Börsenplätzen», erklärt Kurz. In Deutschland ist die Börse in Frankfurt am Main ein wichtiger Handelsplatz, in den USA die Börse in New York . Darüber hinaus gibt es weitere internationale oder regionale Handelsplätze.

Kaufen können Anleger Aktien nicht an den Börsen direkt, sondern nur über ihre Bank oder ihren Broker. Dazu müssen sie ein Depot haben. «Ist das eingerichtet, geben Sie den Auftrag, an einer Börse eine bestimmte Aktie zu kaufen», erklärt Walter. «Diesen Auftrag wickelt dann ein Broker nach den festgelegten Vorgaben ab und die Papiere werden bei einem erfolgreichen Kauf in das Depot eingebucht.»

Wie wird der Kurs einer Aktie gebildet?

Wie viel Aktien kosten, ist eine Frage von Angebot und Nachfrage. «Wenn jemand eine Aktie zu einem Preis von 50 Euro verkaufen will, muss er jemanden finden, der bereit ist, 50 Euro zu zahlen», erklärt Kurz. «Das passiert im Aktienhandel jeden Tag millionenfach.»

Der Preis, zu dem Verkäufer bereit sind, ihre Aktien zu verkaufen, wird Briefkurs oder englisch «Ask» genannt. Der Preis, den Käufer bereit sind für die Aktie zu zahlen heißt Geldkurs oder englisch «Bid». Die Spanne dazwischen wird als «Spread» bezeichnet.

Was ist ein Börsenindex?

«Ein Börsenindex ist die Zusammenfassung von verschiedenen Aktien unter einer Überschrift», erklärt Jürgen Kurz. Der Deutsche Aktienindex Dax zum Beispiel fasst die 30 größten Unternehmen des deutschen Aktienmarktes und bildet deren Wertentwicklung ab. Erstellt werden Indizes zum Beispiel von den Börsen aber auch von Finanzdienstleistern wie Morgan Stanley Capital International (MSCI).

«Wichtig ist die Unterscheidung, ob es sich um einen Kursindex oder einen Performanceindex handelt», erklärt Walter. «Ein Kursindex, wie etwa der bekannte amerikanische Dow Jones, gibt nur die Entwicklung der täglichen Börsenkurse wieder.» Bei einem Performanceindex, wie etwa dem Dax, werden auch Dividendenzahlungen eingerechnet.

Können Aktionäre auch mitreden?

Jeder Aktionär, der stimmberechtigte Aktien hat, kann sich auf der jährlichen Hauptversammlung einbringen. Auf diesen Treffen zieht der Vorstand Bilanz und gibt einen Ausblick auf die Zukunft. Entschieden wird auf der Hauptversammlung über die Verwendung des Gewinns, also, ob eine Dividende ausgeschüttet wird und ob der Vorstand für seine Arbeit entlastet wird. Auch der Aufsichtsrat wird hier gewählt.

«Dabei gilt der Grundsatz: One Share, one vote» , sagt Kurz. Übersetzt heißt das etwa: Pro Aktie eine Stimme. «Als Kleinaktionär kann man in der Regel keine Berge versetzen», sagt der Anlegerschützer. «Aber man kann sein Fragerecht aktiv nutzen.»

© dpa-infocom, dpa:201020-99-12251/3

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